Nachdem „Sweet Sweetback’s Baadasssss Song“ 1971 die Blaxploitationbegeisterung als Indiefilm losgetreten hatte, sprangen schnell die Studios auf; von MGM gab es noch im gleichen Jahr „Shaft“.
Zu den Klängen von Issac Hayes’ mittlerweile legendärem Titelsong schreitet Privatdetektiv John Shaft (Richard Roundtree) durch die New Yorker Straßen. Er ist der Mann, kommt mit allen gut aus, aber kann auch tough sein, z.B. einem Hehler gegenüber – den er aber nur verwarnt, den was wirklich Schlimmes hat der schwarze Bruder ja auch nicht getan. Shaft ist der Ausdruck eines neuen schwarzen Selbstbewusstseins, wesentlich offensiver und ungehobelter als die von Sidney Poitier verkörperten Figuren Marke Virgil Tibbs.
Als ihn zwei Goons des Gangsterbosses Bumpy Jonas (Moses Gunn) aufsuchen und ruppig werden, segelt einer der beiden aus dem Fenster. Doch auf Bumpys persönliches Bitten hin, nimmt Shaft dessen Auftrag an, seine entführte Tochter zu finden…
Shaft wurde oft als schwarze Alternative zu James Bond bezeichnet, mit seinem Beruf, der ruppigen Attitüde und den eher lebensgroßen Gegner ist er jedoch eher mit Hollywoodsprivatschnüfflern vergleichbar – seine Betitelung als Superspade wandelt zwar die rassistische Bezeichnung eines Schwarzen als Spade in etwas Positives, aber auch Sam Spade kann damit assoziiert werden. Mit James Bond hat Shaft eigentlich nur den Frauenverschleiß gemeinsam, Hautfarbe egal, womit „Shaft“ immerhin gegen ein Tabu vorgeht, was danach noch lange im Hollywoodfilm problematisch war, denn selten gab es Sex zwischen schwarz und weiß zu sehen – vor allem wenn dies nicht Hauptthema des Films war. Shaft hingegen schleppt mit erfreulicher Beiläufigkeit eine abenteuerlustige Weiße ab, die in Harlem nach Vergnügen sucht.
So richtig politisch ist das Ganze zwar nicht, auch wenn einzelne Szenen immer wieder Rassismus anprangern, aber es geht um den Ausdruck von „black pride“: Shaft ist der Coolste und die weißen Cops im besten Falle einen Schritt hinterher, im schlimmsten Falle dumm, arrogant und/oder rassistisch. Als Ausdruck dieses Lebensgefühls, dieser Coolness hat „Shaft“ aber einiges auf dem Kasten, denn stimmig ist der Film durchweg, nicht zuletzt aufgrund des funky Soundtracks. Action und Krawall werden da klein geschrieben, meist sind die Schießereien nur kurz, aber dafür mit erfrischender Rohheit und netten Einschüssen in Szene gesetzt.
Allerdings ist dies nicht das Hauptaugenmerk, wie vor allem der Showdown zeigt: Für die Überwältigung einer weniger Gangster bereiten Shaft und eine Horde Helferlein minutenlang alles vor, um ihre Übermacht in einem ultrakurzen Feuergefecht noch besser ausspielen zu können. Aber solche Details interessieren den Film nicht, auch komplexe Plottwists sind hier nicht so angesagt: Shaft zofft sich mit Gangstern und Bullen, schnüffelt erst auf der falschen Fährte, nach einer Enthüllung gen Filmmitte auf der richtigen und nach ein wenig Ermittlungsarbeit kann man an zur Rettung schreiten. Alles nicht sonderlich komplex, aber Hauptsache man hat dabei einen flotten Spruch auf den Lippen.
Richard Roundtree mag dann auch nicht der ausdrucksstärkste Darsteller sein, aber er kriegt die Rolle doch recht gut hin, ohne in entweder das Stoneface oder das Overacting diveser Blaxploitation-Kollegen zu verfallen. Er muss da sein, er muss cool sein und das kann er. Der Rest der Besetzung schlägt sich ähnlich solide, Moses Gunn und Lawrence Pressman können noch ein wenig herausstechen, aber „Shaft“ ist schon eine ziemliche One Man Show seiner Hauptfigur – bei dem Titel nicht unbedingt verwunderlich.
Der Plot mag nicht sonderlich komplex sein und die Coolness vor die eigentliche Geschichte stellen, doch auf seine simple Art und Weise ist „Shaft“ schon ein recht cooler Blaxploitationfilm mit groovy Soundtrack und ein paar flotten Schießereien. Nicht perfekt, aber doch ein kraftvoller Zeitgeistfilm.