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Klassiker des Spionagefilmgenres mit der seltenen Zutat eines Remakes, hervorgerufen und 'begünstigt' durch anhaltende Rechtstreitigkeiten, in denen jeder der ursächlichen Beteiligten ihren Anspruch am Originalstoff geäußert und darauf beharrt haben und die Umsetzung ebenso. Vierter Bestandteil der anwachsenden und schnell ihre Popularität erweisenden und zukünftig auch beherrschenden Bond-Reihe um gleichnamigen Agenten, ein Weltprodukt für die Massen, welches wiederum zweckdienlich für die Buchverkäufe war und für allerlei Konkurrenz durch ähnliche Konstrukte mit oder ohne belletristische Vorlagen. Eine hier schon gängige Formel der Erzählung, die sich nur wenig auf dem vorhandenen Text von Ian Fleming bezieht und darauf nicht ausruht, sondern eigene Wege der Handlung mit gewohnten Zutaten und willkommenen Abänderungen aber geht und einlegt. Vergleiche untereinander sowie zu den Vorgängern und Nachfolgern und der Neuverfilmung sind möglich, für den eigentlichen Gehalt des Filmes aber nicht unbedingt nötig; gerade zum Sag Niemals Nie (1983) ist es aber nicht gänzlich uninteressant angesichts der Veränderungen der Sehgewohnheiten und der Anpassung an neuere Generationen, ein Blick auf die Herstellung weiterhin erfolgreicher und prägender Produktionen über Jahrzehnte hinweg und auch sich verändernde Rollenfunktionen:

SPECTRE-Agent Emilio Largo [ Adolfo Celi ] plant eine Erpressung der NATO, zu deren Hebel er während einer Übung zwei Atombomben von einem RAF Avro Vulcan-Bomber entführt, mithilfe von Graf Lippe [ Guy Doleman ] und Fiona Volpe [ Luciana Paluzzi ], die die Operation ausführen; er bringt die Beute im flachen Gewässer der Bahamas unter und setzt seine Frist der Zerstörung einer Großstadt entweder in Großbritannien oder den Vereinigten Staaten. Nach Bitten vom MI6-Agenten James Bond [ Sean Connery ] schickt dessen Vorgesetzter M ihn nach Nassau, wo er sich auch durch Unterstützung vom CIA-Agenten Felix Leiter [ Rik Van Nutter ] an Largos Geliebte Dominique 'Domino' Derval [ Claudine Auger ] heranpirscht

Bond hier in der ersten Szene gleich anwesend, eine Beerdigungsprozession, zeremoniell und religiös gehalten, feierlich vonstatten mit Pietät und Ehrfurcht vor dem Tod, ein Sinnieren über die Folgen des Berufes, über das Verteilen und das Einstecken von weltlichen Abgängen, eine Enttäuschung auch über die Ursächlichkeit des hiesigen Ablebens, die man nicht selber in der Hand hatte, der Agent mit der Lizenz zum Rächen und zum Töten. Bond persönlich eingebunden in die Geschicke und Geschichte, da noch in Zusammenarbeit mit dem Pariser Geheimdienst, die Unterstützung nicht notwendig, aber dieser auch nicht gänzlich abgeneigt. In breiterer Szenerie die Eröffnung, eine ehrwürdige Kirche im Hintergrund und anfänglicher Schauplatz, trauernde Gäste nicht wirklich zu sichten unter den Beobachtern, eine Formalität vielmehr, ein Schlussstrich unter vorherigen Ermittlungen, ein Abschied des bereits verschiedenen Bösewichts, eine Makulatur früherer Ereignisse und die Erweiterung neuer Geschehnisse, wird doch den Personen gefolgt und das Beileid auf andere Form, in Zerstörung und Nahkampf und dem letztlichen Ausschalten des Gegners ausgesprochen.

