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Die unvergessene Romy Schneider in einem packenden Drama, wieder in der Rolle einer unkonventionellen, selbstbewußten Frau.

Frankreich, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs: Ein mit den Partisanen sympathisierender Chirurg will seine zweite Frau und seine kleine Tochter aus erster Ehe aufs Land bringen, in die vermeintliche Sicherheit. Als er Tage später auf sein Anwesen in das Dorf kommt, um Frau und Kind wieder abzuholen, ist die unfassbare Tragödie bereits geschehen, die Deutschen waren vor ihm da...
In einem stillen Rausch des Schmerzes begeht der Mann einen gespenstisch kühlen Rachefeld - präzise wie ein Chirurg.
"Das alte Gewehr", so der ursprüngliche deutsche Titel, spielt hierbei eine entscheidende Rolle.

Ein wahrlicher intensiver Film mit einer gnadenlos guten Schneider. Bereits völlig von der Sissi-Korsage befreit, der Film ist von 1975, überzeugt Romy Schneider mit einer beeindruckenden Präsenz. Auch Noiret in der Rolle des Ehemannes ist hervorragend, ohne zu übertreiben verleiht er seinem Part Realismus und Menschlichkeit.
Das fast schmerzhaft idyllische Leben des Paares wird in Rückblenden erzählt, die im Zusammenwirken mit den Selbstjustiz-Szenen dem Film einen quälenden Rhythmus verleihen.
Schneider strahlt förmlich aus dem Filmmaterial heraus, versprüht eine natürliche, wunderschöne Erotik; agiert sinnlich, verletzlich, agil... und intensiviert damit den Dolchstoß ins Herz des Zuschauers ins tausendfache.

Im Gesamtbild des Streifens ist es dabei fast nebensächlich, um welchen Krieg es sich handelt, welcher Nationalität die Kontrahenten angehören; alles konzentriert sich auf den Verlust, die Trauer und unendliche Wut eines Mannes, der dementsprechend handeln muß.
Die explodierende Gewalt, die "Echtheit" von Gewehrschüssen, Blut und Tod, dienen "Abschied in der Nacht" dabei als Referenz an die Wirklichkeit. Mein Tun trägt Konsequenzen und mein Leid bricht unseren Anstand. 9/10

MovieMadness

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