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Mit der seltenen Gunst der Stunde ausgestattet zu sein, nicht bloß die erste filmische Annäherung an das Leben des kurz zuvor verstorbenen Bruce Lee, sondern auch dessen überzeugendsten und erfolgreichsten Nachahmer James Ho Chung-tao als zukünftigen Bruce Li zu präsentieren, ist Super Dragon ungeachtet all seiner Qualitäten – von denen so viele nicht vorhanden sind, und worüber man streiten mag – ein filmhistorisch wichtiges Ereignis; der Startschuss der Welle der sogenannten Bruceploitation, in denen nach mancherlei Ansicht die Leiche von Lee gerupft und zerfleddert wird, auch wenn das doch recht drastisch klingt, so verkehrt aber nicht ist:

Nach einer 'Karriere' als Auslieferer von Zeitungen, bei dessen Touren er auch regelmäßig angegriffen und sein wertvolles Hab und Gut am Verteidigen ist, kehrt Bruce Lee [ Ho Tsung-tao ] nach einem Zwischenfall mit rachsüchtigen Japanern seiner Wahlheimat San Francisco den Rücken und sucht sein Glück in HK, wo er zwar vom Produzenten Sir Run Run Shaw [ Chin Yung-hsiang ] wegen vermeintlich hoher Gagenforderung abgelehnt, aber bei der Konkurrenz Liu Liang-hua [ Lee Kin-kwong ] umworben wird. Deren Ehemann Lo Wei lässt sich nach einigen Zögern auch zur Zusammenarbeit mit dem 'Anfänger' ein, was prompt zum ersten imposanten Filmerfolg und Kassenschlager allerorten und Lees Bekanntschaft mit der Kollegin Betty Ting Pei führt.

So richtig mit Anstand und Pietät sind die Vielzahl der nun noch bis in die frühen Achtziger in Hundertschaften folgenden Produktionen auch wirklich nicht angesetzt und so auch nicht intendiert, geht es selbst in den 'Biographien' weniger um die Wahrheitssuche oder eine Aufbereitung und Versorgung der da draußen vorhandenen Trauer und Leere bei den Menschen, die vom Schock um den frühen Tod überrannt nun Ersatz in einer anderen, aber sehr ähnlichen Form brauchen und dadurch geholfen wird. In erster Linie steht natürlich das Geld, die treibende Kraft des Filmgeschäfts, wo gerade auch dieser Film hier noch ein Wörtchen zu spricht. Produziert in Taiwan und teilweise auch gedreht in den USA, wenn man denn den Angaben glauben kann und wovon man so richtig nichts sieht, ist das vorliegende Werk so also auch die Wurzel allen Übels, obwohl, und das muss man gutheißen, hier anders als später der Ansatz weniger von Explorativen im Sinne von auch Spektakulären geboten wird, und man eher ein äußerst fernsehfilmartiges Abhandeln der Liebes- und Leidensgeschichte um erst Bruce und seiner Linda und bald um Betty Ting-pei (samt einiger weniger ungelenkiger Kämpfe) doch ist. Positiv kann man noch erwähnen, dass 'der frühe Vogel fängt den Wurm' auch hier zutrifft, und die Reihe der Bruceploitation selber nicht von ungefähr auch nachhaltig noch am Leben und (u.a. diversen modernen Streamingdiensten) am Gedeihen ist, sondern auch damals die Leute ernährt hat und in der Popularität ungeachtet aller schlechter Kritikermeinungen seit Jahrzehnten ganz weit oben ist.

