Review

Tja, eine Sneak-Preview hat schon etwas Eigenes. Blockbuster gibt es eher selten, meist bekommt man Filme zu Gesicht, die man sich freiwillig vielleicht nie angesehen hätte und ist mal mehr und mal weniger davon begeistert, diesen oder jenen unbekannten Streifen auf dieser Schiene gesehen zu haben. Doch so manches Mal könnte man seinem kleinen Obolus, welchen man dafür an der Kinokasse hinterlassen hat, förmlich nachheulen. So unter anderem bei diesem Werk hier.

"Parkour" erzählt die Geschichte eines jungen Manns, Richie, welcher sich an der neuen "Sportart" des Wallrunners oder auch "Parkouring" begnügen kann, jener körperlichen Beschäftigung, bei der man über alle möglichen Gebäude und Wände rennt und springt, ohne dabei aber den Boden zu berühren. Er hat eine Freundin, welche ihn allerdings neuerdings Grund zur Eifersucht gibt und auch sonst läuft momentan alles ziemlich schief in seinem Leben. Fernab davon ist er Miteigentümer einer Baufirma und als ihm eines Tages ein großes Unglück widerfährt, er lässt einen Kollegen vom Gerüst fallen, kommt mit der seinem Leben nicht mehr zurecht und wird langsam wahnsinnig, zumal sich anscheinend auch alle in seiner Umgebung gegen ihn verschworen haben, bis auf den verunfallten Kollegen. Das Unheil nimmt seinen Lauf... und damit die Verwandlung eines normalen 08/15-Typen in eine fast schon schizophrene Bestie. Okay, könnte man jetzt denken, so uninteressant muss das Ganze ja gar nicht sein, doch das ist es leider. Denn der Film ist im Grunde ein riesiger Fehler in sich, ganz zu schweigen davon, dass die Parkouring-Sache nur ein bisschen Beischmuck ist.

Das fängt vor allem damit an, dass alle, aber auch wirklich alle Figuren in keinster Weise so etwas wie eine Seele haben. Von der langsam wahnsinnig werdenen Hauptfigur, über seine Freundin, seine Kollegen und all die anderen Menschen um ihn herum, gehen einem hier wirklich alle gepflegt am Allerwertesten vorbei. Es gelingt den Drehbuchschreibern einfach in keinster Weise auch nur im Ansatz ein Interesse dafür zu schaffen, was aus den Figuren wird, wie sich weiterentwickeln und was letztendlich aus ihnen wird. Eher verkommen diese unter den Fingern der Macher noch zu ungewollten Karikaturen, z. Bsp. wenn Richie gleich zu Beginn gerade einmal zwei Klimmzüge macht, bevor er schweratmend damit aufhört, obwohl er doch sonst überall und an jedem Ort wahllos rumzuklettern scheint.

Desweiteren bedient sich der Film auch jedweden Klischee, was das deutsche Betroffenheitskino so zu bieten hat. Natürlich wird unsere Hauptfigur von seiner Freundin irgendwann betrogen, natürlich sind alle um ihn herum böse und nur er ist der Gute und natürlich sind die besten Freunde am Ende die größten Ärsche. Alles wird hier so sehr nach dem üblichen Konzept gebügelt und inszeniert, dass man sich irgendwann fragt, wo die eigenen Ideen in dem ganzen Schlamassel sind. Mag ja sein, dass einer langsam wahnsinnig werdenden Figur irgendwann wirklich alles nur noch Scheiße vorkommt und jeden um ihn herum als einen Feind betrachtet, doch muss einem dass immer auf die gleiche Weise im Film vor Augen geführt werden? Dadurch rutscht der Film nicht nur in ein völlig belangloses 08/15-Muster, sondern wird dadurch vor allem mörderisch langweilig, da man eben schon in den ersten 5 Minuten weiß, wo der Hase lang läuft und dann auch noch 100 Minuten lang exakt das vor die Augen bekommt, was man erwartet aber nicht gewollt hatte.

Erst zum Ende hin, wenn der Wahnsinn dann die Hauptfigur endgültig eingenommen zu haben scheint, gibt es einen kurzen Moment der noch für so etwas wie eine kleine Aufwertung gut ist. Denn ein dann doch nicht ganz so vorhersehbares Ereignis wirft den Film rückwirkend doch in ein wenig anderes Licht. Doch schon wenige Sekunden später verheddert sich das Ganze wieder, in dem die Macher nun noch ein wahrliches Friede-/Freude-/Eierkuchen-Ende rankleben müssen, dass nun genauso wenig an die bisherigen Ereignisse dran passt, wie das Zusammensetzen eben jener Ereignisse als solches. Wäre hier dann doch noch ein wenig mehr konsequentes Denken drin gewesen, hätte man zum Schluss vielleicht doch noch das ein oder andere herausreißen können, so bleibt der Film aber nun endgültig im völlig belanglosen Sumpf deutscher (bzw. auch allgemeiner) Betroffenheitsfilmchen hängen.

Dazu beitragen übrigens auch die Darsteller, welche (nahezu) allesamt ebenfalls enttäuschen. Vor allem Hauptdarsteller Christoph Letkowski scheint so gar kein Talent dafür zu haben, wie man eine langsam wahnsinnig werdende Figur darzustellen hat, damit einem der Zuschauer das auch abnimmt. Sein Spiel ist konsequent von seichter Natur und das Milchbubi-Image vom Anfang ist auch dann noch präsent, wenn seine Figur eigentlich schon alles andere sein soll, als das. Dazu Nora von Waldstätten, welche erst vor kurzem in "Schwerkraft" glänzte, hier aber auch eher einen bescheidenen, wenn auch irgendwo noch soliden Eindruck hinterlässt. Einzig Georg Friedrich, bekannt als Schorsch aus dem wunderbaren Kifferfilmerlebnis "Contact High", kann als Janko noch irgendwo überzeugen. Ansonsten aber herrscht leider auch auf dieser Ebene Ebbe.

Fazit: Mag der Ansatz auch noch so gut gewesen sein, die Geschichte um den Zerfall eines normalen Menschen, der aufgrund eines nicht verkrafteten Unfalls zum verfallenen und langsam wahnsinnig werdenden Individuum wird, ist Regisseur Marc Rensing völlig misslungenen. Nicht nur das er sich allen möglichen Klischees der deutschen Betroffenheitsfilmlandschaft bedient, er bringt auch keinerlei neue Ideen mit hinein. Des weiteren setzt er die ganze Sache so derart langweilig, betulich und nichtssagend in Szene, dass man am Ende aus einem Film geht, der aber auch so gar nichts intus hatte, was irgendwo interessant war oder dafür geschaffen ist "mitgenommen" zu werden. 100 Minuten reinste Zeitverschwendung, welche man mit nur ein bisschen mehr Mut und manch eigener Idee spürbar hätte aufwerten können. So aber bleibts unterm Strich einer der nichtssagendsten Filme der letzten Zeit.

Wertung: 2,5/10 Punkte

Details
Ähnliche Filme