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Eine Vorstellung traditioneller, oft grausam erscheinender Liebes-, Geburts- und Todespraktiken von Eingeborenenstämmen in Afrika. Ausblicke auf moderne Zivilisationseinflüsse erweitern die Betrachtung zu einer Entwicklungsgeschichte der menschlichen Körperlichkeit, die sich von Grausamkeit zu Zivilisiertheit, aber auch von Einklang zu Entfremdung bewegt.

Trotz des sachlichen Tonfalls der Erzählstimme verzichtet das Regie-Quartett um die Castiglioni-Brüder weitgehend auf ethnologische Genauigkeit und arrangiert die gewonnenen Eindrücke eher nach sinnlichen und atmosphärischen Gesichtspunkten. Der Wahrheitsgehalt der Deutungen, die der Kommentar den Bildern zuschreibt, bleibt für den Zuschauer ohnehin unüberprüfbar. Als interessant erweist sich der Versuch der Macher, Körperlichkeit zugleich als universelles, die Menschheit verbindendes Merkmal auszumachen, aber auch als individuell und kulturell veränderliche Größe, die mehr als nur eine Möglichkeit des Umgangs zulässt. Spannend auch das Resümee, dass dem zivilisierten Menschen die Überwindung der archaischen Grausamkeit nur geglückt ist, weil er zugleich seine Ursprünglichkeit und Naturverbundenheit mitaufgegeben hat, ein Entfremdungsvorgang, den der Zuschauer an drastischen Aufnahmen von Körpermanipulation, Beschneidung und Geburt erproben kann.

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