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Die ehrgeizige Journalistin Nicole Hurley untersucht einen seltsamen angeblichen Selbstmord, hat nebenher aber ein ganz anderes Problem: sie soll wegen einer Nichtigkeit vor Gericht erscheinen, lässt diesen Termin jedoch für ihre Ermittlungen sausen. Daraufhin wird ihre Entlassung gegen Kaution von der Richterin aufgehoben und Nicole per Haftbefehl gesucht. Ein Fall für den Kopfgeldjäger Milo Boyd, abgebrannter Ex-Cop - und rein zufällig auch Nicoles wenig zimperlicher Ex-Mann. Milo hängt sich an die Fersen der ungeliebten Zicke, doch ehe er die Genugtuung auskosten und seinen Auftrag erledigen kann stecken die beiden auf einmal in viel größeren Schwierigkeiten, denn sowohl auf Milo, als auch auf Nicole haben es einige bewaffnete Gestalten abgesehen, die ihnen an Geld und Leben wollen...

Eine Action-Komödie kann sich eigentlich ziemlich viel erlauben. Braucht keine in die Tiefe ausdefinierten Charaktere, braucht keine besonders ausgeklügelte oder innovative Story, muss nicht länger als fünfundachtzig, neunzig Minuten dauern, braucht nicht zähneknirschend spannend sein und von den Schauspielern muss nichts Award-würdiges verlangt werden. Alles andere würde natürlich auch nicht schaden, aber ist letztlich egal, solange das Ganze actionreich und witzig ist. It's as simple as that. Bring uns zum Lachen und biete ein bißchen gepflegten Rumms, und wir werden gut von dir unterhalten sein. Gut funktioniert das in Buddy-Movies wie dem „Lethal Weapon"-Quartett und ist auch noch mit Romanzen-Elementen würzbar wie im Brad Pitt/Angelina Jolie-Starvehikel „Mr. & Mrs. Smith" oder der Mel Gibson/Goldie Hawn-Schote „Bird on a Wire". In letztere Richtung geht in der Kombination aus Action, Krimi und RomCom auch Andy Tennants „Der Kautions-Cop", der sich (von der Länge abgesehen) alle oben genannten Must-Not's erlaubt - nur dummerweise auch vergisst, seine beiden Pflichtkriterien zu erfüllen.

Es fängt noch ganz schwungvoll an und zwar mittendrin. Zum wuppenden Soundtrack fährt Milo Boyd in seinem Auto, aus dem Kofferraum fängt es an zu qualmen, am Straßenrand angehalten springt nach einem Hieb in die Weichteile Nicole daraus hervor und sprintet davon, Milo wetzt hinterher und ruppt sie ein paar Meter weiter unelegant um. Beinahe unglaublich, aber leider wahr: damit hat „Der Kautions-Cop" seinen spritzigsten und besten Moment bereits hinter sich und es sind gerade einmal neunzig Sekunden vergangen. Der Rest des Geschehens, das nun erstmal vierundzwanzig Stunden zurück springt, schafft es tatsächlich, wirklich nichts Erwähenswertes mehr herzuzeigen. Regisseur Tennant und Drehbuchautorin Sarah Thorp hängen der einfach und effektiv umsetzbar klingenden Geschichte vom Kopfgeldjäger (oder Kautions-Cop...), der auf seine Ex angesetzt wird, so viele lahme Beine, blinde Augen und taube Ohren an, dass es dem Film nie gelingen kann, zügig in die richtige Richtung zu laufen, den Blick auf Wesentlichkeiten zu richten und ein Gehör dafür zu haben, welchen Geräuschen er lauschen sollte. Das Darstellerduo Jennifer Aniston und Gerard Butler müht sich verdienstvoll ab, kann aber einfach nicht ständig mit Rollstuhl und Gehhilfe zur Stelle sein, um diesem allzu beeinträchtigen Film ständige Unterstützung zu gewährleisten.

Tennant, der schon beim überlangen, aber netten Will Smith-Date-Ratgeber „Hitch" (2005) und dem nur betreffs des Schauplatzes paradisischen „Ein Schatz zum Verlieben" (2008) nicht unbedingt das größte Geschick beim Verschieben der Tempo/Timing/Gags-Regler bewiesen hat, scheint hier einen eifrig alles abnickenden Wackeldackel an seiner statt zum Dreh geschickt zu haben, der einfach alles wegbejaht hat, wo es kompetente und konstruktive Maßnahmen gebraucht hätte. „Der Kautions-Cop" ist ein völlig ziellos an allen Pointen und kleinen wie großen Höhepunkten vorbeischießender, ungeordeneter und lahmer Film, der überhaupt kein Interesse an sich selbst zu haben scheint. Von den drei Möglichkeiten, die der Plot ihm bieten würde, nutzt er keine einzige aus. Der Beziehungskrieg zwischen den geschiedenen Milo und Nicole wird nie auf die Spitze getrieben, auch wenn beide ein paar Gemeinheiten füreinander auf Lager haben. Die umfassen Kofferräume, Elektroschocker und Handschellen, wiederholen sich viel zu oft und werden dadurch nicht witziger, während sich die Trennungsgründe und Wortgefechte der einstmals Liebenden auf das Übliche beschränken: er ein unreifer Kindskopf, sie eine karrieregeile Ziege. Das bleibt alles viel zu zahm, viel zu beliebig und erschöpft sich in manchmal endlosen »Ich artikuliere meine momentane Stimmung auf simpelste Weise«-Dialogen, die die romantische Wiedervereinigung nicht nur lange vor deren Passieren vorwegnehmen, sondern sie zugleich gekünstelt, nichts bedeutend und eigentlich grundlos wirken lassen. Als Milo und Nicole beispielsweise auf der Terrasse ihres Flitterwochendomizils Halt machen und ein offenes Gesprächen führen klingt das so unbeholfen, als hätten Aniston und Butler ohne konkretes Skript zu improvisieren versucht und das nicht besonders gut hinbekommen.

