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Was haben Donner, das Rentier, die Teenage Mutant Ninja Turtles und der Comic-Held Dylon Dog alle gemeinsam? Nein, nicht die Vorliebe für Pizza und nö, auch keine chronische Syphiliserkrankung (denke ich zumindest), nein, die Lösung ist: Alle drei haben *tusch* den gleichen Regisseur! Das kann der Erfahrung nach ja nur voll in die Hose gehen, seufzt da der erfahrene Filmroutinier, der ob des mannigfach produzierten filmischen Mülls leidgeprüft ist. Und genauso kommt es auch. Kevin Munroes „Dylon Dog" ist das, was übrig bleibt, wenn alle nahrhaften Ingredienzen einer beliebigen Standardcomicverfilmung wegverdaut worden sind und bloß noch die für den Körper wertlosen Reste in den Lokus, äh Fokus rücken. Dylon Dog ist dabei sogar noch nicht einmal Stangenware. Ist aber nicht weiter schlimm, denn die Story klingt bereits vor dem Genuss des fertigen Produkts derart dämlich, dass die Erwartungshaltung des Filmfreunds sowieso gerade im Keller beim Bierholen ist. Diese dann aber sogar noch enttäuschen zu können, grenzt fast wiederum bereits an Kunst; selbstverständlich nur an fertigkeitsarme moderne Kleckskunst, aber immerhin. Zwar fehlt „Dylon Dog" glücklicherweise das nervige expressionistische Element eines totalen Unsinns wie dem Theater-Comic „Bunraku" (2010), aber wie es einem Regisseur und seinem Skriptschreiber tatsächlich misslingen konnte, dass wirklich jeder Gag fehlzündet und wirklich alle coolen Einzeiler zum Fremdschämen einladen, bleibt angesichts des doch nicht eben geringen Budgets des Films doch ein Rätsel.

Der abgebrühte Dylon Dog war einst erfolgreich in seiner Vermittlerrolle zwischen Zombies, Werwölfen und Vampiren (*gähn*) in New Orleans, der Stadt nicht nur des Karnevals, sondern auch der Kreaturen der Nacht (*schnarch*). Deren Zwistigkeiten sind inzwischen also beigelegt und jede der drei Fraktionen stillt ihren Hunger vertragsgemäß menschenfreundlich - also ohne Mensch. Dylon Dog, seinerseits ein waschechter Sterblicher, verdingt sich seit dem als Detektiv den Lebensunterhalt. Doch seine Vergangenheit holt ihn ein, als er in einem Mordfall um Rat gebeten wird, an dem offenbar ein fieses Monster nicht ganz unschuldig ist.

Diese ganze Vampir-Werwolf Chose hat das ein oder andere (seltene) Mal zwar schon funktioniert, wie die latexgewandeten Recken der Underworld Reihe nicht nur den Gothic-Liebhabern bewiesen haben, aber der Quark wird derzeit einfach zu sehr ausgereizt, Comicvorlage hin oder her. Und dieser ohnehin schon wirre Mix wird sicherlich nicht dadurch besser, wenn man auch noch Zombies reinschmeißt. Die sind natürlich wieder einmal (fast) alle ulkige Zombies, die den Zuschauer mit ihren alltäglichen Zipperlein, wie verloren gegangenen Gliedmaßen oder einem schlechten Teint unterhalten wollen. Verdammt: Hallo! Aufwachen! Das ist nicht witzig. War es schon bei „Dance of the Dead" (2008) oder „Nacht der lebenden Loser" (2004) nicht und wird es auch in Zukunft nicht sein, so oft man den Mist auch erneut anrührt.

