Vor einem kurzen Abstecher in den Supermarkt gibt die scheinbar glücklich verheiratete Jennifer Göttler ihren kleinen Sohn Nico bei einer älteren Nachbarin ab... doch als sie wieder in ihre Wohnung zurückkehrt, sind beide spurlos verschwunden. Nach einem Entspannungsbad wacht Jennifer zwischen verstümmelten Leichen offenbar in der Hölle auf, wo ein ein maskierter Folterknecht sie so einige Qualen und Martyrien durchleiden lässt. Muss sie nun büßen, weil sie in Wahrheit eine verkommene Junkie-Braut ist, die sich ihr glückliches Leben nur zusammengesponnen und ihren Sohn ermordet hat...? Mehr noch als bei seinen vorhergehenden Streifen pfeift Olaf Ittenbach bei "No Reason" endgültig darauf, sowas wie eine richtige Geschichte zu erzählen und präsentiert dem Betrachter stattdessen eines jener Höllen-Szenarien, die es ihm ja auch schon in "The Burning Moon" und "Beyond the Limits" so richtig angetan haben... nur eben auf (beinahe) abendfüllende Länge ausgewalzt und trotz des wieder einmal veranstalteten Blut- und Ekel-Overkills noch sehr viel öder als zuvor. Formal ist das Ganze dabei aufgrund des billigen Video-Looks fast schon ein Rückschritt in alte VHS-Tage und zu den Zeiten seines Debüts "Black Past", doch über zwanzig Jahre später kommt das alles auf einem vermeintlich höheren professionellen Niveau längst nicht mehr so charmant daher wie die damals im Selbsteinsatz entstandene Fingerübung eines Horror-Fans. Inhaltlich ist "No Reason" dabei aber ebenso schwach auf der Brust wie die Hauptdarstellerin, die sich hierfür sicherlich nur dadurch Qualifiziert hat, weil sie bereit gewesen ist, den Großteil der Leufzeit splitterfasernackt und blutbeschmiert durch die Kulissen zu kriechen, aber leider weder schauspielerisches Talent noch gutes Aussehen mitbringt... nun ja, man kann halt nicht alles haben. Halt, nein, genauer gesagt kann man hier gar nichts haben, denn zum Ausformulieren eines greifbaren und nachhaltig verstörenden Psycho-Trips fehlt es dem Olaf doch so ziemlich an allem und so scheitert die Chose dann auch auf ganzer Linie. Der Versuch, ein wenig Pseudo-Tiefgang à la "Martyrs" in das gewohnte Splatterspasti-Korsett zu zwängen, ist vollumfänglich gescheitert und das hochtrabende, philosophisch angehauchte Gelaber - ebenso schlecht geschrieben wie performt - soll da wohl ein wenig Anspruchsdenke heucheln, hat aber stattdessen den genau gegenteiligen Effekt und lässt "No Reason" beinahe schon wie das Machwerk eines Debilen erscheinen. Da hilft es dann auch nichts mehr, dass man sich Timothy Balme aus Peter Jacksons "Braindead" aus Neuseeland für 'nen Kurzauftritt rübergeholt hat, der fünf Minuten vor Schluss ein paar deutsche Textzeilen aufsagen darf, die er sich ganz offensichtlich phonetisch draufgepackt hat. Und sollte man dann noch das Pech haben, hierzulande zur gekürzten FSK 18-Fassung für die Kaufhäuser zu greifen, die um die gröbsten Gore-Momente und ein paar Fetisch-Details gefleddert wurde, dann ist der Titel endgültig Programm und es gibt wirklich gar keinen Grund mehr, sich diesen Mist anzusehen...
2/10