Review
von Leimbacher-Mario
Ginger Rogers heilt selbst Spielsucht
„Swing Time“ war nicht die erste und nicht die letzte Zusammenarbeit von Fred Astaire und Ginger Rogers, dem wohl größten Tanztraumpaar, das Hollywood je hatte. Aber „Swing Time“ ist ein echter Herausforderer für den Titel des besten Films des dynamischen Duos… Erzählt wird von einem Tänzer/Spieler, der seiner wohlhabende Verlobten bzw. eher ihrem Vater 25.000$ besorgen muss, damit ihre Hochzeit doch noch stattfinden kann. Er begibt sich in die große Stadt und landet zufällig mit einer ausgebildeten, attraktiven Tänzerin auf dem Parket - und er merkt schnell, dass es mit diesem rassigen Rotschopf nicht nur auf der Tanzfläche ideal harmoniert…
Rogers & Astaire - ein besseres Tanzpaar in Hollywood muss man mir erstmal zeigen. Bis heute unerreicht in ihrer Technik und Harmonie, ganz großes Tanzkino. Und, obwohl ich bei weitem noch nicht alle Kooperationen der beiden gesehen habe, bin ich jetzt schon sicher, dass „Swing Time“ recht weit oben in deren/meiner Hitlist angesiedelt sein wird. Die Story ist eher an den Haaren herbeigezogen und maximal ausgeprägter RomCom-Stoff im Kern. Die Witze zogen bei mir nur sehr spärlich und übersichtlich, vor allem die letzte „Anzughosen“-Pointe verlief im Sand und in Fremdscham. Und obendrauf sind die beiden Stars schauspielerisch, das muss man bei aller Begeisterung zugeben, jetzt nicht unbedingt auf Oscarniveau. Die Kulissen sind zudem meist Studio, wenn auch oft sehr aufwändig und imposant. Also doch kein Musicalklassiker? Vielleicht gar etwas überbewertet? Nein und nochmals nein. Denn die traumhaften Tanzszenen, die Songs und Ohrwürmer, die aussagekräftigen Choreos, die einmalige Chemie der beiden - all das bildet das Herz von „Swing Time“. Und zwar emotional und einmalig. Was hier rhythmisch und tänzerisch abgefackelt wird - von Astaire in leidenschaftlicher Präzision und von Rogers „rückwärts und auf High Heels“ - ist einfach weltklasse, mitreißend und noch heute ohne Ende beeindruckend. Und das reicht meiner Meinung nach für einen Klassiker seines Fachs. Nicht ohne Makel. Aber in seiner Kernkompetenz perfekt.
Fazit: da steppen Bär, Mundwinkel und Herz im selben Takt! „Swing Time“ hat ein paar Hubbel im Asphalt, doch dieses tolle Tanz- und Liebesduo springt gekonnt, bezaubernd und lockerleicht über jedes Hindernis.