Review

Eines vorneweg: Freunden der Literatur-Vorlage des Schriftsteller-Genies Mann werden an dem 1957 enstandenen Film Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull nur bedingt ihre Freude haben. Wie soviele Buchverfilmungen gilt auch hier die Devise: In Anlehnung! Dass dieser Felix Krull jedoch um einiges komischer ist und besser funktioniert als der geschriebene, liegt vor allem an der herrausragenden Leistung Horst Bucholz´.

Die Geschichte des naiven, aber von der Frauenwelt verehrten Felix, der sich nach und nach auf eben diese Talente besinnt um reiche Damen auszunehmen, ist, gerade für damalige Verhältnisse erfrischend flott, frech und sympathisch erzählt. Das die FSK-16 Freigabe eine reine Farce ist, tut dem keinerlei Abbruch. Zwar spielt der Film mit Frivolitäten und Erotik, doch wird der geneigte Zuschauer niemals Zeuge geschmacklicher Entgleisungen. Was den Film heutzutage möglicherweise etwas bieder erscheinen lassen mag, aber durch die - wie gesagt ausserordentlich gute - schauspielerische Leistung und schöne Inszenierung mehr als verzeihlich ist.

Der charmante und ein wenig versnobbte Felix macht sich - kaum, durch einen perfiden Trick, dem Militärdienst entflohen - auf, sein Glück in der Fremde zu suchen. Das findet er auch, vorerst, als Laufbursche in einem Luxus-Hotel. Hier macht er auch erstmals Bekanntschaft mit der völlig übersättigten, nach neuen Herrausforderungen suchenden Damenwelt, die ihn im Gegenzug zu Gigolo-Diensten mit Geld und Schmuck ausstatten, dass er sich allerdings auf Grund einger seltsamer Erotik-Fantasien "stehlen" muss. (Herrliche Stelle übrigens:   Sie: "Er sieht ja aus wie Hermes!"  Er:"Hermes ?"  Sie:"Was, er kennt nicht Hermes ?"  Er:"Nein, er wurde mir noch nicht vorgestellt.")
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull  ist ein Film, der weniger auf Situations-Komik, als auf den Humor der Dialoge wert legt, dem Drehbuch sei Dank funktioniert das auch ganz ausgezeichnet. Als etwa Felix Krull von einem Professor namens Kuckuck (hervorragend: Emil Jannings aus Der blaue Engel) über Dinosaurier und die Entstehungsgeschichte der Menscheit aufgeklärt wird, verleitet ihn das zu der großartigen Annahme, das ja im Grunde "selbst der lieblichste Frauenarm ... nichts anderes als die Kralle des Urvogels" sei. Was ihn nicht daran hindert ein paar Szenen später sowohl dessen Tochter als auch seine Frau zu verführen.

Alles in allem, ein schöner, angenehmer Wohlfühlfilm, fern ab des Holzhammer-Humors der heutigen Zeit, aber wohl gerade deshalb unglaublich sympatisch.

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