Mehrere Teenager sehen in ihren Träumen einen entstellten Mann mit Brandwunden und messerscharfen Klauen. Schließlich stirbt einer von ihnen, als er erneut von dem Mann, der Freddy zu heißen scheint, träumt und auch die anderen müssen befürchten, dass sie sterben, wenn sie einschlafen. Die Ursache für die Morde liegt in ihrer Vergangenheit verborgen.
Das Horrorgenre krankt immer noch weiter vor sich hin. Kaum erreicht mal ein Film den Kultstatus, wie etwa "Saw", wird dieser von diversen schlechten Sequels binnen weniger Jahre mehr oder weniger zunichte gemacht, bis er schließlich auch kommerziell als klinisch tot abgetan wird. Kein Wunder also, dass zahlreiche Patienten vergangener Tage reanimiert werden, um zumindest in finanzieller Hinsicht Erfolge zu verzeichnen und nach "Texas Chainsaw Massacre", "Amityville Horror", "The Hitcher" und "Freitag der 13.", nimmt sich Michael Bay als Produzent nun auch Wes Cravens Klassiker "Nightmare on Elm Street“ an.
Dabei hält sich der Einfallsreichtum der Macher, wie im Grunde zu erwarten war, stark in Grenzen. Zwar sind hier und da Kleinigkeiten abgeändert, aber im Großen und Ganzen wird der Kenner des Originals wenige bis gar keine Überraschungen erleben, da teilweise sogar ganze Szenen eins zu eins übernommen wurden. Die Fans von Cravens Kultfilm werden damit zu Recht fragen, ob die Welt dieses Remake tatsächlich gebraucht hätte, worüber man letztlich auch diskutieren kann, da es sein Original nicht übertrifft, aber jetzt ist es nun einmal da und im Grunde gar nicht mal so schlecht.
Dies ist im Großen und Ganzen Regisseur Samuel Bayer zu verdanken, der zuvor lediglich mit Musikvideos Erfahrungen sammeln konnte. Bayer lässt den Zuschauer so lange wie möglich im Unklaren, wer dieser Mann in den Alpträumen nun eigentlich ist, warum er die Jugendlichen heimsucht und spannt damit auch die Kenner des Vorgängers nicht ungeschickt auf die Folter. Der langsame, aber permanente Aufbau der Geschichte sorgt dafür, dass durchaus Spannung erzeugt wird, auch wenn das gesamte Konzept natürlich auch hier auf der genialen Grundidee von Wes Craven fußt, die diesem in den 80ern einen seiner größten Erfolge einbrachte. Durch das narrative Geschick reicht die identische Handlung also auch für das Remake voll aus.
Außerdem macht das Remake, natürlich auch aufgrund modernerer technischer Methoden, visuell mehr her als sein Vorgänger, den es unterm Strich durchaus erreicht, aber nicht übertrifft. Bayer wählt geschickt seine alptraumhaften Kulissen aus und setzt darüber hinaus Freddy Krueger gekonnt genug in Szene, dass dieser immer wieder aufs neue für Angst und Schrecken sorgt. Überhaupt ist die Atmosphäre spürbar dicht, da der Schlafentzug der Protagonisten und die stetige Gefahr, die Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit ihr Übriges tun. Letztlich ist Bayer aber auch zu oft auf zu viele Schockmomente aus, übertreibt es mit diversen Ton- und Soundeffekten, deutet allzu oft Überraschungsmomente an und so verkommt "Nightmare on Elm Street" immer mal wieder zur Effekthascherei, versandet aber zu keinem Zeitpunkt. Als wirklich gut kann man den Film letzten Endes besonders deswegen nicht bezeichnen, weil selbst die Schockmomente so teilweise schon im Original zu sehen waren. Dafür ist der Bodycount angenehm niedrig und die Gewalt auf ordentlichem, aber keineswegs überzogenem Niveau, während auch kreischende Teenager glücklicherweise ausbleiben.
Darstellerisch ist der Film dabei sicherlich besser als Cravens Werk gelungen. Zum einen wäre da Jackie Earle Haley, der schon in "Little Children", "Watchmen" und "Shutter Island" psychopathisch angehauchte Charaktere ausgezeichnet verkörperte und als Freddy Krueger mit diabolischer Art und pechschwarzem Humor auf ganzer Linie überzeugt. Zum anderen machen sich die unverbrauchten Teenie-Darsteller ebenfalls sehr gut und spielen wacker gegen ihre klischeehaften Charaktere an.
Fazit:
Im tristen Horror-Alltag sorgt "Nightmare on Elm Street" durchaus für eine positive Überraschung, da er atmosphärisch dicht ist, über einen starken Cast verfügt und dramaturgisch stringent auf den Showdown hinarbeitet. Damit ist die 1:1-Kopie überaus unterhaltsam und ähnlich gut wie das Original, nur eben nicht besser oder anders, weswegen er sich des Eindrucks, überflüssig zu sein, letztlich nicht erwehren kann.
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