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Der Remakewahn nimmt kein Ende und so bediente sich US-Regisseur Samuel Bayer folgerichtig für Michael Bays Produktionsfirma an einer der Kult-Ikonen des Horrorkinos schlechthin, Freddy Krueger mit seinen mörderischen Alpträumen. Das Original ist von 1984, das Remake von 2010 – dazwischen liegen etliche Jahre und Fortsetzungen. Konnte man sich von den vielen interessanten Ideen der Reihe inspirieren lassen, den Grundtenor des Klassikers erhalten und eine fulminante, eigenständige, zeitgemäße Neuverfilmung auf Zelluloid bannen? Nein. Zunächst einmal gibt es keine Spur von Robert Englund, denn Freddy wird diesmal von Jackie Earle Haley gespielt, dem man ein zugegebenermaßen sehr (un)ansehnliches, realistischeres Make-Up verpasste, das mit seinen tiefen Löchern ekliger und erschreckender wirkt als die bisherige Pizzavariante. Doch wo ist die Mimik hin? Freddy zieht quasi den gesamten Film über die gleiche Flappe wie Kyle Gallner als Quentin, dessen Mundwinkel streng nach unten zeigen. Freddy hat schwer von seiner Boshaftigkeit und seinem Zynismus eingebüßt, er wirkt weniger gruselig als in der Originalreihe – ganz gleich, wie sehr er dort mitunter zum Sprücheklopfer mutierte. Seine Erhabenheit ist dahin. So ist er diesmal auch kein Kindermörder, sondern ein Pädophiler, dessen Opfer allesamt noch leben. Dadurch erscheint er zeitweise ebenfalls eher als Opfer, dem Unrecht von den Eltern der Kleinstadt angetan wurde. Die Handlung bekommt diesbzgl. dennoch die Kurve, verzettelt sich aber unbefriedigend in moralischen Fragen hinsichtlich der Selbstjustiz gegen Pädophile, statt sich wie das Original auf Eltern-Kind-Konflikte zu Zeiten der Pubertät zu konzentrieren. Zwar bedient man sich vieler starker Szenen aus dem Original, deren Wirkung aber ob der geänderten Ausgangssituation und vor allem der blassen, wenig bis gar nicht charakteristischen Figuren verpufft. An eine Heather Langenkamp, einen Johnny Depp oder einen John Saxon reicht hier niemand heran. Dadurch, dass der Film Freddys sexuelles Interesse an den Kindern betont, bekommen die spärlichen sexuellen Metaphern, die im Original für einen intelligenten Subtext sorgten, hier eine abstoßende, perverse Note, wie es seinerzeit sicher nicht in Wes Cravens Interesse war. Dass sich von all den (ehemaligen) Kindern niemand mehr an den Missbrauch erinnert, ja nicht einmal mehr an seine damaligen Klassenkameraden, nimmt der Handlung den letzten Funken Glaubwürdigkeit. Was Schockmomente betrifft, lässt es Bayer ganz ordentlich krachen, wobei die Spezialeffekte aber manches Mal durch schlechte CGI sämtlichen Realismus einbüßen und dadurch ad absurdum geführt werden. Ausufernde, surreale Traumwelten sucht man ohnehin vergebens. Obzwar bereits 1984 vorgemacht wurde, wie ein packendes Finale aussehen kann, wird auch diese Chance in einer lauen, unspektakulären Neuauflage des Kampfes kläglich vergeben. Wenigstens stimmt das Tempo des Films, der sich wie ein bemüht bzw. vorgeblich ernsthafter Horrorbeitrag bei kühlen Getränken und Knabbergebäck gut und unterhaltsam konsumieren lässt, ohne nachhaltig zu beeindrucken. Am meisten Spaß machen eben doch die Verweise aufs Original, die wohlige Erinnerungen wecken...

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