"Ich werde euch nämlich alle erschießen. Alle. Einen nach dem Anderen."
Bereits Jahre hat der einstige Mafia-Pate Charly Mattei (Jean Reno) mit seiner kriminellen Vergangenheit abgeschlossen und widmete sich seitdem seiner Frau und seinen beiden Kindern. Ein Anschlag auf ihn holt ihn jedoch in die Marseiller Unterwelt zurück. Die 22 Kugeln sollten ihn eigentlich töten. Mattei überlebt aber das Attentat. Vor Kommissarin Goldman (Marina Foïs), die ein persönliches Interesse an dem Fall hat, schweigt er sich aus. Kaum wieder gesundet, macht er sich auf die Suche nach den Verantwortlichen des hinterhältigen Anschlags und gerät dabei zu seinem ehemaligen Freund und derzeitigen Mafia-Oberhaupt Tony Zacchia (Kad Merad).
Der Trailer zum französischen Film "22 Bullets" verspricht eine Mischung aus Rache-Thriller und Action-Drama im Stile eines "96 Hours" zu werden und beginnt tatsächlich mit einer brachialen Eröffnungsszene. Je weiter der Film aber voran schreitet, desto langwieriger und konventioneller wird er.
Originalität ist bei einem so konventionellen Thriller kaum zu erwarten. So bietet "22 Bullets" kaum Überraschungen und ist recht vorhersehbar. Der Versuch die eigentliche Handlung durch eine nebenläufige zu erweitern funktioniert zwar im Ansatz gut, ist jedoch sehr oberflächlich geraten und verliert mit zunehmender Laufzeit an Bedeutung. Dadurch kämpft der Thriller, der mit knapp 2 Stunden spürbar zu lang geraten ist, mit ein paar Längen.
Nur wenig Mut beweist "22 Bullets" auch bei der Zeichnung seiner Figuren. Zwar plausibel, jedoch ohne außergewöhnliche Merkmale präsentiert der Film den Standardgangster vom Fließband, sowie einen geläuterten Helden ohne wirkliche Ecken und Kanten.
Allein schon durch die ruhigen Klänge merkt man dem Film seine klassische Inszenierung an. Durch die Wahl der teils heruntergekommenen Schauplätze, dem kreativen Schnitt sowie der weichen Szenenübergänge entsteht eine passende Atmosphäre.
Im Gegensatz dazu steht die zu den meisten Actionszenen eingesetzte verwackelte Optik, die besonders zu Verfolgungen Irritation entstehen lässt. Die nur seltenen Schießereien verlaufen dafür wesentlich ruhiger und übersichtlicher.
Eingestreute überzeichnete Situationen sowie markige Sprüche lockern "22 Bullets" hin und wieder auf, wollen aber nicht so wirklich zum restlichen Bild des Films passen, da dieser priorisiert kompromisslos zur Sache geht. Ohne immense Gewaltspitzen aber einer gewissen Härte greift die Hauptfigur immer wieder zur Selbstjustiz. Ein wenig mehr Intensität hätte diesen Szenen dennoch gut getan, da auch bei ihnen der Mut zu eigenen Akzenten fehlt.
Die Besetzung hebt den Film ein wenig aus der Masse hervor. Ohne den überragenden Jean Reno ("Godzilla", "Die purpurnen Flüsse"-Reihe) wäre "22 Bullets" nicht mal ein solider Thriller, auch wenn man seine Rolle des einstigen Paten durch seinen treuen Blick nicht immer völligst abnimmt. Auch der bisherige Kömödiendarsteller Kad Merad ("Willkommen bei den Sch’tis") präsentiert den vor nichts zurückschreckenden, kaltblütigen Killer mit einer enormen Spielfreude. Das Team um die beiden Hauptpersonen agiert professionell, hebt sich aber sonst nicht weiter ab.
Nach einer hervorragenden Eröffnungsszene verkommt "22 Bullets" immer mehr zum zwar soliden aber durch nichts hervorstechenden Thriller. Zu lang und konventionell ist der Film mit seinen knapp 2 Stunden und vorhersehbaren Ereignissen geraten. Die Besetzung kann überzeugen und zählt zu den Stärken des Films, der zwar harte Bilder der Selbstjustiz zeigt, eine enorme Intensität wie bei vergleichbaren Filmen jedoch missen lässt.
6 / 10