Der Tod kommt hier doch durch die eigene Hand, der Körper als Waffe, weitgehend erst Gimmick-los, die Actionszenen (eine Infiltration bei Nacht zu Lande und zu Wasser, ein versuchtes Entkommen und zwecklose Flucht während des lokalen Karnevals, manch kleinere Konfrontation) überschaubar bis kleinlich und genügsam, dann umso mehr mit Gadgets und der Technik gespielt, das Entkommen aus der Gefahrenlage per utopischen Fluggerät, dazu in der Ernsthaftigkeit die Oneliner, die versteckten Zynismen und Sarkasmen dargereicht; von der Größenordnung her ist der Fortgang, der Appetizer relativ übersichtlich und ereignislos, nur der Appetizer vor dem Mehr. Über zwei Stunden an Laufzeit zur Erzählführung gestattet man sich, eine ausufernde Geschichte ohne Eile und Not, nicht bloß die Konzentration auf den einzelnen Moment, sondern die Aneinanderreihung von Augenblicken, die sich ergänzend zu einer einhundertdreißigminütigen Narration formen. In Frankreich bleibt man zuerst, ein direkter Anschluss, Paris als edles Umfeld mit der Einführung der eigentlichen Prämisse, die Eröffnung neuer Räumen und zusätzlicher Personen, Geheimtüren und Hintergänge und weitschweifende Räumlichkeiten, ein Geschäftsgebaren von Blofeld, der seine Mitarbeiter und Angestellten ihre Erfolgsbilanz vortragen lässt, inklusive Zuspruch der Ergebnisse oder auch nicht, die Gelderabrechnung zuweilen infrage gestellt, eine Stärke in der Gemeinschaft mit geeigneten Maßnahmen zur Belobigung oder als Strafmaß. Berichte werden erstattet und eingeholt, ein Gebaren wie bei der gegenüberliegenden Organisation des MI6, zwei konkurrierende Gesellschaften mit hervortretenden Mitstreitern, hier 007 und Nummer Zwei dort, Beobachtungen gleichen sich, es entsteht ein lang geplantes und weit verzweigtes Komplott.

Ein Doppelgängertum wird angestrebt, die Fassade initialisiert, Erkundigungen gemacht auf eigene Faust und Ermittlungen eingelegt im edleren Ambiente, ein "strotzt vor Gesundheit", eine Kur im Sanatorium, ein Strecken und Flexen der Muskeln, im Bild und hinter der Produktion, eine Gefahrensituation initiiert, der erste Aufruhr in der weitreichenden Erzählung. Auf Zufälle wird hier nicht zurückgegriffen, alles mit Hand und Fuß gehalten, bodenständiger zu Beginn auch und später in das Größere ausweichend. Die weibliche Besetzung dabei als Beigabe, hilfreich in der Ablenkung und der speziellen Situation, scheinbar in der zweiten Garde spielend, dabei mit wahren Aussagen über den Geheimagenten ("die Eitelkeit gepachtet" und die Arroganz angesprochen und konterkariert) und mit entsprechend ergänzender Funktion, Lockmittel für die Augen und in der Kommunikation; erst der Geheimdienst-Krimi mit seinem längeren Vorlauf, ein zwei Jahre Vorgeschichte, die nur erwähnt und nicht erzählt, ein Vorschuss auf die Beute des eigentlichen Filmes, dazu ein paar Anordnungen und zusätzliche Hinweise. Im Aufbau ähnlich bis analog auch zum Remake, das gleiche Skript als Grundlage, dann die Veränderung und Umwälzung, das Hantieren hier mehr über die Worte, dort mehr mit schwerem Gerät. Dabei werden die vorhandenen Möglichkeiten der Aktualität ausgenutzt, peu a peu zumindest, bleibt man im ersten Viertel strikt in der Anhäufung von verhältnismäßig einfachen Szenen, dem Ausweichen realer Gefahren, die Suspensesituationen bedienend, der Killer sichtbar hinter der geöffneten Tür, ein sich Bewegen im Sanatorium, ein "Training macht den Meister", die Instandsetzung von Blofelds Vorhaben und ihre Exekution, das Motiv noch ungewiss genauso wie Zweck und Mittel des Ganzen, welches dann sichtbar wird am Ende des Aktes. Eine gute halbe Stunde an Katz-und-Mausspiel während der Einführung, der Diebstahl eines militärischen Gerätes und nicht die unbedingte Welteroberung, ein "Was geht hier eigentlich vor?" in der Fragestellung, die Antwort folgt prompt, eine Telefonkonferenz mit Washington. Über dem Meer und später unter dem Meeresspiegel befindet man sich, ausgedehnt fotografierte Unterwasserszenen, die später ebenso versucht werden wie dann vermieden, hier in der entsprechenden und auch extra hervorgehobenen Unterstützung durch Experten hinter der Kamera, die Inszenierung inklusive dem längeren Showdown mit Messern, Harpunen und Dreizack in andere Hände abgegeben und sowieso eher unpersönlich wirkend, ein Schaffen im Auftrag und ein regelrechtes, handwerklich tadelloses, das angezogene Budget von 9 Mio. USD (gegenüber 3 Mio. USD von Goldfinger) nutzendes und dies auch brauchendes Bebildern.

