Argentinien - Ein Netz aus Korruption
Lange Zeit habe ich "In ihren Augen" vor mir hergeschoben, da ich wusste, dass diese ungewöhnliche Mischung aus Liebes- und Kriminalfilm kein Film sein wird, der sich nebenher schauen lässt. Dank meines Osterurlaubes habe ich nun endlich die Zeit gefunden, mir dieses Beinahe-Meisterwerk zu Gemüte zu führen.
Der Gerichtsbeamte Esposito beschließt einen Roman über einen Mordfall zu schreiben, welchen ihn bis heute nicht losgelassen hat. Im Juni des Jahres 1974 wurde eine junge Frau namens Liliana Colotto von einem Unbekannten brutal vergewaltigt und ermordet. Aus diesem Grund trifft sich Esposito, 25 Jahre später, mit der Richterin und Harvard-Absolventin Irene Hastings, seiner ehemaligen großen Liebe, mit welcher er seiner Zeit an dem Fall gearbeitet hatte.
Im Laufe des Filmes folgt der Zuschauer den beiden Beamten Esposito und Sandoval, großartig gespielt von RICARDO DARÌN und GUILLERMO FRANCELLA, welche an sich nicht wirklich interessante, aber dafür lebensnahe, und damit sympathische Charaktere darstellen. Zudem sorgt die Chemie zwischen diesen Figuren überraschenderweise für einige Lacher, was die sons eher melodramatische, wenn nicht sogar leich depressive Atmosphäre auflockert. Besonders Francella, hier ein Saufbold, bringt einiges an Humor in den Film. Auch die restlichen Darsteller spielen auf hohem Niveau, auch wenn manch einer an wenigen Stellen leicht am Overacting kratzt.
Ebenfalls positiv zu erwähnen sind die geharnischten Dialoge. Nicht übertrieben philosophisch, aber auch nicht einfältig und stupide.
Zudem ist der Soundtrack, gespielt und komponiert von FEDERICO JUSID und EMILIO KAUDERER, flapsig gesagt, Balsam für die Ohren.
Kameratechnisch kann dieser Film kaum von einer Hollywood-Produktion unterschieden, was nicht zuletzt daran liegen mag, dass 20th Century Fox fleißig mitfinanziert hat.
Jedoch finde ich, dass die Tatsache, dass der Handlungsverlauf nicht geradelinig ist, eher störend für den Film. Zwar habe ich kein Problem mit Filmen, die den üblichen Sehgewohnheiten des Publikums widersprechen und bei denen mehrmaliges Anschauen notwendig ist, doch in diesem Falle war der häufige und unvorhergesehene Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit eher frustrierend als nett anzusehen, da es den Erzählfluss, für mich zumindest, eher gestört hat. Zusätzlich wird die Handlung, so gut sie sein mag, an manchen, zum Glück wenigen, Stellen ein bisschen trocken erzählt, was für mich jedoch weitgehenst zu verschmerzen ist.
Trotz alledem kann ich für diesen spannenden und hochpolitischen Kriminalstreifen jedem, der sich auf ruhiges und dialoglastiges Kino einlassen kann, eine Empfehlung aussprechen, da Spannung bei diesem Film nicht durch Action erzeugt wird.