Debüt von Kim Cheol-han, written and directed by, der sich im Angesicht des erhofften Zwecks mit großen Schritten und lauten Tönen auf den [Irr]Weg macht. Erst Mörderhatz mit nacktem Terror, dann Copdrama im Stillen mit Kommissar Zufall und seinem Schicksalsschlag und schließlich Selbstjustiz-Machwerk, vermag der Film nur zu wenigen Momenten, sowohl in innerer als auch in äußerer Beschaffenheit übereinzustimmen.
Verglichen mit anderen Genrearbeiten des Jahres, angesichts Kim Ji-woons I saw the Devil, Kang Woo-seoks The Moss, Lee Jeong-beoms Man from Nowhere und für sowieso protzendes Koreanisches Kino geradezu klein und schäbig angelegt, gibt der Thriller zwar auch Gelegenheiten für eine kritische Abhandlung vor, verwirft diese aber schnell in das Reich der Gegenstandslosigkeit. Eine Nebenrolle am Rand des Blockbusterwesens spielend, verhält man sich stattdessen lieber weniger geehrwürdigt, und erregt die großen Empfindungen eher mit seinem B-Movie Anstrich und der Einfalt der Unvollkommenheit. Auge um Auge, und der Zweck heiligt die Mittel. Die alttestamentarische Rechtsauffassung in zeitweilig effektvollen Einzelepisoden atomisiert:
Hilflos muss der 40jährige Strong forces detective Oh Jeong-soo [ Kam Woo-seong ] mit ansehen, wie sein Bezirk stellvertretend für das Mutterland den Bach hinuntergeht, trotz seiner beruflichen Erfolge die Täter immer grausamer und die Morde immer sinnloser werden. Als er das Entführungs- und Vergewaltigungsopfer Jeong Ji-hyeon [ Lee Seung-min ] kennen- und lieben lernt, und aus gemeinsamen Schmerz scheinbar doch die Hoffnung erweckt und gar ein gemeinsames Kind geboren werden kann, tritt für einen Moment etwas Trost und Zuversicht in sein Leben. Umso unbarmherziger schlägt das Schicksal in Form zweier durch Drogen und Erziehung geschädigter Jugendlicher [ Peter Holman & Tak Tu-In ] zu, und weder die Freundin und Therapeutin Lee Kyeong-jin [ Yoon Ji-min ], noch Female detective Han So-yeong [ Jang Sin-yeong ] oder sein Kindheitsfreund, der Priester Park Seong-cheol [ Choi Won-yeong ] können den Ausgebrannten von dem folgenden Vorhaben abbringen.
Zerfallend in mehrere Zeiten und Tatorte, die nur die Anwesenheit des ausgebrannten Polizisten gemein und so den roten Faden um seine Existenz gesponnen hat, stellt man die Thesen des Kommenden gleich zu Beginn der 93min vor. Dabei wird gleichfalls rasch schon direkt in den Abgrund geschaut, keine Vorreden gemacht oder Ernsthaftigkeit, Komplexität oder die heile Welt gespielt, sondern die Fallhöhe gering und die Bewegungsenergie incl. Autostunts und Aufmärsche der Spezialeinheiten umso grösser gehalten. "Random killings" als Auszug des Einleitungstextes auf der einen Seite, "Post traumatic stress disorder" auf der anderen, dessen Gegenüberspiel sich über sieben Jahre und unterschiedliche Taten hinweg ebenso durch die Geschichte zieht wie die Kontraste von kurzem Glück und langem Pech, Guter Cop / Böser Cop, der Unterschied von Recht und Gerechtigkeit.
Das eifrige Plädieren zum Ausleben des Faustrechtes, welche zwar sicherlich erst im letzten Drittel so richtig zum Tragen kommt, aber vorher immer wieder seinen Aufmarsch in Form von knappen Ausrastern gemacht und sich so beizeiten in das Bewusstsein zum angeblichen Schutz der Gesellschaft gedrängt hat, gerät dabei zum eher plakativ vermittelten, nicht unbedingt langweilig werdenden, da stetig im Radius ausbreitenden Exzess. Gnadenlosigkeit und erste Übergriffe und Handgreiflichkeiten werden in der trotz der Anwesenheit von Kollegen und Vorgesetzten geradezu ausgestorben wirkenden Dienstbehörde entwickelt und machen sich dann nach und nach auf den öffentlichen Straßen der Stadt, bis hin zum medial beobachteten Schauprozess im split screen Verfahren breit.
Diskutiert und moralisiert wird indes nicht, sondern sich mit den Schandtaten der unterschiedlichen Kriminellen, dem Abschaum der Zivilisation, – die hier in diesem filmischen [Cop]Land eh nicht weit vorangeschritten und schon gar nicht zivilisiert in Form von kultiviert, gepflegt und verfeinert ist, – im detaillierten Schmuddelblick beschäftigt. Mag die Stadt an sich selber noch glänzen, breite Straßen, angenehm erscheinendes Wetter und gewissen Wohlstand vortäuschen, so sind die Nebenschauplätze sämtlich mit Verbrechen dumpfer, sturer Gewalt frequentiert, wird gefoltert, vergewaltigt, lebendig begraben und aus den unterschiedlichsten, aber ständig unmotiviertesten Gründen das Leben genommen. Menschliche Gefühle muss man dabei nur in der Vergangenheit und kann dies auch bloß für wenige Minuten suchen, ein schnell vorbeigehendes, nahezu traumhaftes, so auch trügerisches Glück, welches von vornherein nicht wirklich greifbar und trotz dort längerer Einstellungen, dem Klavier im akustischen Hintergrund und ausnahmsweise friedlich belebter Plätze nicht emotional glaubhaft erscheint.
Umso unzweideutiger der Part mit den korrumpierten Seelen, der sich hier durch alle Stände und Schichten und auch auf der Seite der Gesetzeshüter präsent als Hauptansicht durch das Werk im simplen Dasein zieht; ausgeschöpft in verbalen Andeutungen und desto drastischeren visuellen Details, wobei gerade der Einstieg mit seinem Gusto aus sex & violence im Torturkeller als auch ein Massaker in einer Restauranttoilette ihre entbehrliche Genusssucht feiert. Den absoluten Zweck dabei zwar nicht aus den Augen, aber den Geschmack verlierend, blüht dort die Kunst der graphischen Ausschweifung auf. Der Fehltritt des abstoßend Hässlichen, das kein Bedürfnis nach hier eh vorläufiger und fragmentarischer Theorie, sondern nur den Drang der ungebundenen Triebhaftigkeit verspürt.
Darstellerisch ist die Vigilanten-Fantasie vom masked prosecutor höchstens solide, dafür ästhetisch anklagend und verurteilend und daran auch glaubend gleichermaßen und so mit erbitterten Parabelbildern in kräftiger Photographie gespeist, ähnlich wie The Flock eigentlich ein schablonenhafter crime / mystery Dienst nach Vorschrift der Gattung, aber mit speziell gespaltener und so disharmonischer Note, die immer wieder mal so einige Brecher in die emotionale und intellektuelle Tastatur setzt.