Review
von Sir Fuckalot
Stilistisch überzeugender Film, in dem Kälte, Schäbigkeit, Dreck und Dunkelheit dominieren. Location-auswahl, Requisiten und die starke Photographie schaffen eine völlig hoffnungslose, abgründige und beklemmende Atmosphäre, welche prima den Inhalt der Erzählung, und schon ziemlich früh im Film wird dem Betrachter klar, dass die Erzählung nicht gut ausgehen wird. Das abgebildete Dorf ist genau so trostlos schäbig wie die Menschen, die darin hausen; es wird also ein sehr negativer Einklang von Mensch und Umfeld inszeniert.
Degenerierte Säufer, korrupte Kommunisten, Opportunisten und Konfidenten, verfickte Miliz, Ehebrecherinnen, Mörder, Schläger, Brandstifter. Hoffnungslose kommunistische Zeiten, hoffnungslos verwahrloste Provinz. Es gibt in diesem Film keinen positiven Aspekt, keine tiefe Menschlichkeit, keinen Sympathie-Träger, nicht ein einziges erbauendes Element. Anton Chigurgh hätte sicherlich nichts dagegen, mit seiner Luftdruck-Kanone in dem Dorf vorbei zuschauen.
Was die Intentionen der Produzenten sind, bleibt fraglich. Nachträgliche Abrechnung mit der kommunistischen Zeit in Polen? Vermittlung eines verheerenden Menschheits-Bildes generell? Eine Auseinandersetzung mit den seelischen Abgründen und destruktiven Zügen, die jeder Mensch in sich trägt? Die These, dass in beschissenen Zeiten diese seelischen Abgründe und destruktiven Züge leicht zu Tage treten? Vermutlich eine Mischung aus allem.
Neben bierernst vermittelter Beklemmung, Hoffnungslosigkeit, Verwarlosung und destruktivem Verhalten gibt es in diesem Film aber auch reichlich rebenschwarzen Humor sowie einige nicht für jeden verständliche Insider-Witze über die Zeit des Kommunismus. Der Film als Ganzes erinnert im Grundton leicht an die Coen-Brüder.