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Nach Rough Cut [ 2008 ] die zweite Regiearbeit von Jang Hoon, die auch als Brothers oder Blood Brothers bekannt erneut die Paarung einer gegensätzlichen Kombination in das Kerngebiet seines Geschehens und die zunehmenden Annäherungen sowie mit einhergehenden und teilweise noch stärker entwickelnden Differenzen als das dramatische Schwergewicht stellt.

Waren es dort ein Zivilist und ein Verbrecher in der Zwischenwelt der Filmproduktion aus Sein und Schein, sind es hier zwei Agenten auf der gegensätzlichen Seite des 38ten Breitengrades, die sich notgedrungen und zweckbedingt in eine Kontaktaufnahme des Anderen und über die Zeit hinweg auch in die entsprechende Eingewöhnung begeben. Realpolitisch interessant und nach den Vorfällen des Angriff auf der Frontlinie der Yeonpyeong Insel, den Schießübungen an der grenznahen Insel Yongpong und der "Abschreckung zur Selbstverteidigung" auch wieder brisant, aber sich [zum Zeitpunkt von Dreh und Veröffentlichung noch] um das Thema von Debatten hinweg auf eine menschliche Ebene mit all den Stärken und Schwächen vor allem der Leichtgläubigkeit und Kritiklosigkeit begebend. "I can already feel the bloodbath" zu Beginn und gen Ende samt einiger derberer Action, dazwischen und natürlich auch vor dem Abspann die leichtere Kost, in der romantisierten feel good Variante.:

Unter Führung des nordkoreanischen Killers "Shadow" [ Jeon Gook-hwan ] sollen die beiden relativen Frischlinge Song Ji-won [ überzeugender Jungstar: Kang Dong-won ] und Son Tae-soon [ Yoon Hee-seok ] einen Anschlag inmitten einer Seouler Wohnhaussiedlung auf einen Landesverräter ausführen. Dicht auf ihren Spuren der südkoreanische National Intelligence Service mit Agent Lee Han-gyoo [ ein Tick zu flapsig: Song Kang-ho ] an der Spitze der Ermittlung, der allerdings trotz dem heimlichen Überläufer Son und dessen Information nicht den Erfolg des Attentates, das Entkommen der beiden überbleibenden Flüchtlinge und weitere Tote unter der Bevölkerung vermeiden kann. Sechs Jahre später betreibt der geschasste Lee eine Privatagentur zum Wiederfinden und Zurückholen in das Land gereister Frauen, eine eher schäbige Aufgabe, bei der er aber zufällig auf den untergetauchten und ebenso zurückhaltend lebenden Song trifft. Beide erkennen sich gegenseitig, täuschen aber glaubhaft die Unwissenheit vor und lassen sich auf eine Kollektivarbeit in Lees Agentur ein, um so an Informationen des Anderen zu gelangen. Da tauchen in den Nachrichten Meldungen über den Tests von Nuklearwaffen seitens der Diktatur auf.

Dabei wird die Politik bis auf die medialen Erscheinungen im TV weitgehend außen vor gelassen und auch das Geteilte Land selber oft nur anhand privater Erscheinungen wie im Sinnbild eingesetzt. Beide Familien der Männer befinden sich auswärts der Erreichbarkeit, in einer anderen Landes- oder gar Kontinentalzone und sind so seit etwa gleicher Zeitspanne [6-7 Jahre] von ihren Angehörigen getrennt, sei es durch eine Scheidung und Umzug, sei es durch den Grenzposten und die Umstände der jeweiligen Staatsführung.

In reizenden Anstand schon auf eine gewisse Förmlichkeit unter den Männer geprägt, lässt sich der Niederschlag der Fühlungnahme beider Parteien auch nicht in der Befestigung durch dies klar aussprechende Dialoge und Verhaltensweisen, sondern nur die kleinen Blicke und Gesten erahnen. Dabei spielt der vorübergehend gemeinsame Lebensort von Agent Lee und Agent Song nicht einmal so sehr die große Rolle, wird sich zwar theoretisch Ess- und Schlafplatz und somit getreu des definitiven buddy picture Aufhängers selbst das äußerlich Privateste und Intimste geteilt, lässt sich dort aber kaum eine Vereinigung zu dem Anderen hin erkennen. Da herrscht die Paranoia eher noch am Deutlichsten hervor, sobald die Ruhe am Ende des Tages oder während sonstiger Freizeit auftaucht, während in den Arbeitsstunden selber die Kooperation im Zusammenwirken am Effektivsten und gleichzeitig nahezu ungezwungen ist.

Mit patenten, mal in der Form von Aussetzer wie "goddamn commie", "rat fuckers", "red bastards" unverhüllten Affronten, aber auch den offenen Fragen und anregenden verbalen Vergleichen gefüllt, stellt sich die Geschichte dabei weniger als Spionagethriller und schon gar nicht provokantes ballistisches Raketenprogramm denn als im Vergleich zu Joint Security Area, The Coast Guard oder Shiri eher schlichte Anekdote mit Querverweisen, Halbsätzen und inspirativen Splittern dar. Angenehm unprätentiös, mit vielen kleinen Szenen, einem zwischenzeitlich fast ambitionslos erscheinenden Hin und Her aus Alltag und Routine auch abseits der vermeintlichen Bedeutung formuliert, keimt der Publikumsliebling mit friedvoller Langsamkeit auf. Erst die druckvolle Einleitung von Attentat und Alarmbereitschaft inmitten sperriger Großstadt, dann fast die Flucht aus der Metropole hinaus in eine zeitlos erscheinende Landschaftsödnis. Weg von dem zentralen Geschehen, aus den Schießereien im Treppenhaus und Verfolgungsjagden durch Menschenmassen und hinein in ein nebensächliches Problem, das Backen von kleinen Brötchen, das Verweilen in schleichender Langsamkeit inmitten nur durch seine Ruhe attraktiver Agrarkultur. Ein Berühren wie im Vorbeigehen statt aggressiv-kopflosen Verhalten.

In dieser Allmählichkeit gut im Griff, verzichtet die Inszenierung des diesjährigen Best picture Gewinners der Blue Dragon Film Awards zwar auf die sich hervordrängenden Höhepunkte und die anerkannten Gebärden verschärfter Sanktionen, hat mit dem Wechsel von tödlichen Ernst zu verhältnismäßig achselzuckenden Spiel aber außer der gewissen leichten technologisch Unterlegenheit und wohlbegründeter Nebensächlichkeit allerdings so überhaupt keine Probleme. Getragen wird man in erster Linie von bona fide Entertainment, von entgegenkommender Ausgewogenheit der Personenzeichnung, die eher noch den Südkoreaner im schlechten Licht darstellen und die Figur einen Tick überzeichnen lässt, von einer auch im Stillen genießbaren Faszination, und allgemein relevanter Sympathie, so dass die emotionalen Bewegungen umso fühlbarer werden.

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