In der Mythologie über Perseus gibt es viele schöne Geschichten nachzulesen - dass er, nachdem bekannt wurde, dass er von Zeus gezeugt wurde, als Baby umgebracht werden sollte und von einem Fischer gerettet wurde - dass er das Haupt der Medusa erbeuten sollte, dessen Anblick Jeden, der es ansieht, in Stein verwandelt - dass er damit Andromeda, in die er sich sofort verliebte, vor dem Opfertod rettetete, indem er das Meeresungeheuer besiegte, und einiges mehr...
Irgendwie kommen diese Elemente auch alle in "Kampf der Titanen" vor, aber den Machern war die klassische Geschichte von Perseus wohl zu fade, so dass sie die Story noch mit einer Vielzahl weiterer Plottwists anreicherten. An vorderster Stelle stehen dabei die Götter, hier in Person des Zeus (Liam Neeson), Hades (Ralph Fiennes) und Poseidon (kommt dann aber doch nicht vor), die die Erde (Olymp und damit Erdoberfläche, Unterwelt und Wasser) unter sich aufteilten. Ganz gerecht war es dabei aber nicht zugegangen, was vor allem Hades verärgerte, der von seinem Bruder die unattraktive Unterwelt aufgedrückt bekam, dazu noch ein ganz furchtbares Ungeheuer entwickelte ("der Kraken"), vor dem sogar die Götter Angst haben, dann aber doch alles unter Verschluss hielt. Bis jetzt - denn plötzlich werden die Menschen aufmüpfig, wollen die Götter nicht mehr anbeten und lassen sich auch deren rigiden Bestrafungsmethoden nicht mehr gefallen. Lange Zeit hatte Zeus, der die von ihm erschaffenen Menschen prinzipiell sehr gern hat, sich das noch geduldig angesehen, aber als jetzt sogar seine Statue im Meer landet, denkt er wieder an seinen Bruder in der Finsternis und bittet ihn um Hilfe bei der Erziehung der Menschen.
Dieser gesamte Überbau hat nicht nur nichts mit der Mythologie zu tun, sondern ist sowohl in seinen charakterlichen wie kausalen Zusammenhängen komplett an den Haaren herbei gezogen. Schon die ersten Szenen verdeutlichen, dass die Menschen gegen die Macht der Götter nicht die kleinste Chance hätten, weshalb deren Widerstand leicht zu brechen gewesen wäre, was Zeus Kumpanei mit Hades völlig unnötig macht. Und wenn Hades tatsächlich so mächtig ist und bekanntlich auch über "den Kraken" verfügt, stellt sich die Frage, warum er diesen nicht längst nutzte, um seine Rache an Zeus zu verüben. Aber da gibt es ja noch Perseus (Sam Worthington), den Halbgott, der quasi zwischen den Stühlen sitzt. Er kann sich einerseits besser als normale Menschen wehren, andererseits kann er sogar Zeus gegenüber Hades unterstützen. Um so dümmer ist es von Hades, ausgerechnet dann seine Pläne umzusetzen, wenn ihm ein solcher Held in die Suppe spucken kann.
Die eklatanten Schwächen im Storyaufbau werden besonders an der Person des Perseus deutlich. Der Mann hält sich bis ins Mannesalter für einen Fischer und hielt auch nie eine Waffe in der Hand, bis durch die zufällige Anwesenheit bei einem Kampf zwischen Menschen und Hades, seine restliche Familie getötet wird. Als Überlebender kommt er nach Argos und wird von den skeptischen Soldaten (besonders darunter hervorstechend Mats Mikkelsen als Draco) zuerst wenig beachtet, dann, als bekannt wird, dass er ein Halbgott ist, sogar ins Gefängins gesteckt. Parallel stellt Hades der Bevölkerung ein Ultimatum - entweder wird die schöne Prinzessin Andromeda (Alexa Davalos) dem "Kraken" geopfert oder die gesamte Stadt wird getötet. Die nicht nur schöne, sondern auch sehr anständige Andromeda will sich ihrer Aufgabe natürlich stellen, aber scheinbar bekommt das Niemand mit, denn plötzlich befindet sich Perseus nicht mehr im Gefängnis, sondern mit einer Truppe wackerer Männer auf dem Weg in die Unterwelt, um "den Kraken" zu töten.
Ab diesem Zeitpunkt wird aus der mythologischen Erzählung ein klassisches Action-Movie mit der typischen zusammengewürfelten Truppe von Kämpfern, die sich auf einer besonders schwierigen Mission befinden. Nur fehlt dazu jede Motivation, wenn man von einem diffusen Gefühl der Rache einmal absieht. Über Andromeda redet erst gar keiner, aber auch sonst wird nie recht deutlich, warum sich die Männer überhaupt die Mühe machen. Dadurch bleiben auch die Charaktere völlig beliebig, können kaum Sympathien aufbauen und erwecken auch kein Interesse an ihrem Schicksal. Im Gegenteil wirken die Versuche, mit ein paar eingestreuten Gags, skurrilen Typen und wenigen zynischen One-Linern auf cool zu machen, hilflos und unpassend, da gleichzeitig auch immer heroisch und antik gehandelt wird. Erst im Nachhinein wird deutlich, wem die Männer wirklich helfen und was sie damit verhindern, nur hat es ihnen vorher keiner gesagt, aber angesichts der wackeren Kämpen, die sich todesmutig mit Riesen-Skorpionen, Graien (hier Hexen, die gemeinsam durch ein Auge sehen) und der fiesen Medusa auseinander setzen, spielt das letztlich keine Rolle - hauptsache es kracht ordentlich!
Zumindest könnte man das annehmen, angesichts der vielen Untiere und Monster, die im Film aufgetischt werden, aber bei der technischen Umsetzung versagt der Film völlig. Allein die im Nachhinein aufgepfropfte 3D-Technik, die zu keinem Moment angemessene Effekte erzeugen kann, wirkt wie der krampfhafte Versuch, möglichst viel Kohle und Aufmerksamkeit scheffeln zu wollen. Dazu sind ausgerechnet die Action-Szenen so schnell geschnitten, dass man Mühe hat Details zu erkennen, was den Spannungsgehalt stark verringert. Die Monster bleiben teilweise schemenhaft und die Szenen mit den Skorpionen wirken trotz CGI und 3D-Technik in ihrer Qualität wie ein Rückfall in frühe Tricktechnik, als man immer erkennen konnte, dass Menschen und Monster zu unterschiedlichen Zeiten auf Zelluloid gebannt wurden.
Trotz teilweise renommierter Darsteller, fällt es schwer, Qualitäten bei "Kampf der Titanen" auszumachen - sowohl die hanebüchene Story, die fehlenden Charakterisierungen als auch die schwache Technik lassen wenig Freude bei einem Werk aufkommen, dass doch so reich an fantasievollen Elementen ist (2/10).