Seit Sam Raimi den Spinnenmann auf das Publikum losließ wurde man unter einer ganzen Lawine diverser Filme über Superhelden begraben. "Superhero Movie" zog diverse Genrevertreter schon sehr brachial durch den Kakao, wobei "Kick-Ass weitaus mehr als eine Parodie darstellt. Er basiert auf der Comicreihe von Mark Millar und John Romita Jr., in Szene gesetzt von Matthew Vaughn (Layer Cake, Der Sternwanderer), dem man eine so garstige Hommage mit teilweise satirischen Anleihen nicht zugetreut hätte. Statt ein Effektfeuerwerk der Sonderklasse loszulassen, bleibt sein "Kick-Ass" erfreulich bodenständig und funktioniert so auch mit einem geringen Budget von nur 30 Millionen Dollar. Natürlich war darauf kein Ansturm zu erwarten, wie bei "Spiderman" oder "The Dark Knight", aber es ist wahrlich wie eine Erfrischung, solch einen humorigen Cocktail serviert zu bekommen.
Dave Lizewski (Aaron Johnson) ist ein Niemand, die hübsche Katie (Lyndsy Fonseca) hält ihn sogar für schwul. Doch Dave hat die Schnauze voll von seinem langweiligen Leben. Er will ein Zeichen setzen und erlangt tatsächlich als Superheld "Kick-Ass" Ruhm, weil er einem Menschen das Leben rettet. Dies ruft auch den ehemaligen Polizisten Damon Macready (Nicolas Cage) und seine Tochter Mindy (Chloe Moretz) auf den Plan. Auch sie machen von nun an als "Big Daddy" und "Hit-Girl" die Stadt unsicher, Damon hat noch eine Rechnung mit dem Gangster Frank D´Amico (Mark Strong) offen. Der benutzt nun seinen Sohn Chris (Christopher Mintz-Plasse) als Köder, um seine neuen Gegner unschädlich zu machen. Als Superheld "Red Mist" soll Chris die anderen in eine Falle locken. Dave kommt jetzt zwar bei Katie gut an, doch er schwebt in akkuter Lebensgefahr.
Jemand hat eine tolle Idee, wird dadurch berühmt und es dauert nicht lange bis die Nachmacher Schlange stehen. Genau dies geschieht mit Daves Idee, der sich einfach einen gewöhnungsbedürftigen Neoprenanzug im Internet bestellt und als Möchtegern-Superheld "Kick-Ass" die Stadt etwas besser machen will. Doch außer dem hohen Humoranteil bemerkt man schnell einen weiteren Unterschied zu den üblichen Kadidaten, nämlich verwandelt sich Dave nie in einen echten Superhelden. Er hat keine magischen Kräfte und außer ein paar Gummiknüppel auch keine Waffen. So endet er nach seiner ersten Heldentat mit einer Stichverletzung im Krankenhaus. Da eine Operation an den Nerven nötig war, empfindet er nun kaum Schmerzen, was ihm während des weiteren Geschehens auch zu Gute kommt, denn er bekommt wirklich oft die Hucke voll. Ein bisschen zu sehr widmet Vaughn seine Aufmerksamkeit der Lovestory zwischen Dave und Katie. Besonders über Katie erfährt man nicht sonderlich viel, somit bleibt sie eher oberflächlich. Teilweise geht man auch zu locker mit dem Tod um, besonders die Schilderung über den plötzlichen Tod von Daves Mutter, hätte ein bisschen Feingefühl nicht geschadet. Aber größtenteils trifft der Humor ins Schwarze, besonders was die trockenen Onliner angeht. So sind beispielsweise die Kostüme aller Superhelden eher lächerlich und der hohe Gewaltpegel sehr comichaft. Da darf zu fröhlicher Musik das Blut in ganzen Fontänen durch die Gegend suppen, auch in diesem Punkt ist "Kick-Ass das krasse Gegenteil zu sonstigen PG-13 Kandidaten.
In manchen Actionszenen darf sich Vaughn richtig austoben und hier werden die Brutalitäten nicht durch hektische Schnitte, oder eine entfernte Kamerapositionierung umgangen, sondern Vaughn hält voll drauf. Da werden Körper in Nahaufnahme blutig perforiert, diverse Gegner werden auch mit Messern förmlich dahingemetzelt. Der Bodycount nebst Munitionsverbrauch ist sehr hoch, nur selten wird mit CGI nachgeholfen. Diese Szenen überzeugen auch durch Qualität und sind teilweise sehr schick gefilmt. Vaughn hat die Action gut im Film verteilt, wobei man nicht zuviel erwarten sollte. Im letzten Drittel darf es richtig krachen, während man vorhergehende Szenen meist als Intermezzos bezeichnen kann. Auf spannende Momente sollte man dabei nicht hoffen, auch bleibt besonders das hohe Können von Mindy zu übertrieben, selbst für solch einen Film. Aber Spass macht die Chose allemal, auch wenn hier gleich mit einfachsten Mitteln für die Fortsetzung gesorgt wird. Ein dickes Lob geht an die Darsteller, schön auch mal wieder Nicolas Cage (Con Air, The Rock) in Hochform zu erleben. Doch ganz besonders Aaron Johnson (Frontalknutschen, The Best Man) steht die Rolle des sympathischen Losers hervorragend. Von Mark Strong (Sherlock Holmes, Robin Hood) als Gegenspieler hätte ich mit ein wenig mehr erhofft.
Der Film macht unheimlich Laune, auch wenn die Story nur 08/15 ist und einige Charaktere mehr Tiefe benötigten. Aber es erwartet den Zuschauer nicht nur ein Gag-, sondern auch ein Actionfeuerwerk mit gewollt übertriebenen Gewalteinlagen. Die Darsteller haben sichtlich ihren Spass, auch optisch und musikalisch kann man "Kick-Ass" keine Vorwürfe machen. Somit ist er wesentlich besser als jede simple Parodie, denn es wird auch Kritik geübt.