Im Nachhinein wirken manche Szenen sehr ausführlich gehalten, je nach Gusto unnötig oder angenehm willkommen, ein Ausruhen auf das Vertrauen und den Verlass des Publikums, welches hier an die längere Leine genommen wird und dennoch in Gefangenschaft des Filmes ist, teilweise schweigend der Ablauf, nur die Musik und die Geräuschkulisse wirken unterstützend. Technisch ohne Fehl und Tadel, kontrolliert bis in das Kleinste, die Betrachtung des Schaffens und Wirkens des Bösen, dann der "Feuerlöscher" wieder in der Szenerie, Bond noch nicht informiert, aber schon im Zielvisier. Eine kurze, aber überraschungsreiche und explosive Verfolgungsjagd auf leeren Straßen, ein "reichlich spät" beim Betreten des Ministeriums, knapp 40 Minuten bis zur eigentlichen Akquise von 007, die Downing Street als Auftraggeber, dort ein erpresserisches Tonband eingegangen, die Zerstörung einer Großstadt proklamiert. Deckname: Feuerball nun im Auftrag, die Verbindungen hergestellt und verfolgt, zu dem bisherigen Geschehen eine logische Rückkopplung. Das Faible für das kühle Nass wird auch folgend dargereicht, ein Tauchgang vor Nassau, ein Baden im azurblauen Meer vor der Goldenen Grotte, die Kontaktaufnahme zum Gegenüber, ein Verfolgen von Indizien und weiteren lockeren Spuren, Verabredungen und Verabreichungen gemacht und Versprechungen gebrochen. Erst die Wellnessoase, nun der Urlaubsort, die Wünsche und Träume des Zuschauer erkannt und deren Bedürfnisse erfüllend mit passenden Schauplätzen, sonnige Umgebungen in vorherrschend panoramareichen Einstellungen, erst ein kurierendes Gebäude und nun eine exotische Insel als einrahmender Kader, der Fortgang flüssig, aber nicht treibend, sondern wie alle Zeit der Welt beschreibend. Ein Film, der um die Genuss- und Vergnügungssucht des Publikums ebenso weiß wie er diese im luxuriösen Herumführen zu bedienen weiß, die Figuren oftmals schick im Anzug oder Frack, Glücksspielcasinos und Hotelanlagen hinter Swimmingpools, die Abendunterhaltung fortgeführt im ruhigen und dafür engumschlungenen Tanz, der Tag gestaltet mit zahlreichen Tauchgängen, die Yacht auf blauer See oder weißglänzend im unmittelbaren Hafen. Ein weitreichend schnörkelloses und flirtendes Entertainment in satten Farben, nur gestört durch offizielle Mitarbeiter um Leiter und Q, und Schurken im Wasser sowie Schergen im Bad, Handlanger in der Dominanz und in der bis zum Finale vorherrschenden Überzahl.






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