St. Louis im Sommer 1903, einige Monate vor der Weltausstellung von 1904: Die wohlhabende Familie Smith lebt ein unbeschwertes Leben. Während die älteste Tochter Rose hofft, von ihrem Freund geheiratet zu werden, wagt Esther, die zweitälteste der vier Töchter, ihre ersten Schritte in Richtung Liebe. Doch die Idylle gerät ins Wanken, als der Vater ankündigt, die Familie müsse aus beruflichen Gründen nach New York ziehen. Für die Kinder bricht eine Welt zusammen. Speziell für Esther bedeutet dies möglicherweise den Verlust ihrer ersten großen Liebe.
Meet Me in St. Louis ist ein episodenhafter Film, ein liebevolles Porträt einer gut situierten, heilen Familie, die plötzlich entwurzelt werden soll. Die Vorlage basiert auf den autobiografisch gefärbten Kurzgeschichten von Sally Benson, die Anfang der 1940er Jahre wöchentlich im New Yorker Magazin The New Yorker veröffentlicht wurden. Die episodische Vorlage stellte sich als überraschend schwer adaptierbar heraus. Mehrere Drehbuchautoren scheiterten an einer stimmigen Umsetzung, teils mit völlig unpassenden Ideen wie einer Krimihandlung. Erst Irving Brecher und Fred F. Finklehoffe fanden die richtige Balance und formten daraus ein filmreifes Drehbuch, das ihnen schließlich eine Oscar-Nominierung einbrachte. Dennoch ist genau diese episodische Struktur auch im Film zu spüren. Der Einstieg ist ruhig und stellt fast schon beiläufig die Familie, ihr Leben und ihre kleinen Rituale vor. Ein klarer dramaturgischer Fokus drängt sich jedoch nicht sofort auf. Es dauert vielleicht ein bisschen, aber nach und nach entfaltet die Geschichte ihren ganz eigenen Charme.
Im Hintergrund schwebt dabei ständig die Louisiana Purchase Exposition – eine gigantische Weltausstellung, die damals als Symbol für Fortschritt, Optimismus und den Aufbruch in ein neues Jahrhundert stand. Mit über 20 Millionen Besuchern war sie eines der größten Ereignisse ihrer Zeit und präsentierte technische Innovationen ebenso wie kulturelle Errungenschaften aus aller Welt. Im Film fungiert sie aber vor allem als atmosphärischer Rahmen, als ein verheißungsvolles Zukunftsversprechen, das im Kontrast zur drohenden familiären Veränderung steht. Überhaupt gewinnt der Film deutlich an Tiefe, sobald die drohende Trennung der Familie in den Fokus rückt. Was zunächst wie ein leichtes, episodisches Wohlfühlstück beginnt, entwickelt plötzlich echten eindringlichen Zug.
Im Zentrum steht jedoch ganz klar das Ensemble, das durchweg treffend besetzt ist und den Film spielend trägt. Insbesondere Judy Garland ist schlicht zum Verlieben. Sie ist bezaubernd, natürlich, mit einer warmen Ausstrahlung. Ihre Darstellung wirkt nie aufgesetzt, sondern ehrlich und nahbar. Dabei profitiert der Film enorm von ihrer musikalischen Präsenz. Wenn sie singt, verbindet sich die emotionale Ebene der Geschichte mühelos mit der Musik. Allein über Stimme und Mimik kann sie so viel Ausdruck transportieren, dass man ihr einfach noch viel länger zuhören möchte.
Aber auch die Nebenfiguren sind hervorragend besetzt. Besonders der Großvater sticht mit seiner trockenen Art heraus. Er ist liebevoll und mit genau der richtigen Portion Lebenserfahrung ausgestattet, um dem Film zusätzliche Wärme und Humor zu verleihen. Generell wirkt die gesamte Familie unglaublich glaubwürdig und sympathisch, wodurch die bewegenden Konflikte der zweiten Hälfte enorm gut funktionieren und sie umso wirkungsvoller werden.
Visuell ist der Film ein echtes Fest. Die opulenten Kostüme und die detailverliebte Ausstattung lassen die Jahrhundertwende in warmen, leuchtenden Farben aufleben. Jede Szene wirkt sorgfältig komponiert, fast wie ein nostalgisches Gemälde. Dazu kommt die wunderbare Musik – allen voran das Lied „The Trolley Song“, für das es sogar eine Oscar-Nominierung gab. Während der Film insgesamt auch kommerziell ein großer Erfolg war und zu den erfolgreichsten Produktionen seines Jahres gehörte, ging er bei den Oscars allerdings leer aus.
Regisseur Vincente Minnelli inszeniert das alles mit großer Eleganz und einem feinen Gespür für Ton und Rhythmus. Er lässt sich Zeit, die Figuren zu etablieren, und diese Geduld zahlt sich in der zweiten Hälfte mit spürbar berührenden Momenten aus. Gerade das berühmte Halloween-Segment und die späteren Szenen rund um die mögliche Abreise der Familie gehören vor allem durch die kleine, sehr stark aufspielende Margaret O'Brien als jüngste Tochter Agnes zu den stärksten Momenten des Films.
Meet Me in St. Louis ist letztlich genau das, was man sich unter einem klassischen Wohlfühlfilm vorstellt. Er ist warmherzig, musikalisch herausragend, visuell prachtvoll und getragen von einem großartigen Ensemble. Der gemächliche Einstieg verlangt einen Hauch Geduld, doch danach wird man mit einem nostalgischen, gefühlvollen, höchst charmanten und zeitlos schönen Musical belohnt. Wohlfühlkino mit Herz, Stil und einer hinreißenden Hauptdarstellerin.