Langerwartete Rückkehr Yuen Woo-pings auf den Regiestuhl nach über zehn Jahren, wobei der Filmemacher zwar nicht absent von der Fortführung der Karriere war, sich aber auf die Tätigkeit als Actionchoreograph bei allerlei seine Dienste gut benötigten Werken wie The Banquet oder Forbidden Kingdom beschränkte. True Legend wurde dabei zu Beginn kurz fälschlicherweise als eine Art Remake von Yuens eigenem Hero Among Heroes angekündigt, wobei sich beide Produktionen zwar die historische Figur des Beggar Su teilen, aber ansonsten nichts weiter miteinander gemein haben und auch vom Produktionsstatus her und der Zeit der Entstehung fast nicht weiter entfernt sein könnten. Gesetzt zum Chinesischen Neujahr 2010 mag dabei der Kinostart selber eher ungünstig gewählt sein, hat man sich nicht nur mit allerlei eher die Familien und harmlose Unterhaltung ansprechende mediale Leichtigkeit herumzuschlagen, sondern teilt auch nur spät, dann im Versuch der Würdigung aber auch extrem die geistigen Sympathien mit anderen die chinesische Befindlichkeit ansprechenden Filmen.
Dabei hat Yuen wohl ein wenig die Lust des geborenen Erzählens von gestärkten Kämpfern im Zwist gegen ebenso, wenn nicht sogar mehr geschulten Gegnern und damit einhergehend auch im Konflikt mit dem eigenen Willen verloren, aber korrespondiert seine spinnwebdünne Geschichte von Beggar Su wie aus dem Stegreif lang geübter und so tradierter Regelkunde. Ein abergläubisches Ein mal Eins des Martial Arts Genres, dessen Dramaturgie schneller Vertrautheit nur die Beiworte für das eigentlich Wesentliche der seriell und variell schon anregenden Actioninszenierung als zentrale Präsenz stellt:
1866. Während China von ausländischen Invasoren heimgesucht wird, ist die Ching-Dnyastie kurz vor dem Kollabieren angelangt. Der ehemalige General Su Chan [ Vincent Zhao ] hat sich vor fünf Jahren nach der Befreiung des Kaisersohnes [ Jacky Heung ] aus der Haft einer Gaunerbande aus dem Dienst für die Obrigkeit in die private Nähe seiner Frau Ying [ Zhou Xun ] und des Sohnes Little Feng zurückgezogen und steht mittlerweile vor der Eröffnung seiner eigenen Wushu-Schule. An dem Tag der Einweihung, der zugleich den Geburtstag seines Vaters Su Wankun [ Leung Kar-yan ] darstellt, bekommt die Familie überraschend Besuch des nunmehr zum Gouverneur aufgestiegenen Yuan Lie [ Andy On ], des Bruder von Ying. Ein furchtbares Geheimnis zum Anlaß für eine blutige Rache nutzend, wird die Familie auseinander gerissen und Su Chan durch Yuans antrainierten Five Venom Fists und seine Vorhut der Iron Twins [ Will Liu & Jiang Luxia ] schwer verletzt. Unter Aufsicht der in den Bergen lebenden Dr. Yu [ Michelle Yeoh ] erholt er sich nur zögernd, wozu er sich auch in den Wein und in die rauschhafte Phantasie zu dem "God of Wushu" [ Jay Chou ] und "Old Sage" [ Gordon Liu ] als imaginäre Lehrmeister flüchtet.
Die mehrere Jahre umspannende Handlung ist grob in zwei Kapitel geteilt, "The Decisive Battle", welches den Anfangs- und Mittelteil ergibt und im Grunde mit noch etwas Streckung auch eigenständig ein vorläufiges Ende und damit einen Abschluss heroischer Tragödie darstellen könnte. Und "A Drunken Fist", dass wie verspätet angehangen nahezu sequelartig den mit positiven und negativen Seiten bewegenden Protagonisten in seinem entzweiten Gegensatz noch einmal aufgreift und die Notwendigkeit und das Resultat eines erneuten Kampfes – in einem wörtlichen Tiger der Todesarena free-style match gegen die mit Steroiden aufgeputschten russischen "Killer Anton's Invincible Wrestlers"; Barbarei für Barbarei – und somit auch die fortführende Erläuterung in sich birgt. Dabei wechseln sich die Gattungsbestimmungen wie auch die entsprechenden Stimmungen durchaus ab, von den präzisen Worten und Taten des Kung Fu Filmes über den einsichtsvoll naiven Beurteilungen eines Dramas, dem Kontrastieren mit handelsüblichen Wuxia samt gar Fantasyeinschüben und wieder strikt zurück an den Beginn. Wobei sich diese Wahlverwandtschaften zwischen Landschaft und Geist, Mythologie und Philosophie, und schließlich Heimatkunde und Patriotismus zwar leicht herbeiführen, aber dennoch einige hervortretende Willkürlichkeiten nicht vermeiden lassen.
Gerade die Traumszenen, bzw. das Vermischen und Veranschaulichen von Sus Gedanken während seiner Regeneration und Rehabilitation fallen auch wegen ihrer ästhetischen Neigungen und Schwächen augenscheinlich aus dem sonstig eher groben Material heraus; ist das eher mentale Training von Su am Beidou Mountain gegen die beiden Gestalten in seiner Vorstellung ein schon etwas lackiert groteskes Maskenspiel, ein Schwanken in das Billige hinein, dass mit seinen reichlich weichen und so schwächenden Effektszenen gerade bezüglich des Hintergrundes mehr an längst verdrängte Verzweiflung wie Legend of Zu oder The Promise erinnert. Auch die damit verbundene seelische und emotionale Rückkehr in das Volkstümlichsein vor dem Schritt in den Abgrund hat Autorin Christine To bei der offensichtlichsten Inspiration von True Legend, die eindeutig Fearless und damit das Gegenteil von Ip Man ist, wesentlich nüchterner und schwelgender zugleich in seinem Weglassen als dem Übertreiben hin bekommen.
Eine vollendete Sicherheit liegt natürlich und wie auch zu erwarten bei den gewetzten Auseinandersetzungen vor, die identisch in ihren physischen Äußerungen gleichfalls auserlesen stilisiert sind und parallel dazu auch die ganze Kunst der Destrukteure Yuen Cheung-yan, Yuen Shun-yi und Ling Chi-wah beanspruchen. Die hand-to-hand combats gerade zwischen [dem zuletzt im Fernsehen versteckten] Zhao und On weisen zumeist eine klare Strenge auf, ein Wetteifer der Wirkungen des Instinkt, die sich wie selbstverständlich hingenommen mit dem ungleichartigen Weisen reichlich schwereloser wirework-Techniken abwechseln, dessen häufiger Einsatz sicherlich nicht Jedermanns Freude sein wird und dessen Benutzung als Nebensache zur Verschönerung theoretisch auch hier nicht immer selbstredend sein muss. Die freie Entfaltung der eigentlichen Antriebsenergie als dennoch scheinbar unendlicher, auch nicht in die Eintönigkeit oder gar Langeweile abrutschender Austausch von Bewegungen blitzschneller Aktion und Reaktion, deren Besonderheiten wie oft beim Yuen-Clan in dem Entgegensetzen von Sinnlichem und [blutspuckender und sachbeschädigender] Gewalt auch in universell scheinenden Zeitlupen als verlängerte Beweisführung eingefangen werden.