Review

Bereits 2010 schickte uns der einstige Amateur-Filmer Olaf Ittenbach mit „No Reason“ in diverse Zwischenwelten, mittlerweile setzt er das Kollektiv seiner Protagonisten komplett in einer Astralwelt aus, wo man sich in einer Mischung aus Schlachten-Epos und düsterer Fantasy gegen einige Kreaturen erwehren muss.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen David, Elias, Louise und Selma, die gemeinsam versuchen wollen, das Tor zur Hölle zu verschließen, bevor das Böse Überhand nimmt. Auf ihrer abenteuerlichen Reise durch unwirklich anmutende Landschaften sind ihnen die Schergen des Bösewichtes Moses stets einen Schritt voraus und es bleibt nicht viel Zeit, um die Stadt der Toten zu erreichen und einen letzten Kampf gegen eine Übermacht von sündigen Seelen anzutreten…

Offensichtlich will Ittenbach mit seinen Erzählungen zusehends höher (in diesem Fall tiefer) hinaus und schwebt dabei so ziemlich auf Wolke Sieben der Esoterikschiene.
Dabei geht es um eine dechiffrierte Schriftrolle, ein wichtiges Amulett, den Rückblick auf ein vergangenes Leben und einen Ursprung, wonach ein Schmied vor einigen tausend Jahren ein Tor zu Hölle schmiedete, durch das mittlerweile allerlei Böses dringt.
Bevor man den Sinn der Handlung so einigermaßen verinnerlicht hat, gibt es einen Exkurs nach Frankreich ins Jahr 1560 und einen in die Wüste um 600 v-Chr. wo wir den dunkelhäutigen David erstmals und auch gleich in Bedrängnis erleben.

Ittenbachs Astralwelt wirkt hingegen überwiegend mittelalterlich, an einigen Stellen eher zeitlos, während es zum Ende zu einem Schauplatz der Gegenwart geht, denn so ganz kann der Regisseur auf den Auftritt von Zombies wohl nicht verzichten.
Natürlich reicht die Ausstattung nicht an das Niveau größerer Produktionen heran, was sich vor allem bei einigen Green Screen Szenen und kurzen Einlagen von Computerdämonen abzeichnet. Demgegenüber gehen die Kostüme in Ordnung, einige Landschaften wie die Stadt der Toten, das einstige Paradies oder ein Sumpf mit Rattenmenschen sehen grundsolide aus und vor allem der vielfältige Score von Michael Donner leistet hervorragende Arbeit.

Leider vermag die Geschichte nicht so recht zu fesseln, denn zwischenzeitlich verzettelt man sich zu sehr mit schwülstigen Philosophien und etwas zu bewegungsarmen Passagen, um einige Informationen einzubringen, welche die Anzahl der Fragezeichen noch ein wenig erhöhen. Mal abgesehen vom grundlegenden Kampf zwischen Gut und Böse wirkt der Ablauf zuweilen ein wenig willkürlich, um etappenweise einige Konfrontationen mit Geisterwesen und Mutierten einzubringen, was insgesamt ein wenig den roten Faden vermissen lässt.

Doch immerhin ist bei den Fights gut was los und Ittenbach findet größtenteils zu seiner alten Härte zurück. Zwar spritzt ab und an ein wenig Blut per CGI, doch die meisten Effekte sind handgemacht und können sich sehen lassen. So gibt es mindestens vier explizite Enthauptungen, zahlreiche Einschüsse und abgeballerte Schädel, hinzu kommen brennende Körper, ein abgerissener Arm, unzählige Schwerthiebe und viele zerfetzte Leichen. Zuweilen ist die Action ein wenig hektisch geschnitten, von daher ist es unmöglich, einen genauen Bodycount auszumachen.

Phasenweise ist die Abenteuerreise in der Zwischenwelt etwas schwer zugänglich, obgleich die Helden klar definiert sind und das Böse an jeder Ecke, in jeder Höhle oder sonstigen, meist surreal anmutenden Landschaft lauen kann. Die blutigen Kämpfe bilden die eindeutigen Highlights des Streifens, der von der Aufmachung her an manchen Stellen ein wenig unbeholfen wirkt, während das Make-up, die jeweils stimmige Farbgebung, der Einsatz von echten Kamelen und die sehr gute Synchro mit einigen bekannten Stimmen punkten können.
Dass Ittenbach nicht mehr zur Riege deutscher Amateurfilmer zählt, hat er unlängst unter Beweis gestellt, doch seine Ausflüge in esoterische Zwischenwelten nehmen manchmal etwas unausgegorene Züge an, insofern wäre eine Rückbesinnung zu bodenständigem Material in Zukunft wünschenswert.
Knapp
6 von 10

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