Den Krimi-Teil um den vermeintlichen Selbstmord, in den auch Milos und Nicoles Trauzeuge, der Cop Bobby, verstrickt zu sein scheint und dessen Hintergründe Nicole ans Licht bringen will, wird indes so ungelenk und ungenau eingebaut, dass man ihn eigentlich nie so recht im Blick hat, wenn Aniston nicht gerade Butler zum zigsten Mal die dürftigen Hintergründe erklärt, um überhaupt daran zu erinnern. Dieser mit brüchigem Faden notdürftig an der Handlung befestigte Teil ist so wenig spannend und so sehr egal, dass sein Vorhandensein im Film einer Notdurftserklärung der Autorin gleich kommt, der für die übrige Story ansonsten nicht genug eingefallen wäre. Informanten-Nebenfigur Jimmy wird da von einem diabolischen Tätowierer entführt, mit vorgehaltener Nadel bedroht und taucht erst viel später nochmal auf, als es noch ein paar weitere Minuten zu füllen gibt. Besagter Tätowierer zeigt sich zwischendruch genauso unfähig, wie die beiden Hahnjökel, die losgeschickt werden um Milos Spielschulden einzutreiben. Die entführen ihrerseits versehentlich Stewart, einen bieder-aufdringlichen Kollegen Nicoles, der sich nach einer Weihnachtsfeierknutscherei einbildet, eine Beziehung mit ihr zu haben. Dem wird per Golfschläger ein Bein gebrochen und später eine exorbitante Pferdespritze verabreicht und er teilt die Schwäche von Möglichkeit Nummer drei, nämlich die, ein vollständig mieser Nebencharakter zu sein.

Statt das „Der Kautions-Cop" über Skurrilitäten der Randfiguren wenigstens für ein paar Lacher sorgt sind auch die nur irgendwas Überflüssiges zwischen überzeichnet und „soll-schräg-sein,-ist's-aber-nicht". Neben den blass-blöden bad guys trifft dies auch auf Nicols frivol-unlustige aufgebrezelte Showgirl-Mutter Kitty, Milos vulgäre Auftraggeber und die beiden Betreiber des Flitterwochen-Motels zu, die an die kuriosen Ranchbesitzer Otto und Grete aus der Serie „Malcom mittendrin" erinnern, deren verschrobenen Witz und Charme aber nicht im Ansatz erreichen. Zumeist setzt „Der Kautions-Cop" bei den Nebenfiguren einzig auf den Humor, der sich im Verständnis des Films und seiner Macher aus deren Aussehen ergibt, so soll es natürlich witzig sein, dass der heißen Jennifer Aniston ein Schwiegermuttertyp mit Schnäutzer und Pullunder nachsteigt, ebenso dass Gerard Butler vor lauter Euphorie die mit Schlafzimmerblick lispelnde Siobhan Fallon knutscht und selbstverständlich ist ein Gangsterpaar witzig, das aus einem glatzköpfigen Kleinen und einem dümmlichen Dicken besteht, angeführt von einer herrisch keifenden Chefin... NEIN verdammt, das ist alles NICHT witzig, vor allem dann nicht, wenn man alle diese Figuren nur ausnahmlos unwitzig dahergestammelten Mist brabbeln lässt, der sich wie Archivmaterial aus einem Kinderhort anhört!

Mit einigen, wenigstens an nicht völlig unpassenden Stellen positionierten, aber übertrieben eingesetzten Songs wie Frank Sinatras „This Town" oder einer Remixversion des Bee Gees-Smashers „Stayin' Alive", und einem oft total auf die falschen Noten setzenden Score macht „Der Kautions-Cop" abseits seiner Legastheniker-Dialoge auch nur sehr bedingt etwas her. Zu retten gäbe es aber auch für die beste Komposition nicht viel. Die Story kommt nur über bekloppt-konstruierte Drehbuchwilligkeiten weiter (Milo hat ein Händchen beim Glücksspiel, natürlich befindet man sich gerade in Atlantic City, auf einer Pferderennbahn macht Milo Nicole zielsicher in Block D ausfindig, weil ihr Lieblingsbuchstabe D ist und lauter so ein Quatsch- und Zufallsherangeziehe...) und hat überhaupt nichts zu bieten, statt witzig wird es höchstens lächerlich. Aniston und Butler fratzen und schmachten sich nicht ganz frei von Chemie an, aber während sie den ganzen Film über relativ unsympathisch bleibt scheint ihm immer wieder etwas die Lust verloren zu gehen, mit diesen nichtssagenden und nichts zu sagen habenden Charakteren etwas zu machen. Somit bräuchte es auch einen Kopfgeldjäger, um einen ein zweites Mal vor diesen in allen Bereichen gnadenlos schiefgegangenen Murks zu zwingen.

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