Rache Thriller scheinen wieder in Mode zu kommen. Nach dem sehr guten I SAW THE DEVIL sowie dem Überraschungsfilm BEDEVILLED (siehe meine Kritiken dazu) haben wir es hier mit einem kanadisch-französischen Revenge Drama zu tun. Die zeitgenössisch-französischen filmbezogenen Wurzeln schlagen voll durch in der der einerseits ruhigen und hochwertigen Bildersprache, anderseits aber in der unglaublich expliziten Darstellung von Gewalt. Hierzu fallen mir Beispiele der jüngsten Zeit wie auch 22 BULLETS oder EIN PROPHET aus dem Thriller-Genre ein.
Der Vater eines vergewaltigten Kindes entführt den (mutmasslichen ?) Täter aus der Obhut der Polizei und lässt ihn für seine Tat leiden. Diese Folterungen führt er ohne ein Wort zu sagen bis zum äussersten durch. In schlechten Folterfilmen wird auf die Folterhandlungen fokussiert, in guten auf die handelnden Personen. So auch hier. Deswegen kann man ihn nicht als Folter-Film bezeichnen. Es ist ein (Rape & Revenge) Drama mit hohem grafischem Gewaltanteil und hochwertiger Thriller-artiger Verfilmung.
So werden nicht nur Kniescheiben zertrümmert, Knochen mit schwersten Eisenketten gebrochen, sondern auch fiese Teil-Ausweidungen vorgenommen. Dem Vater der im richtigen Leben Arzt ist fällt es nicht schwer, das Opfer mit entsprechenden Eingriffen und Medikamenten mit grosser Qual noch stets im Leben zu halten.
Interessant ist, dass der Folterer trotz vieler Fragen des Opfers, Provokationen und sämtlich vorstellbaren Beleidigungen seiner selbst sowie seiner Tochter nicht mit dem Opfer redet. Dies irritiert zunächst, wirkt aber beim zweiten Nachdenken sehr glaubwürdig. Der Vater würdigt das Opfer nicht mal mit einem Wort und ist damit auch keinerlei Erklärung oder Rechenschaft schuldig. Dies ist tatsächlich noch eine Verschärfung der Bestrafung über die physischen Leiden des Opfers hinaus. Dieses Verhalten quält den Gequälten sichtlich noch zusätzlich.
An einigen Stellen hat der Film trotz der hohen Grundspannung einige Längen und auch die oberflächlich sehr extreme Gewalt nimmt man dennoch mit verhaltener Distanz entgegen. Hier und da verliert der Film etwas an Glaubwürdigkeit, etwa ist die Leidensfähigkeit des Opfers angesichts der vorhandenen und angedrohten Schmerzen doch etwas zu hoch bzw. unrealistisch angesetzt. Der Gefolterte provoziert quasi immer härtere Strafen sowie seinen eigenen Tod was sicherlich nicht viele Opfer im Angesicht der Schmerzen ohne weiteres tun würden.
Am Ende wird der Konflikt des Täters mit seiner eigenen Tat sehr deutlich, deren Sinnhaftigkeit und der nicht mögliche Heilungsfaktor in bezug auf den Tod seiner kleinen Tochter und es kommt ein plötzliches und unvorhersames Ende. Insgesamt ein sehr sehenswerter Film mit kleinen verzeihbaren Schwächen und wirklich nicht für jeden Overground-Thriller-Seher aufgrund des vorhandenen Gorefaktors geeignet.
7/10 Punkten