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Regisseur John Madden den einige noch von SHAKESPEARE IN LOVE kennen präsentiert uns mit EINE OFFENE RECHNUNG (in engl. THE DEPT) einen unglaublich dicht gepackten und spannenden Agenten-Thriller mit einer komplexen Story, sehr guten schauspielerischen Leistungen und vielerlei Anknüpfungspunkten die eigene Moral zu überprüfen. Es handelt sich in diesem Fall um ein ausnahmsweise gelungenes US-Remake des israelischen Films HA-HOV der hierzulande weitgehend unbekannt ist.

Erzählt wird die Story von 3 jungen Agenten des Mossad (israelischer Geheimdienst) die einen NS-Kriegsverbrecher fangen und nach Israel überführen sollen. Sie bringen ihn auch in ihre Gewalt doch dann gibt es Probleme und die actionreiche Story nimmt ihren Lauf. Und auch 30 Jahre später ist die Geschichte noch nicht am Ende.....

Mehr soll nicht verraten werden und damit ist auch so gut wie nichts gesagt, da der Film ein paar gute Wendungen und Entscheidungen des o.g. Teams einbaut die nicht vorauszusehen sind. Wie meistens hilft hier nicht alles vorab zu lesen damit die Spannung erhalten bleibt. Dabei muss man sich am Anfang schon etwas konzentrieren um die diversen Rückblenden, Personen, Namen der Protagonisten als junge und alte Personen erst einmal auseinander zu halten und der Story zu folgen.

Herausragend ist die Performance von Helen Mirren als ältere Agentin Rachel zu nennen. Sie ist von unglaublicher Präsenz und ihr Acting, Timing, Mimik und Gestik ist perfekt und für mich qualifiziert sie sich in dieser Rolle durchaus für einige der bekannten Filmpreise. Trotz einiger Logikmängel oder einem teils unglaubwürdigen Fehlverhalten der Agenten die erst die Story ermöglichen hat der Film am Ende ein ausgewogenes Bild und glänzt durch extremen Realismus und Authentizität.

Es gibt nur wenig andere abwertende Punkte, die Verschachtelung der Rückblenden im Laufe des Films ist nicht immer optimal. Anfangs herrscht auch anfangs ein wenig übertriebener emotionaler Pathos vor, das verfliegt aber schnell. Auch das Ende ist nicht ganz konsistent mit der sonstigen Geisteshaltung der Protagonistin, aber genau diese realistische Zerrissenheit zwischen Wahrheit, Moral und persönlichen Befindlichkeiten macht diesen Film so nachvollziehbar und authentisch.

Selbst der sonst geschätzte Sam Worthington, den die meisten noch aus AVATAR kennen, kann mit seinem ewig fast immer gleichen Gesichtsausdruck dem Film nicht wirklich schaden - ist doch die Rolle des jungen Davids sogar ein wenig auf einen stoischen, fast autistischen Typ ausgelegt, und das bekommt er ja gut hin.

Hauptthema ist letztlich der "Umgang mit der Wahrheit", aber auch das schwierige Thema der Frage der Tolerierung von privater Selbstjustiz wird angeschnitten welches in anderem Kontext bei einigen Sehern sicher zu Recht für Abneigung sorgt. Für mich ist dies in anderen Filmen auch der Fall gewesen, hier ist es nicht vordergründig und geht somit zumindest in meine Bewertung nicht ein.

So bleibt am Ende ein hochwertiger Thriller den Freunde verschachtelter Stories und guter Schauspielerleistungen weitestgehend mögen werden da die ca. 113 Minuten aufgrund des stringenten und spannenden  Drehbuchs und seiner Wendungen wie im Flug vergehen.

7,5/10 Punkten

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