"A Nightmare on Elm Street" oder "Freddy's Dead Part 2"
Leichte Spoiler!
Wer kennt ihn nicht, den vieleicht fiesesten und beliebtesten Filmmörder aller Zeiten? Beliebt, weil er in der Originalreihe von Fortsetzung zu Fortsetzung immer mehr zu einer Popfigur verkam, welche sprücheklopfend Teenies meuchelte. Michael Bay's Produktionsfirma Platinum Dunes setzte sich nun die Maxime, genau diesen Aspekt für ihr Remake auszumerzen, Freddys Image wieder in eine ernste Richtung zu lenken und eine würdige Neuinterpretation abzuliefern. Über letzteres lässt sich streiten. Es scheint offensichtlicher, dass man einen finanziellen Erfolg produzieren wollte, statt ein Remake mit Herzblut zu drehen. Und tatsächlich ist das Endprodukt ein respektloses Rebootgedöhns geworden, was jedem Fan ins Gesicht spuckt.
Für ein solches Debakel sind die folgenden Faktoren verantwortlich: Das Casting, das Script und die Inszenierung. Zunächst ging ein Raunen durch die Fangemeinde, ein neuer Schauspieler für Freddy Krueger wäre ein Hohn und unvertretbar - da waren sich alle einig. Tatsächlich aber ist Jackie Earle Haley, welcher in Watchmen eine hervorragende Performance ablieferte, hier keine Schuld anzulasten. Er sieht sich umgeben von lustlos-agierenden Pseudoschauspielern, einem völlig verhunztem Drehbuch und eben der lächerlichen Präsentation des Ganzen. Vorgenommen hatte man sich, Krueger bösartiger denn je zu machen, damit ist man aber weit über das Ziel hinaus geschossen, da man hier plumpe "Buhmomente" mit echter Spannung verwechselt. Nach gut 30 Minuten begreift der Zuschauer, dass er nicht lange zu warten braucht, bis Krueger wieder samt donnernder Musikuntermalung ins Bild springt. Das er die fix ausgemachten Survivor dabei ständig davonkommen lässt, damit diese natürlich abschließend gegen ihn antreten dürfen, springt dem Zuschauer mindestens genau so nervig-schnell ins Auge. Somit macht man aus einem ehemals charismatischen, aber weniger seriösem Filmkiller einen belanglosen Spezialeffekt, welcher schon im Ansatz der zukünftigen Reihe den tödlichen Dolchstoß versetzt. Schauspielern darf Haley also eher weniger. Die lachhaften Dialoge tun ihren Rest, kopieren sogar teilweise Sprüche aus genau den Filmen der Originalreihe, welche Freddy als Sprücheklopfer präsentierten. Genau das sollte nicht passieren. "Feuchte Träume" kennen wir z.B. schon aus Nightmare 4... Wobei wir schon zum nächsten Problem kommen, dem respektlosen Plagiieren einiger Schlüsselszenen des Originals. Wo der Sinn in einem Horrorremake/Reboot/Whatever steckt, wenn man Szenen der Vorlage 1:1 übernimmt, ohne ihnen einen neuen Anstrich oder gar eine überraschende Wendung zu verpassen, will sich mir nie erschließen. Der Kenner wird also 90 völlig unüberraschende Minuten serviert bekommen, welche den blutigen Geschmack des Versagens mit sich tragen. Atmosphäre hätte man schaffen können, wenn man dank heutiger CGI-Effekte spektakulär-unwirtliche Albtraumwelten kreiert hätte, doch auch dieses großspurige Versprechen wurde nicht eingelöst - stattdessen stampfen die Akteure durch graue Fabrikhallen, Kellergemäuer und auf "scary" getrimmte Klassenzimmer. Unspektakulär ist hier noch das netteste, was man sagen kann. Beim Script hat man versucht, die Geschichte Freddys wenigstens neu zu erzählen, dies aber schon dermaßen ausgebreitet, dass es in zukünftigen Sequels noch kaum etwas zu erzählen geben wird. Auf interessante Hintergründe, die z.B. den Krallenhandschuh oder Freddy's Wiedergeburt zu einem Traumdämon beleuchten, wartet man vergebens. Wenigstens geht das Makeup in Ordnung und wirkt deutlich besser, als alle es befürchtet haben. Es macht durchaus den Eindruck, man hätte es mit einem echten Brandopfer zu tun. Wenigstens dort hat man sein Ziel nicht verfehlt.
Platinum Dunes hatten mit "Texas Chainsaw Massacre" ein brauchbarers Remake gezaubert, Freddy sollte dies nicht bekommen. Schlechte Träume bekommt hier nur der Fan der Ur-Reihe, wenn er nämlich von eventuellen Fortsetzungen träumt. Belanglose Dialoge, ein uninspiriertes Drehbuch und viele vertane Chancen und Ziele lassen das Remake mit Vollgas gegen die Wand fahren. Ein brauchbarer Hauptdarsteller, welcher es bitter nötig gehabt hätte, dass eine subtile und spannende Inszenierung ihn unterstützt, kann sich nicht gegen eine Übermacht von sterilen Bildern, steifen Nebendarstellern und dutzenden, ausgelutschten Jumpscare-Momenten behaupten. Haley hat darum auch nie die Möglichkeit, die Fans zu überzeugen oder umzustimmen. Freddy's Wiedergeburt ist somit gleichzeitig Abtreibung und ein zu-Grabe-tragen all' der faszinierenden Aspekte, welche das Original zu einem heute noch verehrtem Klassiker machte. Fail.
3,5/10