Review

Der Charme der alten Jerry Cotton Filme bestand in erster Linie darin, dass die Filme (obwohl sie in New York spielten) in Deutschland gedreht wurden und Hamburg als New York herhalten musste.
Nicht die Realität, sondern eher der naive Blick der Deutschen auf die USA, eine Märchenwelt eben.
Desweiteren war die Präsenz von George Nader ein wesentlicher Bestandteil, der die alten Filme erfolgreich werden ließ und die Streifen mittlerweile zum Kult gemacht hat.
Egal wie viel Spaß die alten Cotton Filme machen aber sie sind trotzdem nie wirklich über ein gewisses Mittelmaß hinausgekommen.

Diese Voraussetzungen werden mit dem neuen Film schon mehr als erfüllt, was die alten Fans in jedem Fall glücklich machen dürfte.

2010:
Die beiden jungen Regisseure Cyryll Boss und Phillip Stennert haben nun den Kult reanimiert und da bleibt einem streckenweise fast die Spucke weg!

Die Wahl des Hauptdarstellers Christian Tramitz ist außerordentlich gut gewählt, er gibt einen Jerry Cotton wie er im Buche, bzw. Groschenheft steht und muss sich hinter George Nader bestimmt nicht verstecken.
In den sehr harten Kampfszenen kann er vollends überzeugen und an Charme mangelt es Tramitz auch nicht.
Ihm zur Seite steht sein neuer Kollege Phil Decker (Christian Ulmen), ein Schreibtisch Held, der lediglich über Beziehungen zum FBI kam und nebenbei noch ein ziemlicher Trottel ist.
Interessanterweise ist die Ulmen Rolle wesentlich intelligenter angelegt als ich erwartet hatte. Der Humor kommt weniger durch Schenkelklopfer Witze zustande, sondern eher durch intelligente Dialoge.
Es gibt zwar eine Ausnahme, in der Ulmen sich als singerner Japaner verkleidet und dementsprechend übertreibt aber handlungstechnisch macht es Sinn und stellt letztendlich eine Parodie auf die übertriebenen Auftritte der Talkshow Moderatoren im japanischen TV dar. Da erinnert man sich sofort an LOST IN TRANSLATION.
Interessanterweise hat Jerry Cottons Charakter streckenweise eine ziemliche Ähnlichkeit mit Bill Murrays Charakter in LOST IN TRANSLATION und zwar immer dann, wenn er auf Phil Decker trifft, bzw. dieser ihm auf die Nerven geht.
Heino Ferch gibt den bösen Deutschen im Film, was sich durch einen schwäbischen Dialekt von den anderen (Amerikaner spielenden) deutschen Schauspielern abheben soll.
Das wurde wirklich sehr gut gelöst.
Heino Ferch wirkt sehr bedrohlich, ernstzunehmend und brutal , auch wenn er im Film stark schwäbelt.
Der Oberhammer ist aber Christiane Paul, sie geht einfach ab wie eine Rakete! Sie gibt die böse Daryll Zanuck von der Dienstaufsichtsbehörde, die Jerry Cotton das Leben zur Hölle macht.
Desweiteren spielt Monica Cruz, das sexy aber auch ziemlich abgebrühte Luder im Film. Wirklich sehr sehenswert!

Der neue Jerry Cotton Film ist ungeheuer rasant inzeniert und kommt in einer Perfektion daher, als wäre es eine Hollywood Produktion. Man sieht dem Film sein Millionen Budget an.
Die Actionszenen sind wirklich vom Allerfeinsten und die Tricktechnick im Bezug auf das gefakte New York geradzu sensationell!
Hier sieht man, im Gegensatz zu den alten Filmen, was heutzutage möglich ist.
Die Illusion von New York ist perfekt und speziell die alten Jerry Cotton Fans werden sich freuen, wie gut das alles gemacht ist.

Mit jedem erneuten Sehen wächst und wächst der Film, denn man kann ständig Neues darin entdecken.
Man merkt überdeutlich mit welchen Filmen die beiden Regisseure aufgewachsen sein müssen.
Man spürt diverse Einflüsse von Taxi Driver, American Werewolf, Femmes Fatales, Spiel mir das Lied vom Tod, Lost in Translation, Lola rennt oder den frühen Danny Boyle Filmen.

JERRY COTTON 2010 ist ein Fest für richtige Filmfans und für alle anderen Zuschauer extrem unterhaltsam und kurzweilig.
Auf jeden Fall ganz weit weg vom Schenkelklopfer Niveau der Bully Herbig Filme, wie viele Leute ursprünglich angenommen hatten.
Die beiden Regisseure Boss und Stennert haben vom Start weg schon so viel mehr zu bieten, als zum Beispiel Roland Emmerich.
JERRY COTTON 2010 ist perfekt gemacht und der beste deutsche Actionfilm seit vielen Jahren, wer dies nicht erkennt ist entweder blind oder einfach nur ignorant. Mit Sicherheit gab es seit LOLA RENNT keinen so rasanten und durchgedrehten Actionfilm aus deutschen Landen!
Ganz objektiv muss man hier die Bestnote vergeben. Ein seltenes deutsches Sahnestück! 10 von 10 Punkten

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