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"Wie weit würden sie gehen um einem Mitmenschen zu helfen?"

Dave Lizewski (Aaron Johnson) ist ein unauffälliger Teenager und Comicfan. Er schwärmt heimlich für seine Mitschülerin Katie (Lyndsy Fonseca), wird von dieser aber mit Nichtbeachtung gestraft. In seiner Not und dem Streben nach Beachtung zieht er sich ein Kostüm über und geht mit zwei Schlagstöcken auf Verbrecherjagd. Zunächst schlagen seine Versuche sich als Superheld Kick-Ass zu profilieren fehl, da ihm die nötige Kraft fehlt und es ihm an Ausrüstung mangelt. Als er aber vor einem Fast-Food Restaurant einige zwielichtige Typen vermöbelt und dabei gefilmt wird, erscheint seine Tat im Internet und in den Nachrichten. Fortan genießt er die Beachtung die er suchte und wird sogar von Katie eingeladen. Allerdings macht er auch Drogenbaron Frank D’Amico (Mark Strong) durch seine Heldentaten auf sich aufmerksam. Dave bekommt aber unverhofft Hilfe. Der Ex-Polizist Damon (Nicolas Cage) und seine durchtrainierte 11-jährige Tochter Mindy Macready (Chloe Moretz) sind wie er in Superheldenkostümierung als Big Daddy und Hit-Girl unterwegs und haben es auf den Drogenbaron abgesehen.

Nach "Wanted" ist "Kick-Ass" die zweite filmische Umsetzung einer Comicvorlage von Mark Millar. Während erstere recht seelenlos schien, kommt nun zweitere mit ähnlich cineastischer Action, gleichzeitig aber einem wesentlich unterhaltsameren Rahmen daher. Verantwortlich dafür ist Matthew Vaughn der bereits mit "Der Sternwanderer" einen äußerst frischen Fantasyfilm abseits der Bombast Produktionen ablieferte.

"Kick-Ass" erinnert auf den ersten Blick ein wenig an "Watchmen". Beide demontieren das Superheldengenre indem sie ganz normale Menschen ohne Superkräfte oder überdimensionierter Ausrüstung gegen böse Buben schicken. "Kick-Ass" enthält aber weder die Feinsinnigkeit noch den visuellen Anspruch von "Watchmen", dafür aber auch nicht ewig lange Dialogsequenzen, die auf Dauer langweilen.
Als schräg kann man so manche Figur bezeichnen. Besonders die erst 11-jährige Protagonistin Mindy, die unverkleidet zuckersüß, als Hit-Girl aber mit akrobatischsten Bewegungen ihre Gegner regelrecht abschlachtet fällt aus den sonstigen Figuren heraus und sorgt immer wieder für diskutable sowie unterhaltsame Momente.

Matthew Vaughn präsentiert eine fulminante Mischung aus Drama, Komödie, Teenie- und Actionfilm. Die Mischung ist so abstrus, dass ein wahrhaftes Wechselbad der Gefühle vorprogrammiert ist. Der einzige Negativpunkt des Films.
Im Grunde ist der integrierte Humor grandios, gerade der lakonische Einstieg, der gleichzeitig den Protagonist greifbar zeichnet. Der Witz beläuft sich von Teenagerproblemen bis zu typischen Superheldenparodien, die gerne einen überzeichneten Eindruck hinterlassen, niemals jedoch zu tief unter die Gürtellinie greifen. Allerdings sind manche Sequenzen so überzeichnet, dass sie albern wirken und keinen ernsthaften Eindruck mehr erreichen.
Kontrovers dazu stehen Szenen mit ungemeiner Härte. Die Gewaltexplosionen erreichen beklemmende Dimensionen, protzen mit abgeschlagenen Gliedmaßen, zerfetzten und gepressten Körpern sowie Unmengen an Kopfschüssen. Diese stehen "Kick-Ass" ungemein gut, vermitteln neben der nachvollziehbaren Figurenzeichnung einen realistischen Eindruck.

Die Actionszenen sind abwechslungsreich, bereichern die Palette von Nahkämpfen zu Schusssequenzen die gerne auch mal bei anderen Filmen abkupfern. "Kick-Ass" macht in dieser Richtung gar keinen Hehl abgekupfert zu haben, setzt stattdessen ähnlich gesehene Bilder noch anspruchsvoller und geradezu frisch um. Integriert ist beispielsweise eine Sequenz gänzlich aus der Ich-Perspektive einer Figur. Visuell beschreitet "Kick-Ass" sogar einen Ausflug in bunte Comicbuchwelten, denn eine Rückblende wurde in festen Comicpanels gestaltet.
Ein kunterbunter Soundtrack sorgt dafür, dass die Action auch richtig fetzt. Elektro und Punk von The Prodigy schlägt einen rauen Ton an, Ennio Morricone's Per Qualche Dollaro In Piu aus dem Film "Für ein paar Dollars mehr" sorgt für einen atmosphärischen Western-Touch. Auch hier ist die Mischung wild, beinahe schon experimental und unverbraucht für das Superheldengenre.

Ein Hauch von Gesellschaftskritik stellt sicher, dass sich "Kick-Ass" am Rande moralisch anspruchsvoll präsentiert. Die Nachricht Verantwortung zu übernehmen, nicht wegzusehen und der Gleichgültigkeit gegenüber tätlichen Angriffen ein Ende zu setzen geht bei all dem drunter und drüber aber fast verloren.

Darstellerisch ist "Kick-Ass" fast auf dem Niveau eines Teenie-Films. Ordentliche Jungdarsteller, wie Aaron Johnson ("Herr der Diebe") oder Lyndsy Fonseca ("Desperate Housewives") passen zu ihren Rollen, bieten aber keinerlei abwechslungsreiches Schauspiel. Nicolas Cage ("Knowing", "Bangkok Dangerous") hat nur wenige Momente für eine ansprechendere Leistung als in seinen letzten Filmen, Mark Strong ("Sherlock Holmes") erweist sich als steigerungsfähiger, grimmiger Bösewicht.
Am meisten begeistert die junge Chloe Moretz, die ihre Szenen so verspielt darstellt als hätte sie bisher für nichts anderes geprobt.

Erstaunlich frisch unterhält "Kick-Ass" durch sein skurriles Figurendesign, sprichwörtlich abgefahrene Momente sowie heftige Gewaltexplosionen. In Sachen Humor überzeichnet sich der Film manchmal etwas zu sehr und löst somit ein ungestümes Wechselbad der Gefühle aus. Der kunterbunte Genremix ist aber als solches einer der innovativsten Filme im Jahre 2010.

9 / 10

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