Review

Mal abgesehen von einer sympathischen Kinderserie Ende der 70er sind Vogelscheuchen vermehrt in Horrorfilmen anzutreffen. „Evil Ground – Fluch der Vergangenheit“ oder „Scarecrow Slayer“ thematisieren recht lebendige Scheuchen mit finsteren Absichten.
Regisseur Norio Tsuruta, der das Prequel zu „Ring“ lieferte, schafft eine zuweilen düstere Atmosphäre, doch darüber kommt er kaum hinaus.

Kaoru vermisst ihren Bruder Tsuyoshi und findet in seiner Wohnung einen Liebesbrief, der von ihrer Schulfreundin Izumi stammt. Kurzerhand fährt sie in das abgelegene Bergdorf Kozukata, wo sie ihren Bruder vermutet. Doch die Einheimischen geben sich verschlossen, nur Izumis Eltern gewähren Kaoru eine Übernachtungsmöglichkeit. Im Dorf steht das Fest der Vogelscheuchen bevor und Kaoru bleibt nicht viel Zeit ihren Bruder aufzuspüren…

Die Handlung basiert, wie eigentlich die halbe Historie Japans auf einem Manga und es brauchte gar vier Autoren, um daraus ein Drehbuch zu schustern. Viel geholfen hat es nicht, denn neben Andeutungen und einigem Unausgesprochenen kommt die Angelegenheit nicht so recht in Gang. Allerdings lebt der Stoff in erster Linie von seiner unheilvollen Atmosphäre, welche sich bereits während der Anreise manifestiert, als Kaoru ausgerechnet in einem engen Tunnel mit ihrem Wagen liegen bleibt. Auch die Vorbereitungen fürs Fest, - Dorfbewohner stellen reihenweise Vogelscheuchen unter einem Windrad auf einem Hügel ab, schüren eine schleichende Bedrohung.

Während sich zweimal Alptraum und Realität vermischen kommt ansonsten nur selten Spannung auf, da es schlichtweg an handfesten Konfrontationen mangelt. Dass Kaoru permanent von sämtlichen Dorfbewohnern angestarrt wird, ermüdet auf Dauer ein wenig und von den Vogelscheuchen geht ebenfalls kein aktiver Schrecken aus. Indes bleiben andere Aspekte recht vage, wie die offenbar spezielle Geschwisterbeziehung oder der Tod eines Dorfmädchens. Manche Gegebenheiten müssen schlicht hingenommen werden, einschließlich der etwas merkwürdigen Auflösung, die eine eher schwache Pointe beinhaltet.

Rein handwerklich ist wenig auszusetzen, zumal die Kamera um ungewöhnliche Blickwinkel bemüht ist, der Score recht abwechslungsreiche Themen liefert und auch darstellerisch annehmbares Niveau vorzufinden ist. Doch inhaltlich mangelt es an originellen Einfällen, an markanten Momentaufnahmen, denn oftmals bedient sich Tsuruta hinlänglich bekannten Motiven wie das Verhüllen von weiblichen Gesichtern durch entsprechend lange Haare.
Ein paar stimmungsvolle Szenen täuschen am Ende nicht darüber hinweg, dass sich im Kern eigentlich kaum etwas ereignet und spannende Momente rar gesät sind.
4,5 von 10

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