Review

"Von den Produzenten von Transporter" - mit diesem Slogan, der auf dem DVD-Cover prunkt und einiges verspricht, möchte man wahrscheinlich möglichst viele Konsumenten zum Kauf verleiten. Leider habe auch ich mich täuschen lassen!

Luc Besson, Regisseur von Leon - Der Profi, einer der King Kong's unter den Killerfilmen, durfte hier an der Produktion mitwirken. Seine Handschrift ist unverkennbar, so hat er beispielsweise Jean Reno ähnlich auftreten lassen wie in seinem großartigen Thriller von 1994. Die Zeitlupensequenzen, die in vielen Szenen eintreten, werden von ähnlich anrührender musikalischer Untermalung hervorgehoben. Aber noch viel wichtiger ist, dass Jean Reno auch hier wieder einmal der einzige Mann ist, der in jeder Situation die Nerven bewahrt und ruhig bleibt wie ein windstiller Abend an einem menschenleeren Strand, während man den Sonnenuntergang genießen möchte. Schon in Leon - Der Profi, zu dem hier, zumindest meiner Meinung nach, einige Parallelen erkennbar sind, war Reno die Ruhe in Person - und genau das hat in so faszinierend gemacht. Er hatte nie etwas anderes im Kopf als seine Aufträge mit äußerster Sorgfalt zu erledigen. Auch in 22 Bullets ist diese Vorgehensweise deutlich erkennbar: er ist immer und überall auf alles vorbereitet und Fehler unterlaufen ihm so gut wie nie. Mir gefallen diese Parallelen, die in der Inszenierung unverkennbar Besson's Handschrift tragen.

Über die Story möchte ich eigentlich keine großen Worte verlieren, denn besonders originell oder anspruchsvoll ist sie nicht gerade. Allein die Tatsache, dass der ehemalige Mafia-Pate Mattei (Jean Reno)) einen Anschlag, bei dem er von 22 (!) Kugeln durchsiebt wird, überlebt, ist einfach nur lächerlich und total unlogisch. Naja, sei's drum...Wenigstens hat man es geschafft, dieser abstrusen Geschichte viel Leben einzuhauchen, indem man einen Jean Reno in absoluter Topform in den Körper der Hauptfigur versetzt hat. Die Erzählweise ist eher ruhig und oft auch ziemlich "sanftmütig" gehalten - erinnerte mich häufig an oben genannten Film, aber auch ein wenig an Der Pate. In den richtigen Momenten kracht es dann auch mal ordentlich und an Blut wurde keineswegs gespart, zudem hat man es sich nicht nehmen lassen, mafiatypische Elemente (z.B. mit den Füßen in einem Eimer einbetoniert) und einige wirklich üble Tötungssequenzen (Anschlag auf Charly Mattei) im Detail zu zeigen.

Unglücklicherweise haben sich auch ein paar unnötige Längen eingeschlichen, die kurzzeitig für Langeweile sorgen. Da wären beispielsweise die Szenen im Polizeipräsidium oder die anfänglichen "Befragungen" im Krankenhaus, welche weitestgehend nervig und unnötig wirken. Eine kürzere Laufzeit wäre mit Sicherheit durch das Weglassen besagter Szenen möglich gewesen und hätte somit positiv zum Geschehen (und zum gesamten Film) beigetragen. Die vielen Dialogszenen sind unnötiger Ballast und absolut giftig für diesen Film!

22 Bullets erfindet das Rad ganz bestimmt nicht neu, jedoch ist ein Darsteller wie Jean Reno ein dicker, fetter Gewinn für eine ansonsten eher maue Story. Die Actionszenen bewegen sich auf einem sehr hohen Niveau, und die schöne musikalische Untermalung der ruhigeren Momente ist einfühlsam und passend. Leider kann ich nicht behaupten, dass der Film echte Spannung entwickelt, da vieles zu vorhersehbar und altbekannt ist. Ein bisschen weniger Bla!, dafür mehr Bäng! hätte dem Film gut getan!

7/10

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