Vorab: bei Cannibal Americana geht es mitnichten um Kannibalen; zumindest befinden wir uns doch auf dem amerikanischen Kontinent.
Vorliegender Film ist ein Mondo und präsentiert sich als eher leichter Vertreter des Genres. Als buckliger, geächteter Stiefsohn der Gattung Dokumentarfilm, ist der gewöhnliche Mondo das Paradebeispiel für sensationsgeile, niedere Instinkte ansprechende Exploitation.
Vorliegender Film beschäftigt sich nun hauptsächlich mit dem Bereich Natur/Tier/Buschvölker und zeigt sich über weite Strecken tatsächlich als relativ gut funktionierender Dokufilm. Diese Betrachtung wird jedoch umgehend zerstört; besitzt doch auch C.A. zwei geläufige Komponenten des Mondo-Films: gestellte Szenen und eine dozierende Überstimmte.
Zeigt dieser Erzähler in den meisten Mondos eine Mischung aus Zynismus, Pseudo-Wissenschaft und latenter Misanthropie, geht es hier auch oft in Gefilde des "Weißen Snobismus" und eines philosophisch getarnten Dualismus-des-Lebens-Gewäsch. Dabei erzählt die allwissende Stimme aus dem Off einiges Interessantes, viel unwichtiges und eine Menge unwahren Unsinns. Wobei bei Sichtung der deutschen Fassung noch die Überlegung hinzukommt, wieviel Inhalt in der deutschen Synchro evtl. verändert, manipuliert oder erfunden wurde.
Was nun die dem Mondo innewohnende Brutalität und explizite Darstellung von Gewalttaten angeht, hält sich C.A. ziemlich zurück. Am "härtesten" zu betrachten sind sicherlich die Tier-Tötungsszenen, wobei man nicht unbedingt immer von Tiersnuff im eigentlichen Sinne sprechen muß; für Snuff muß eine extra für die Kamera arrangierte und durchgeführte, "unnötige" Tötung erfolgen. Das Abfilmen eines Rituals oder der Nahrungsbeschaffung, welche ja so oder so stattgefunden hätten, möchte ich nicht als Tiersnuff bezeichnen.
Erheiternd zeigt sich der Streifen dann in offensichtlichen Peinlichkeiten, wie dem berühmten Kampf mit dem Krokodil. Da ist das Wasser erst schmutzig-Braun, und im nächsten Moment Schwimmbad-Blau... Das Krokodil verändert sich auch plötzlich von groß und agil, zu klein und steif... , vielleicht durch Djungel-Magie? Schön auch die gespielte rituelle Paarung mit einem Esel...
Abgesehen von diesen Komik-Exkursen und dem enthaltenen Exploitation-Anstrich, könnte der Film beinahe als wirkliche Kultur-Doku durchgehen, die sich der geneigte West-Europäer in einem Fernsehkanal wie 3 Sat oder Arte anschaut. Aber eben nur fast.
Ein für das Genre schon fast als zurückhaltend zu bezeichnender Mondo mit Schwerpunkt Anthropologie - wenn man diesen Begriff für so einen unwissenschaftlichen Film denn benutzen möchte. Unangenehm sind eigentlich nur die detaillierten Tier-Tötungen, ansonsten zeigt sich C.A. harmlos bis unspektakulär. Für den Mondo-Maniac sicherlich guter Stoff; für den Normalseher wohl befremdlich bis langweilig. 5/10
MovieMadness