Beim C-Movie aus dem Sci-Fi Bereich wissen wir spätestens bei folgendem Dialogauszug, dass man uns offensichtlich verarschen will:
„Sie werden diese Nacht wohl nicht überleben, alle lebenswichtigen Organe werden versagen. Aber das ist okay, denn wir haben dieses hier…“
Der Mann beugt sich ein wenig herab und hält etwas kleines Rötliches in die Kamera.
„…um sie wieder herzustellen. Atom für Atom lebt auf diesem 16 Gigabyte Flashstick.“
Tolle Technik.
Denn man bedenke: Unsere Hauptfigur John Carter ist ein ausgebuffter Marine, der avatarmäßig auf eine Mission zum Mars 2.16 geschickt wird. Da müssen schon mal 16 GB her (Oma und Opa passen hingegen zusammen als Zip auf BlueRay, während die Hauskatze als Rar-Datei bestimmt auf 250mb Compact Flash speicherbar ist.)
Welche Aufgabe der Einzelkämpfer dort zu erfüllen hat, ist den Drehbuchautoren auch nicht so ganz klar, - Hauptsache eine krude Mischung aus „Starship Troopers“ und „Planet der Affen“ suggeriert dem ahnungslosen Zuschauer einer ganz dollen Geschichte beizuwohnen.
Nur leider nimmt sich diese, trotz aller erdenklichen logischen Brecher, fast durchgehend todernst.
Der wilden Mischung ohne Konzept fehlen von Beginn an Hintergründe: John Carter kämpft irgendwo in Afghanistan und wird schwer angeschossen. Nach obiger Dialogszene wird er zum roten Planeten teleportiert und fällt sogleich dem grunzenden Stamm der Tharks in die Hände. Doch seine genaue Aufgabe will sich niemandem erschließen: Was hat es mit der Prinzessin Dejah Thoris (Traci Lords) auf sich? Was mit dem Gebäude zur Luftfilterung? Und warum läuft unser Held mit Frotteehandtuch und in Ketten durch die Gegend?
Die nebulöse Situation wird zu keiner Zeit bereinigt, auch nicht, als John eine Riesenspinne erwürgt und dadurch mehr Vertrauen der Tharks erringen kann.
Die auf dem Planeten lebenden Arten sind alle irgendwie verfeindet, es gibt eine Menge Kompetenzgerangel und ab und an attackierende Viecher wie große Ameisen, doch aufgrund kaum erkennbaren roten Fadens stellt sich spätestens ab Mitte der Geschichte Langeweile ein.
Dazu trägt die lieblose Aufmachung in nicht unerheblichem Maße bei.
Als außerirdische Landschaft dient eine Wüstenkulisse mit Rotfiltern, die Silikonmasken der Tharks wackeln bei jeder Geste (und die gestikulieren verdammt viel) hin und her und obgleich Traci Lords nur leicht bekleidet erscheint: Auch ihr hätte man besser eine Maske verpasst, denn der eine starre Gesichtsausdruck unterbietet sämtliche Schauwerte.
Einzig die Animationen der Rieseninsekten gehen einigermaßen in Ordnung und ein paar ironische Sprüche des Helden fügen sich als akzeptables Beiwerk in die einigermaßen flott vorgetragene Chose.
Die Geschichte hingegen verliert sich in Nichtigkeiten und dümpelt gegen Ende nur noch vor sich hin, - da kann ein schwach choreographierter Schwertkampf kaum etwas ausrichten und die Tatsache, das Held Carter annähernd hundert Meter hoch in die Luft springen kann und sich dabei grundlegend nichts tut, führt allenfalls zu noch mehr hanebüchenen Gegebenheiten, denn mit dieser übermäßigen physischen Präsenz hätte er erst gar nicht so lange die Gefangenschaft erdulden müssen…
Demnach sind bestenfalls Trash-Freunde mit diesem überaus preiswert heruntergekurbelten Streifen aufzuheitern, die von Papplandschaften und unbeweglichen Hintergrundbildern Richtung 50er nicht genug bekommen können.
Zu jener Zeit herrschte allerdings noch naiver Charme aufgrund Unwissenheit vor, - eine Tatsache, die sich auch durch einen 16GB Stick kaum kaschieren lässt:
Konzeptlos, schlecht gespielt und im Gesamteindruck schon beinahe geistig begrenzt…
Knapp
3 von 10