Also ich habe mir gestern Abend den Film "My name is Khan" auf DVD angesehen und muss sagen, dass ich ihm doch recht zwiespältig gegenüber stehe...
Was mich als erstes schon recht verstört und verärgert hat war die Werbezeile auf dem Cover: "Eine prächtige Mischung aus Forrest Gump und Rain Man" (Zeit online)
Sorry, aber ich sag es einfach mal frei raus:
Zwar ist "Forrest Gump" einer meiner absoluten Lieblingsfilme - aber dennoch möchte ich als Mensch mit dem Asperger Syndrom nicht mit jemand (fiktionalen) verglichen werden, der letztendlich "nur" mit seinem niedrigen IQ von 75 Prozentpunkten zu kämpfen hat. Das finde ich zum einen irgendwie völlig anmaßend - und zum anderen bekommen Menschen, die vorher noch nie etwas von dem Asperger Syndrom gehört haben, einen völlig falschen Eindruck von dieser Diagnose!
Der nächste Punkt der mir persönlich missfiel, waren die körperlichen Verhaltensweisen von Darsteller Shah Rukh Khan: Stichwort "Wackel-Dackel" ...hier hat jemand wohl tatsächlich zu oft den Film "Rain Man" gesehen und wollte wohl eine Art vom "Hommage" darbieten. Ich hätte mich am liebsten fremdgeschämt - aber zumindest hat der Darsteller Shah Rukh Khan nicht wenige sympathische Gesten in seinem Schauspiel zu bieten, die so manches dann doch wieder "ausgleichen" konnten.
Der Film selbst ist mit seiner Laufzeit von 155 Minuten für einen Bollywood-Film ja fast schon recht "kurz" geraten - und in diesem Falle merkt an dies auch gerade an der mangelnden Charkterzeichnung der Figur Khans: es wird meiner Meinung nach doch viel zu viel verallgemeinert und simplifiziert was Verhaltensweisen von Menschen mit dem Asperger Syndrom anbelangt...
Dafür hat man auf der anderen Seite eine Story auf Zelluloid gebannt, die gerade zum Schluss hin mehr als lächerlich wird (= Khan wird der "Rettungsengel" einiger Opfer des Hurrikans "Katrina" und hat am Ende des Filmes noch ein "Stelldichein" mit US-Präsident Barack Obama um ihm seine Botschaft zu übermitteln, dass er kein Terrorist ist). Sorry, aber entweder schaue ich mir einen "authentischen Film" an - oder ich eben einen Fantasyfilm. Aber dieses Kuddelmuddel in Sachen Storyverlauf finde ich angesichts des doch recht ernsten Themas Asperger Syndrom ziemlich daneben. Sorry.
Im Bonusmaterial zum Film wird deutlich weniger vom Asperger Syndrom, als viel mehr von einem hochfunktionalen Autismus gesprochen. Und ich finde dies trifft es auch eher; aber dies hatte ich ja indirekt weiter oben schon mal angesprochen gehabt (siehe "Verallgemeinerung")... Fand ich auch nicht gut. Vor allem merk man hier besonders stark, dass das Drehbuch im Grunde wirklich nur von "Außenstehenden" verfasst worden ist - aber nicht von Menschen mit AS.
...aber nun mal zu den Punkten, die mir recht gut an dem Film gefallen haben:
Die Szenen, in denen Shah Rukh Khan mit einer kleinen Handkamera durch die Gegend läuft um seine "Umwelt zu filtern", hat einen sehr großen "Aha! - Effekt" bei mir ausgelöst. Einfach weil ich dies auch oft so handhabe bzw. dieses "die Welt durch die Kamera zu sehen" recht viele Ängste bei mir abbaut. Das fand ich echt gut auch im Film zu sehen!
Lässt man die (meistens doch eher misslungene) Darstellung eines Menschen mit dem Asperger Syndrom außer acht, bietet "My name is Khan" doch sehr viele positive Denkansätze zum Thema Toleranz, Individualität und den Umgang mit anderen Religionen (ein weiterer Hauptkern des Filmes ist ja das ausgrenzende - und oft auch sehr aggressive - Verhalten der US-Bevölkerung Moslems gegenüber nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001).
Trotzdem schwingt (gerade beim Thema Religion) "My name is Khan" nicht die "große Moralkeule", in dem es alles als ein "friedlich-fröhliches Miteinander" darstellt. Es werden auch extremistisch-fundamentalistische Beispiele abgeliefert, die erschrecken, "faszinieren" und traurig stimmen... Von daher ist dieser "naive Forrest Gump - Kontrast" zu unserer extrem komplexen Welt- und Glaubensgeschichte nicht unbedingt verkehrt gewählt, da man sich so als "unbeteiligter Zuschauer" wirklich auf beide Perspektiven (= "gut und böse") einlassen kann.
Ansonsten hat man bei diesem Film auch darauf verzichtet, die sonst für Bollywood typischen Tanz- und Gesangseinlagen komplett wegzulassen (also mal abgesehen von vereinzelten, aber niemals aufdringlichen, Backgroundscores). Weil das hätte hier - bei diesem Film - wirklich nicht gepasst. Das fand ich wirklich gut...
Fazit:
Wie ich ganz oben bereits schon erwähnte, stehe ich "My name is Khan" eher zwiegespalten gegenüber. Ich würde sogar behaupten, dass wenn man den Punkt mit dem Asperger Syndrom komplett weggelassen hätte, es ein eindeutig besserer Film geworden wäre.
Von daher vergebe ich 5 von 10 Punkten.