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Sein verspätet wirkenden Eindruck erreicht Black Ransom, der zweite Film des eigentlich als Kameramann fungierenden Venus Keung für Produzent Wong Jing, nicht nur durch seine Verzögerung des Starttermins um ganze zwei Jahre seit der Fertigstellung 2008 auf Frühjahr 2010. Vielmehr wird dies Gefühl des leicht als anachronistisch darstellenden Dienstbarmachens von Drehbuch und Inszenierung vor allem durch sein momentan als selten zu sehende Synthese aus zeitlich aktueller Gegenwart und narrativer Wiederholung erzeugt; das Werk als Aufguss des wohl geordneten Universums des letzten Jahrhunderts, in dem die scheinbaren Gemeinsamkeiten von Cop und Killer für den Nutzen der Dramatik und Dramaturgie gebogen und gespannt wurden, wobei hierbei die leicht gealterten Recken mit ihren wohl ewig währenden Konstanten sogar von den gleichen Darstellern wie damals gespielt werden.

Sowieso ist die Besetzung neben der adretten, unmittelbare visuelle Evidenzen vorweisenden Photographie von dem auch hier wie gleichfalls bei seinem Debüt Bullet & Brain dafür verantwortlichen Keung und das gewisse Bemühen, eine zumindest annähernd kunstbewusste Einflussschicht zu entfalten, noch der mit größte Anreiz des ansonsten eher durchschnittlich eingestellten Arbeit. Mit den auch früher oft, u.a. bei den zu Recht in Erinnerung bleibenden Final Run, Burning Ambition und Fatal Termination zusammenarbeitenden und damals einzeln gleichfalls überall als anwesend zu kennzeichnenden Simon Yam und Michael Miu Kiu-wai in den Hauptrollen entscheidend prägnant besetzt und ihre langjährige Bestimmtheit maskuliner Bewährung entsprechend dessen auch mit geringsten Anzeichen für das Material nutzend, wird auch der [männliche] Nebencast mit abgeklärten Glauben philosophiert. Der urgründig archaische Idealismus einer in tödliche Konflikte geratenen Lebenshaltung:

Der allein erziehende Polizist Mann Cheung [ Simon Yam ] bekommt mit seiner kleinen Drei-Mann-Truppe um Spring [ Vincent Wong ] und PTU-Versetzung Rocky [ Xing Yu ] von der neuen Vorgesetzten Superintendent Madam Koo [ Fala Chen ] einen unüblich heiklen Auftrag auf den Schreibtisch; wird sich sonst eher der pubertierenden Tochter und dem bevorstehenden Altenteil in Ruhe gewidmet, stehen nun die Ermittlungen bezüglich der Entführung mehrerer Triadenhäuptlinge an. Sehr zum Unwillen seines die Karriereleiter emporsteigenden Kollegen Tiger Chen [ Ricky Chan ] vom wesentlich aktiveren Team A der Organized Crime Unit, die in ähnliche Richtungen forschen, kann Cheung schnell den Hintermann der Bande ausmachen. Sam Ho [ Michael Miu ], ehemaliger Anführer einer SDU-Einheit, den es aufgrund einer unzufrieden stellenden Gesetzes- und Verbrechensbekämpfungslage mitsamt dem Verlangen nach gleichermaßen Geld und Selbstjustiz auf die Seite der Bösen gezogen hat, plus seine Mitstreiter Can [ Qu Ying ], Gundam [ Andy On ], Bill [ Samuel Pang ], Eagle [ Jiang Yang ] und Hui [ Adam Chan ]. Während das letzte Entführungsopfer Tang Qing [ Parkman Wong ] mit dem Leben in Geiselhaft ringt, umwirbt sein Boss Ice [ Kenny Wong ] lieber die Barbesitzerin Eva [ Liu Yang ], Patenkind von Gangsterführer Uncle Dragon [ Richard Cheung Kuen ] und Exfreundin von Sam Ho, welcher für die Begleichung einer alten Rechnung nun erneut Kontakt aufnimmt.

Interessanter- und hinsichtlich des Termins auch unsinnigerweise wurde der Kinostart auf den Januar 2010 und damit genau zwischen dem prestige- und gewinnträchtigen Geschäft Weihnachten und Chinesisches Neujahr gesetzt, wo dieses eindeutig als preiswerter zu identifizierende und trotz des langen Hinauszögern auch wie abrupt aus dem Nichts erscheinende Werk fast die Ausnahmeerscheinung zwischen all dem problemlos aufwändigeren Blockbuster - Mainstream für sich prädestinierte. Der einzige andere Teilnehmer in dieser illustren Erscheinung neben Mutant Cops [ Arbeitstitel ] ist ausgerechnet Dennis Laws Bad Blood gewesen, welcher mit einer gleichfalls vertrauensseligen Konservierung einer längst vergangenen Generation des Filmemachens aufwartet und auch sonst die Haltung der versuchten Wiedererweckung einer eigentlich ausgeloschenen cineastischen Flamme sowie den Vorteil von viel Martial Arts mit dem Nachteil einer unbewussten katastrophenhafte Entspannung ausstrahlt.

Hier wie dort ist schon allein das Bemühen überaus löblich und die Ansätze von Potential durchaus erkenntlich, reichen die bereitgestellten Mittel von Talent und/oder Finanzierung aber leider nicht aus, die proklamierte Gebundenheit von erzählerischer Reinheit, pathoshaften Heldentum, umwitterten Ma[so]chismus und versenkungsbereiter Action gänzlich überzeugend zu formulieren.

Hier wie dort ist eine anspruchslose Geschichte mit der Bekenntnis zum Scheuklappendasein und den anerkannten Privilegien der Hinterwäldler-Rhetorik vorzufinden, wobei man sich mit der teils unnötigen Füllung durch zumeist weibliche Nebenfiguren oft unnötigerweise besser aufstellen möchte, als es letztlich gelingen tut. Als Gefährtinnen gefährlicher Augenblicke [ alte Freundin, neue Freundin, Tochter, Ehefrau, Chefin ] scheitern hierbei gleich vier bis fünf der anwesenden Damen auf ganzer Linie, wodurch das ansonsten zumindest das Gewand atmosphärischer Gewalt tragende Geschehen vielfältig in die Beredsamkeit um Emotionen und andere Zwänge aufgeweicht wird.

Sprachlich oft in die Sphäre der Sinnlosigkeit erschlagen, wird der Zurechtweisung der Action selten und leider dann auch nicht ausdauernd bis zum Exzess gekrönt, die Settings dessen lassen sich an einer Hand abzählen und die Sekunden aufwühlender Physis ebenso. Nach einer Eröffnung, der beide Kontrahenten zu ihrer jeweiligen Hochphase der Dienstzeit in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit zeigte und dem viel versprechenden Einstieg des ersten offen gezeigten Kidnappen, in dem die Leibwächter mit schneller Hand beseitigt und die zurückbleibenden Fahrzeuge verschrottet werden, kehrt die Ruhe ein und gibt es eher Wendungen als Bewegungen. Dabei sind die Reflexe, die Instinkte und die Triebe zwar spürbar, besonders bei einer als gelindes Massaker ausartenden Lösegeldübergabe, ist der Sniper-Hinterhalt auf eine vorwitzig angerückte Spezialeinheit und die beiden herzlich willkommenen, in fruchtbringend - zivilisierter Verfeinerung gehaltenen, aber leider verdammt kurzen Schlagabtäusche der wie als Bonus vorhandenen Xing Yu VS Andy On aber viel zu angedeutet statt ausgelebt, um wahrhaftig rigoros zu sein.

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