Allerdings sieht man von dem Gelobten Lande nur recht wenig, eine Antäuschung nur, so echt wie das “Washington Post. Eastern District“ Schild an einem Gebäude, welches noch zusätzlich auf einem wild ins Unkraut schießenden Rasen steht. Mit der Wahrheit nimmt man es hier in der reichlich melodramatischen bis gar deprimierenden Kolportage, den Tod und damit die wortwörtlich letzte Ruhe quasi als Erlösung von all dem Stress und Ungemach in den Raum stellende 'Biographie' nicht so genau und vor allem nicht so zwingend, werden nur paar Eckdaten von dem Wissen um Lee für ein Aneinanderreihen von Szenen genutzt, die in der ersten Zeit weder einen richtigen Übergang, also einen Rhythmus in der Montage haben als auch sonst nicht wirklich aufeinander aufbauen und so allesamt recht aus der Luft gegriffen sind. Der (häufig unrasierte) Hauptdarsteller beim amüsant Zeitungsaustragen, beim Transport mit dem Velociped, anschließend der Prügelei mit einer afroamerikanischen Gruppe, die das Terrain für sich beansprucht und ordentlich Luftschwinger gegen den asiatischen Freund absolviert. 'Lina' kommt auch schon um die Ecke gelaufen, und mehrere japanische Böswatze, denen im Kostüm und mit Langschwert mitten im 'amerikanischen' Vorort die Lust zur Rangelei steht. Außerdem wird auch schon die Kampfschule eingeweiht und den ersten Absolventen gratuliert und springt man am Filmset zu Green Hornet herum, was nicht nur beim Regisseur die Vorfreude zu “I think, there's an Emmy in it.“ generiert.

Wesentlich interessanter wird es ab Minute 20, wo der Ortswechsel nach HK nicht nur für einige (Archiv)-Aufnahmen der wuselnden Stadt mit Bus und Auto im Akkord sorgt, sondern auch der Blick hinter die Kulissen des Filmgeschäfts und der Filmgeschichte gleich mit geworfen wird. Nur wenige Jahre nach den realen Ereignissen und somit am Puls der Zeit noch quasi und in der Zeichnung weiterhin aktiver Macher wie Regisseur Lo Wei, der hier gar nicht gut wegkommt, und Sir Run Run Shaw, der recht knickerig und knauserig wirkt, wird das Milieu eher als bessere Gangsterhochburg dargestellt, in der in den oberen Etagen getrickst und geklüngelt wird und weiter unten auch nicht ständig auf Moral geachtet, sondern ebenso intrigiert. (Der eifersüchtigen Darstellerin 'Mial' = Nora Miao wird der Rat gegeben, sich doch an den bereits als Star aufführenden Lee heranzuschmeißen, um von dessen prophezeiten Erfolg als Erstes zu profitieren; wobei ihr dann allerdings wenig passt, dass  'Ta Pai' = Betty Ting Pei auftaucht und den Recken in ihren Bann zieht, und was zu weiteren Stressreaktionen führt. Betty selber ist ein emotionales Wrack und ein Unglücksbringer schlechthin, die zudem noch schlechten Einfluss im Gepäck hat, und Bruce Lee als Ehebrecher, der sich auch kein Deut um seine Kinder schert, kommt auch nicht besser weg.) Der Blick von einem 'Gauner' zu dem anderen quasi, tut das hinter Bruce Lee - A Dragon Story [Alternativtitel] stehende Produktionsteam um (den anschließend kaum noch was vorweisen könnenden) Regisseur Shut Dik ja nichts anderes, als im Nachhinein von den gleichen Gegebenheiten einen Nutzen zu haben und den Vorteil zu ziehen, und braucht sich im Grunde gar nicht zu echauffieren.

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, wie es so schön heißt, hier aber nicht beachtet, vielmehr ordentlich auf die Klüngel-, Amigo- und den Gerüchten nach auch Triadengesellschaft der Filmwelt geblickt und dies überzogen  wird; was allerdings für den Zuschauer zur Information v.a. auch des Gemauschels hinter den Kulissen von The Big Boss und so zu allerlei Neuigkeiten führt. Dass der ursprünglich geplante und auch die ersten Tage als verantwortlich gesetzte Wu Chia-hisang aufgrund von Überforderung mit dem Dreh und Ärger mit Lee bald von Lo Wei abgelöst wurde, und dies v.a. auch durch die Zusprache dessen Ehefrau und Producing Manager Liu Liang-hua geschah, weiß bestimmt nicht jeder, wird hier allerdings schon deutlich aufgezeigt und somit zeitnah erklärt.

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