Review

Bei diesem schwedischen Horror-Thriller kann man einige Parallelen zu Hitchcocks „Psycho“ erkennen: Ein einsam gelegenes Hotel, ein sonderbarer Eigenbrödler von Besitzer, eine Reisende mit Geheimnis und anschließend ihre nachforschende Schwester, - sogar das Gewässer hinter dem Gebäude ist vorhanden.
In Sachen Originalität setzt der Streifen zwar keine Maßstäbe, doch aufgrund der merkwürdig kühlen Stimmung und einigen ungeahnten Härten zieht die Handlung rasch in ihren Bann.

Jenny befindet sich auf der Durchreise und hat sich verfahren, als sie beim Bridgeborn Hotel landet. David, der Hotelmanager erweist sich als entgegenkommend und bereitet ihr ein Abendessen mit anschließenden Cocktails an der Bar. Jene Nacht soll allerdings ihre letzte sein, denn ein Unbekannter mit Gasmaske trachtet ihr mit Erfolg nach dem Leben.
Kurze Zeit später sucht ihre ältere Schwester Sarah nach Jenny und strandet ebenfalls in dem Hotel…

Im Grunde stellt sich von Beginn an die Frage, ob es sich bei David um den Killer handelt, oder ob es noch eine zweite Figur gibt, von der der Hotelmann womöglich gar nichts weiß.
Sollte David der Killer sein, kann er seine Lederkluft und die Gasmaske unwahrscheinlich schnell ablegen und binnen weniger Sekunden von einem Ort zum nächsten eilen, um den Ahnungslosen zu mimen. Ist David nicht der Killer, muss er reichlich tumb sein, um dessen Treiben nicht wahrzunehmen, es sei denn, er duldet die Aktionen.
Wie auch immer tun sich diesbezüglich bereits kleine Logiklöcher auf.

Das ist jedoch nicht weiter tragisch, da man insbesondere wegen der überzeugenden und nuanciert spielenden Darsteller schnell in die Geschichte findet und der minimale Score, zunächst nur aus ruhigen Pianoklängen bestehend, sehr zur verloren wirkenden Stimmung beiträgt. Besonders die Ambivalenz von David gestaltet die Sache recht unterhaltsam, da er einerseits einsam und unsicher wirkt, andererseits eine recht bestimmende Art an sich hat und durch die merkwürdige Körperhaltung eine Mischung aus Kind und Kellner vermittelt.
Zunächst ist das Tempo gemächlich und stark auf die beiden Figuren fokussiert, denen eine ordentliche Etablierung ihrer Eigenheiten gestattet wird.

Erst als Sarah an dem Hotel ankommt und erste Nachforschungen anstellt, indem sie sich etwa heimlich ins Gästebuch einzulocken versucht, nimmt die Geschichte an Fahrt auf.
Zwischenzeitlich kommen noch zwei eher Unbeteiligte ums Leben und da wird man schlagartig aus der Ruhe gerissen, wenn ein Haken im Mund gleich den halben Kiefer zerfetzt oder ein Metallrohr einen halben Schädel plättet. Ferner sind einige Stichwunden mit langem Messer auszumachen, die ebenfalls kurz und derb in Szene gesetzt sind.

Leider birgt der Verlauf nur wenige Überraschungen. Die Identität des Schlächters wird natürlich aufgedeckt, ebenso wird das Motiv in Form eines Flashbacks geliefert und auch einige körperliche Auseinandersetzungen gesellen sich hinzu, denn der Bösewicht bleibt nach dem ersten Niederschlag natürlich nicht leblos am Boden liegen.
Der Showdown konzentriert sich an einer Kiesmulde schließlich auf das Duell zwischen Gut und Böse, wobei das Ende eher unerwartet kommt und nicht unbedingt zufrieden stellt, - da rettet auch der zynisch gemeinte Abschluss kaum etwas.

Dennoch bietet „Insane“ einen in sich runden Streifen mit grundsolider Kamera, gut getimten Schnitt und überzeugenden Darstellern.
Die Reduktion auf nur wenige Protagonisten ermöglicht einen intimen Blick in die Privatsphäre einiger Beteiligter und man ist schlicht neugierig, welche Facetten von einer undurchsichtigen Figur wie der von David noch ins Spiel kommen.
Zwar arg vom oben genannten Vorbild abgekupfert und im Verlauf auch nicht wirklich originell, doch spannend genug gestaltet, um für eine Sichtung empfohlen zu werden.
6,5 von 10

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