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Normalerweise neigt der Filmfreund mit Argwohn auf die Ankündigung eines Remakes zu reagieren, falls er sich als Fan des zugehörigen Orignals bezeichnet. Clash of the Titans allerdings, war im Gegensatz zu den meisten unötigen Neuverfilmungen der letzten Jahre durchaus ein erfolgversprechendes Vorhaben. Das Original punktete 1981 hauptsächlich auch als zeitgemäßes Popkornkino und hatte trotz seines naiven Charms einige Schwächen in der Dramaturgie, die man im zeitgemäßen Gewand hätte ausräumen können.

In dieser Einleitung finden sich einige Konjunktive und Konjunktive sind wohl auch das grammatikalische Konstrukt welches unter Zuschauern nach Sichtung des Films am häufigsten zum Einsatz kommen wird. Clash of the Titans entpuppt sich als Collage vertaner Möglichkeiten, auch wenn der Film nie wirklich schlecht ist, bietet es sich an allen Stellen die halbwegs funktionieren an, zu murmeln, das hätte man aber besser machen können (oder müssen).

Die Story des Originals hat man weitestgehend über Bord geworfen und die Personen, Motivationen und Handlungsorte neu zusammengemischt. Der neue Perseus‘ ist nicht mehr der klassische romantische Held, der jedes Wagniss auf sich nimmt um seine Liebste Andromeda vor der Opferung zu retten. Nein, Sam Worringtons Perseus ist ein grimmig drein blickender Schnösel, der jeden ungefragt mit seinem Vaterkomplex belastet und einzig von Rache motiviert von Schauplatz zu schauplatz stapft. Hier liegt das erste große Problem des Films, der Held, der uns eigentlich mit ihm fiebern, leiden und bluten lassen sollte ist derart unsymphatisch und zweidimensional, dass uns sein Schicksal zu keinen Zeitpunkt fesselt. Auf dem Spiel steht zwar nach wie vor Andromedars Leben oder die Stadt Argos, doch Perseus schert sich ausschließlich um seine persönliche Rechnung mit Hades, der seine Familie auf dem Gewissen hat. Während die Nebendarsteller durchweg gut aufgelegt und in bester Fantasylaune sind, vor allem Ralph Fiennes‘ Hades und Mad Mikkelsons‘ Draco wissen zu gefallen, bleibt Sam Worrington blass und wirkt seltsam deplaziert. Harry Hamlin legte im Original die Messlatte für darstellerisches Geschick sicherlich nicht unerreichbar hoch, dennoch scheitert Worrington hier mit seiner Minimalpeformance kläglich.

Um bei den Figuren zu bleiben, der Film ist überfüllt mit Characteren, die keinen handlungstechnischen oder dramaturgischen Zweck zu erfüllen scheinen. Zwei Jäger die sich der Abenteuergruppe unbedingt aufschwatzen müssen dann aber wirklich in keine weitere Handlung involviert sind, sind ebenso belanglos wie Andromeda, die lediglich dazu dient zu den unpassendsten Zeiten von der Haupthandlung zurück nach Argos zu springen um auf ihre Opferung vorzubereiten. Hier wären wir bei der Dramaturgie und es ist traurig zu sehen, dass man in diesem Punkt die Schwächen des Originals noch verstärt hat. Es gibt zu viel Exposition, die wenigen Plotpunkte und Motivationen werden bis zum Erbrechen wiederholt, vor allem seitens Perseus. Alles was geschieht is hundertprozentig vorhersehbar, Opfer in der Abenteuergruppe sind Sekunden nach ihren Ableben vergessen, sowohl von den überlebenden Gefährten als auch vom Zuschauer. Spannend ist das ganze nie, vor allem, da wenig heldenhaftes geleisted werden muss. Wenn Perseus mal nicht weiter weiss, steigt umgehend sein Vater vom Olymp herab um den Sohnemann einen Rettungsring zu reichen. Kaum sieht die Lage mal brenzlig aus und ein paar extra dicke Skorpione erscheinen um die Abenteurer aufzumischen, schwups steht die Kavalarie in Form von baumrindenhäutigen Dschinns bereit. Und wer sich dann auf eine extra spektakuläre Kampfszene freut wird entäuscht, den Tierchen wird einfach gut zugereded und wir finden uns Sekunden später bei feinster Lagerfeuerromantik.

Überhaupt entäuschen die Actionszenen, zwar ist alles Gezeigte durchaus sehenswert und technisch auf der Höhe der Zeit, vor allem der Kampf gegen die Riesenskorpione ist rasant und exzellent inszeniert , dennoch ist das alles recht unspäktakulär und kurz gehalten. Das Finale ist eine einzige Enttäuschung, den ganzen Film über wird wieder und wieder über die Macht und Unbezwingbarkeit von Hades Haustier dem Kraken fabuliert, aber wenn er dann endlich mal genüsslich die Stadt Argos in Schutt und Asche legen darf, ist der Spuk sehr schnell wider vorbei. Und wenn sich der Zuschauer nach diesem kurzen Intermezzo aus plattgedrückten Häusern und herumgewirbelten Schiffen fragt „war das wirklich alles“ verschaukeln uns die Filmemacher mit dem Versprechen eines großen Finales. Ich denke es ist kaum ein Spoiler zu sagen, es läuft auf ein Duell zwischen Hades und Perseus hinaus. Aber auch hier: Pustekuchen, keine 10 Sekunden später befinden wir uns auf Happy End Kurs, und ein besonders schmalziges und aufgesetztes noch dazu. Es gibt soviel Buildup auf und in den Actionszenen, aber das letzendlich Gezeigte wird dem Verspochenen zu keinem Zeitpunkt gerecht. Schade, denn sowohl Setdesign als auch die Kreaturen sind hervoragend, leider kommt beides viel zu wenig zur Geltung. Zeus Thronraum ist voller sehenswerter Details, die aber nie ins rechte Licht gerückt werden. Medusa ist zwar weit weniger unheimlich als 1981, aber dennoch nett anzuschauen, wenn sie doch nur mal für mehr als ein paar Sekunden stillhalten würde.

Fazit: Das eigentlich vielversprechende Remake von Clash of the Titans scheitert zwar nicht völlig, entäuscht dennoch durch unzählige vertane Chancen. Ein uncharmater Held stürmt durch eine gehetz und überraschungsarm erzählte Geschichte, die weit weniger Spektakel bietet als sie Verspricht. Das ganze ist zwar kurzweilig und bietet einige technisch gelungene Actionszenen, ist aber leider auch belanglos und seltsam unmotiviert.



Zum Thema 3D: Der Film hat nach Beendigung der Dreharbeiten in der Post-Produktion eine 3D-Kur verpasst bekommen, er wurde urspünglich nie für diese Technik produziert. Aufgrund der schlechten Kritiken zur 3D Qualität habe ich mich bewusst für die 2D-Version an der Kinokasse entschieden. Ich kann daher keine Erfahrung aus erster Hand zu diesem Thema beisteuern, aber ich bezweifle massiv, das der gezeigte Film ohne massive Umschnitte in 3D funktioniert. Die Actionszenen sind sehr hektisch geschnitten mit rasanten Perspektivwechseln. Ich bezweifle, das das ganze augenschonend daher kommt, auch die Farbpalette ist recht kontrastarm und sie Sets sowie gewählten Perspektiven bieten wenig Möglichkeiten für 3D-Spielerein. Der Film war nicht gut genug um ihn ein zweites mal im Kino sehen zu wollen um diese Vermutung zu bestätigen, aber ich rate hier generell die 2D-Version vorzuziehen.

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