Review

Der große Jean Reno in einem topaktuellen französischen Mafia-Rache-Thriller - das hat mich mehr als nur interessiert, ich habe mich regelrecht auf diesen Film gefreut. Gleich der Anfang ist großartig in Szene gesetzt und kann in allen Belangen vollkommen überzeugen, wobei der Härtegrad mich sogar überrascht hat. Die elegante Optik, die gute Kameraführung, die extrem hochwertige Opernmusik, all diese gelungenen Aspekte ziehen sich durch den ganzen Film. Was kann da noch schief gehen?

Der Film nimmt sich selber sehr ernst und schafft damit gute Voraussetzungen für die Entfaltung der vollen Wucht. Leider gilt dies nicht für alle Figuren! So wird die Chance, eines der künftigen Racheopfer ins Lächerliche zu ziehen, aus unerfindlichen Gründen mehrfach wahrgenommen. Da haben wir v.a. den stotternden Anführer, der mich in der deutschen Synchronisation wiederholt an den unvergesslichen Choleriker des französischen Kinos Luis de Funes erinnert, was hier aber leider von erheblichem Nachteil ist. Der Dicke Mafioso, der auf dem Friedhof watschelnd zu einem Grab rennt, sieht sogar schon fast grotesk aus und die Handlung ist noch nicht mal nachvollziehbar oder motiviert. Und daran schließt sich auch das Hauptproblem des ganzen Films an: die Figurenzeichnung ist durch und durch völlig überzogen und es gibt nur schwarz und weis. Dies gilt zumindest für die Gangster. Da haben wir einerseits den alten, ehrenhaften Gangster, der sich niemals mit Drogen kompromitieren würde und der letztlich nichts anderes als ein Ehrenmann auf Abwegen ist. Auf der anderen Seite gibt es nur den puren Abschaum. So freut man sich natürlich, wenn der Abschaum dezimiert wird und ist auf der Seite des Racheengels, zumal Reno natürlich überzeugend und cool agiert. Aber mal ehrlich, wer braucht denn eine solch plumpe Figurenkonstellation? Ich jedenfalls nicht. Auf der inhaltlichen Ebene haben wir nichts weiter als die typische Rachegeschichte, die naturgemäß weitgehend frei von Überraschungen ist. Da hilft auch die schnell geschnittene und gut gemachte Action mit passendem Einsatz der Wackelkamera nicht mehr weiter. Außerdem nimmt der Film auch immer wieder den Fuß vom Gas, und zwar nicht nur zu Gunsten der Eleganz, die ein gewisses Maß an Gediegenheit ja durchaus plausibel und passend erscheinen lassen kann. Nein, hier wird so weit zurückgefahren, dass sich bei mir wiederholt akute Langeweile eingestellt hat.

Was haben wir hier also unterm Strich? Elegante Optik und gute Kameraarbeit, einen passenden Score und natürlich Jean Reno auf der Habenseite. Dem Gegenüber stehen inhaltliche Stereotypen, die sich auf der Charakterebene wiederfinden und  damit ein einziges großes filmisches Klischee bilden. Das hatten wir schon x-mal und weiss Gott meistens besser, da dort die Figuren zumindest genauso ernst genommen wurden wie der Film selber. Hier ist das leider nicht der Fall. Dazu kommt ein geringes Tempo außerhalb der guten Actionszenen und ein daraus resultierendes hohes Maß an schlichter Langeweile. Mich hat dieser Film sehr enttäuscht. Er ist nichts weiter als eine schöne aber hohle Seifenblase.

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