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Flotte Girl-Power in Zeitlupe ist ja spätestens seit „Tomb Raider“ kein Problem mehr für uns Jungs. Hautenge Outfits von Leder bis Lycra, Waffen von Pistole bis Panzerfaust und Fortbewegungsmittel von Mountainbike bis Motorrad reichen oftmals aus, um den Kampf gegen das Böse in Form internationaler gesuchter Terroristen mitfiebernd erscheinen zu lassen.
Der thailändische Regisseur Udomdej scheint diesbezüglich jedoch strenge Regeln für seinen Streifen aufgestellt zu haben, denn nachdem die eigentliche Hauptdarstellerin im Rahmen einer Gala ein für ihn skandalöses Kleid trug, strich er schlichtweg sämtliche Szenen jener Dame, weshalb von der eigentlichen Handlung auch nicht mehr als ein Flickenteppich übrig bleibt.

Oder kurz gefasst: Agentin Gunja wird während einer geheimen Operation von ihrer Chefin Claire hereingelegt und sollte eigentlich das Zeitliche segnen. Gunja überlebt jedoch und hat zwei Jahre später die Chance, es der intriganten Schlampe bei einem weiteren verdeckten Einsatz heimzuzahlen…

Was es da mit Verrat, unzähligen undurchsichtigen Aufträgen, einigen Agenten und international gesuchten Terroristen aus Kenia über Thailand bis Malaysia tatsächlich auf sich hat, interessiert nach einigen Minuten bereits niemanden mehr.
Aus den diffus eingestreuten, parallel ablaufenden Handlungssträngen, welche die wesentlichen Figuren komplett oberflächlich einführen, entsteht eine zunehmende Distanz zum Geschehen, als dass überhaupt jemand als markanter Kopf hervorgeht.

Claire erscheint als Bösewichtin entsprechend abgebrüht und eiskalt, während die angepeilte Heldin Gunja im Mittelteil fast komplett verschwindet. Ihre Rehaugen sind zwar ganz goldig, doch die Schattierung des Oberlippenbärtchens hätte man in Vorfeld ruhig mit Enthaarungscreme behandeln dürfen.
Relevant sind im Endeffekt nur diese beiden Damen, denn dazwischen tummeln sich lahmarschige Figuren wie ein Bombenleger, diverse Auftraggeber, Agenten zwischen den Fronten und Samurais auf Motorrädern im Wald, während der geneigte Fan stringent in Szene gesetzte Action erwartet, anstatt einem flickwerkartigen Drumherum beizuwohnen.

Doch siehe da, nach rund vierzig Minuten kommt immerhin ein wenig Bewegung ins Spiel, nach fünfzig Minuten kann man halbwegs von Action sprechen und im letzten Drittel kommen gar einige Fights zustande, die man trotz uninspirierter Choreographie mit zu vielen Nahaufnahmen beinahe dankend hinnimmt.
Natürlich will sich trotz passablen Tempos und brauchbarer Kulisse eines verlassenen Fabrikgeländes final kein Mitfiebern mehr einstellen.
Der Score treibt zwar wie bei der Untermalung eines Ego-Shooters, doch die durchweg steifen Mimen und die plump inszenierten Effekte verweisen am Ende auf eine Produktion, deren Kopf offenbar nur Nahaufnahme, Zeitlupe und gelackte Werbeclip-Ästhetik im Kopf hatte.

Udomdej scheitert vor allem daran, mit „Final Target“ eine stringente Geschichte zu erzählen, eine charismatische Sympathieträgerin zu etablieren und die Fights, als auch die sehr wenigen Gewaltmomente ohne offensichtliche Hilfsmittel wie CGI und Drahtseile in Szene zu setzen.
Themen wie Verrat, Rache und intrigante Machtspielchen verkommen zur Randerscheinung, - der Betrachter soll lediglich mit ansprechender Optik gefüttert werden, doch diese endet bereits mit den entsprechenden Outfits der beiden Kämpferinnen.
Der Rest impliziert noch nicht einmal trashige Momente, so dass dieser Actioner letztlich wie seelenloses Augenfutter an einem vorbeizieht.
2,5 von 10

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