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Dieser Mondo-Film präsentiert einen filmgewordenen Menschenzoo, in dem mit postkolonialer Überheblichkeit ein inszeniertes Bild vermeintlich „wilder Naturvölker“ erzeugt wird. Der angeblich „anthropologische“ Blick beschränkt sich erwartungsgemäß auf perverse sexuelle Rituale, brutale Tierabschlachtungen und mythischen Hokus-Pokus. Vieles ist offensichtlich gestellt und der Kommentator verzapft den hinterletzten Nonsens, statt echten kulturellen Kontext zu geben. So sieht man beispielsweise einen Mann, der sein Gesicht in die Vagina einer Kuh drückt, bis diese scheißt, Leute, die sich mit Tierurin einreiben, oder eine Geisteraustreibung, bei der ein Horn in die Vagina eingeführt wird usw. Brutalere Szenen wie die Speerjagd auf einen Elefanten sind hingegen recht derb geraten. Narrative von Wildheit, Gewalt, Magie und Rückständigkeit sind derart grotesk überzeichnet, dass sie unfreiwillig komisch wirken und ihre Macher entlarven.
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Mondo-Filme sind dafür bekannt, dass sie genau dort einsetzen wo normale Dokumentationen aufhören. "Shocking Cannibals" macht da keine Ausnahme und zeigt die bizarrsten Stammesrituale und grausamsten Jagdszenen der Naturvölker dieser Welt. Alles "schön" detailliert, minutenlang und in Großaufnahme. Nicht nur einmal bleibt der Zuschauer mit heruntergeklappter Kauleiste zurück - in einem seltsamen Mix aus morbider Faszination und Ekel, interessanter Aufklärung und purem Voyeurismus. Der alte Spruch "Stare if you dare" - schau hin, wenn Du Dich traust - wird auch bei "Shocking Cannibals" ganz groß geschrieben. Mondo-Theater im fast schon epischem Breitbandformat - Mainstreamer und Zartbesaitete sollten jedoch tunlichst Abstand davon halten!