Doch armeseliger Ideenklau ist nicht das eigentliche Problem von Dylon Dog. Daraus hätte man mit etwas Gespür für Rhetorik und Dialoge, einem nicht gar so schwachen Drehbuch, ein bisschen Esprit, etwas Sinn für Komik und ein wenig angeborenem Humor durchaus etwas basteln können, wenn auch sicher nie etwas Preisgekröntes. Es wurden schon ganz andere Genremixe und Versatzstückeintöpfe beklatscht und dem nicht eben wählerischen Publikum erfolgreich kredenzt. Es bleibt aber eine Gratwanderung. Ein falscher Schritt und man kugelt hinab in die Lächerlichkeit oder verschwindet auf Nimmerwiedersehen im - in diesem Falle - viel zu teuren und damit apokryphen (für echte Fans uninteressanten) Trash. Munroe macht bei „Dylon Dog" viel falsch, aber vor allem das eine Unverzeihliche: Sein Film ist zäh und langweilig. Kein Spaß, der gelingt, kein Darsteller, der überzeugt, kein Monster, das was her macht und keine Story, der zu folgen es wert wäre. Gelangweilt rollen sich hier die Akteure die Bälle zu, ohne ihrem bunten Treiben Authentizität zu schenken. Hauptdarsteller Brandon Routh, der gescheiterte Superman (2006), ein lahmarschiges Weichei sondergleichen, gibt hier - altersmäßig viel zu jung - völlig hanebüchen den erfahrenen Humphrey Bogart, der in Tote-schlafen-fest-Manier dem Zuschauer das Plot erklärt. Ein gelecktes Milchbubi macht den Ersatz Mike Hammer. Die alten Griechen hätten das vermutlich „Hybris" genannt. „Völlig misslungen" träfe es weniger schwülstig formuliert auch ganz gut. „Schuster, bleib bei deinen Leisten", wussten damals schon die Hellenen. Jungspund Routh sollte daran denken und das tun, was er kann: Mädchen oder Jungs verführen; und nicht den Marlowe spielen. Das konnte nur schief gehen, ist aber angesichts der Belanglosigkeit der restlichen Inszenierung auch nicht wirklich bemerkenswert.

"Dylon Dog" wirkt wie eine leere Genre-Hülle. Bis auf die versierte Kameraarbeit überzeugt hier wenig. Dafür wird dem Filmhochschulstudenten recht anschaulich vor Augen geführt, wie man einen Film nicht dreht. Als der Oberschurkenvampir Vargas (Taye Diggs, gesehen in „Equilibrium" oder „Haunted Hill") Dylon Dog und seinen nervigen Kumpel Marcus (Sam Huntington), der inzwischen ein Zombie ist, das aber noch nicht glauben mag (*natürlich nicht*), nachts umbringen will, sperrt er sie dazu in ein leeres Grab auf einem Friedhof mitten in der Stadt. Dort sollen sie verhungern oder ersticken oder verdursten oder sonst was (Da fragt man sich doch, wie wohl die Dutzenden Friedhofsbesucher tags darauf auf die Hilfeschreie reagiert hätten). Aber so schnell ist es natürlich nicht vorbei mit dem coolen Dylon und seinem (un)witzigen Sidekick, denn letzterer ist ja ein Zombie „und Zombies können hervorragend graben". Das hat der Obervampir beim Lebendig-Beerdigen doch glatt vergessen, der Idiot. Umso besser, denn Marcus buddelt den beiden den Weg aus der Gruft. Belohnt wird er dafür mit einem Regenwurm, seiner neuen Hauptnahrung, an die er sich aber erst noch gewöhnen muss (*schlaf*).

Hoffentlich sieht man in Zukunft nicht mehr allzu viel von den hier mitwirkenden Schnarchnasen, die bis auf wenige Ausnahmen wie Peter Stormare (hier der gute Vampir) einen miserablen Job machen, einschließlich Oberniete Brandon Routh. Da lobt man sich dann doch irgendwie die Qualitäten eines unprätentiösen Pornos. Das Drehbuch ist dort auch nicht viel einfallsloser und die Darsteller/-innen spielen mit mehr Verve. Vor allem Dylons Filmhäschen Anita Briem könnte sich da einiges abschauen.

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