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Hollywood hat die griechische Mythologie für sich wiederentdeckt - ließen Schlachtenepen wie Woflgang Petersens „Troja" die übernatürliche Komponente zugunsten historischen Anspruchs unter den Tisch fallen, rückt nun „Kampf der Titanen", Neuauflage des gleichnamigen Fantasyabenteuers aus dem Jahr 1981, das Walten der Götter und das Wüten zahlreicher mythologischer Kreaturen in den Mittelpunkt des Geschehens. Der Trailer versprach eine Creature-lastigere Variante von „300" - und so ganz falsch liegt man mit dieser Erwartungshaltung nicht. Zwar fehlen dem Titanen-Remake das kunstvoll Artifizielle der Optik sowie aufgrund einer PG-13-Orientierung die Gewalt von Zack Snyders Spartaner-Kult, als prächtiges Abenteuerepos aus dem alten Griechenland macht es aber ebenfalls eine sehr gute Figur.

Regisseur Louis Letterier, der den ursprünglich vorgesehenen Stephen Norrington ersetzte, hatte mit den ersten beiden „Transporter"-Filmen und Jet Lis „Unleashed" zunächst im bodenständigen Martial-Arts-Actionkino brauchbare bis sehr gute Arbeiten geliefert, ehe er 2008 mit dem Ang Lees zweifelhaftem ersten Versuch deutlich überlegenen Reboot des „Unglaublichen Hulk" ins Fantasygenre eingestiegen war und sich erstmals einem computergenerierten Monster widmen durfte. Deren gibt es im „Kampf der Titanen" nun eine ganze Menge - glücklicherweise aber auch eine ebenso große Riege top besetzter menschlicher Akteure: In Liam Neeson als Zeus und Ralph Fiennes als Hades finden die Herrscher von Olymp und Unterwelt höchst würdige Verkörperungen, zudem hat sich Hauptdarsteller Sam Worhington nach seinen Auftritten in den Sci-Fi-Epen „Terminator 4" und „Avatar" mittlerweile zu einem halbwegs charismatischen Actionstar entwickelt und gibt als schwertschwingender Halbgott Perseus eine äußerst souveräne Figur ab.

Mit dessen Sage nahmen es die Autoren des Werks dabei alles andere als genau: Die wichtigsten Pfeiler - Sohn des Zeus, Enthauptung der Medusa, Befreiung Andromedas vor einem Meeresungeheuer - sind zwar vorhanden, ihre Verbindung allerdings äußerst frei und angereichert mit zahlreichen Variationen, Hinzudichtungen, teils auch Vergewaltigungen der mythologischen Vorlage. In seiner wilden inhaltlichen Verwurstung verschiedenster tradierter Charaktere und Elemente gleicht „Kampf der Titanen" dem hellenistischen Sagen-Äquivalent zu Roland Emmerichs Historien-Folter „10.000 BC". Im Gegensatz zum wüsten Urzeit-Blödsinn des Schwaben hat Leterriers Perseus-Epos aber Tempo, Klasse und zudem erfreulicherweise unter keinerlei unfreiwilliger Komik zu leiden. Bei der Darstellung von Götterversammlungen im Olymp besteht diese Gefahr ja in großem Maße - doch „Kampf der Titanen" stellt seine antiken Weltenlenker in überaus stimmiger und überzeugender Form dar.

Da die Menschen nicht länger bereit sind, sich dem teils grausamen Schicksal, das ihnen von den Himmlischen auferlegt wird, zu beugen, proben sie den Aufstand - und haben einen teuren Preis für ihre Hybris zu zahlen: Hades sieht die Gelegenheit gekommen, wieder in den Olymp aufzusteigen, indem er die in der Anmaßung gegenüber den Göttern besonders eifrige Küstenstadt Argos durch Entfesselung seines „Kraken" zerstören und Zeus das Unternehmen dadurch schmackhaft machen will, die Menschen würden ihre Gebete dadurch wieder aufnehmen und den Himmlischen ihre ohne irdische Anbetung schwindende Kraft zurückgeben. Dass als Kollateralschaden des ersten Inerscheinungtretens Hades' in Argos allerdings die Ziehfamilie von Perseus, von Fischern aufgenommener unehelicher Sohn des Zeus, ums Leben kommt, legt den Plänen des Unterweltfürsten alsbald Steine in den Weg: Perseus macht sich auf, den Kraken zu töten - wofür er das Haupt der Medusa benötigt, bei dessen Anblick alles Leben zu Stein erstarrt...

Abenteuerlich und teils völlig wüst zusammenfantasiert, in sich aber durchaus schlüssig, geradlinig und spannend präsentiert „Kampf der Titanen" seine Story um Perseus' gefahrvollen Weg zum entscheidenden Kampf gegen den Kraken. Seine Reise ist gekennzeichnet von wundervollen, epischen Landschaftsaufnahmen, die in Verbindung mit martialischen Heldenposen und einem mächtigen, exzellenten Score eine kolossal-erhabene Wirkung entfalten sowie zahl- und actionreichen Auseinandersetzungen mit einem Schaulaufen großteils chic designter Düster-Creatures, auch wenn deren Optik teils geklaut ist: So erinnern die Wüstenmagier zwangsläufig an die Kreationen der „Mumie"-Serie und die einäugigen Hexen, die Perseus als Orakel aufsucht (eine gewisse „300"-Analogie) scheinen direkt dem Creature-Inventar jüngerer Guillermo del Toro - Filme entsprungen zu sein. Auch ist die Integration von Riesenskorpionen in den Kontext griechischer Mythologie eher zweifelhaft. Doch so temporeich, rasant und auch atmosphärisch stimmungsvoll, wie Leterrier seine Monsterrandale präsentiert, fällt das kaum negativ ins Gewicht.

Zwar haben die Actionszenen unübersichtliche Momente, sind großteils aber gut choreografiert, ausführlich und edel eingefangen, was seinen Höhepunkt im finalen Kampf zwischen dem auf Pegasus durch die Lüfte brausenden Perseus mit dem Riesenkraken sowie von Hades gesandten Killervögeln in und um Argos findet.

Dass man auf Teufel komm raus auf den allmählich mehr den Charakter einer Unsitte denn einer Bereicherung annehmenden 3-D-Zug aufspringen wollte und den ursprünglich konventionell gedrehten Film erst nachträglich ins dreidimensionale Format konvertierte, merkt man ihm an, doch obwohl nicht wirklich positiv, macht sich dies auch nicht störend bemerkbar.

Dass „Kampf der Titanen" seine bunten Monsterkeilereien nicht über die Maßen ernst nimmt, wird zudem in zahlreichen auflockernden humoristischen Momenten offenbar - der Film ist pures, kurzweiliges Popcorn-Kino, ein ganz auf Action und Schauwerte ausgelegtes Funspektakel. Als solches ist er ganz hervorragend gelungen und mit keiner anderen Erwartungshaltung sollte man an ihn herangehen.

Fazit: Louis Letterier legt den „Kampf der Titanen" als mächtigen Style-over-Substance-Popcorn-Overkill neu auf, der sich inhaltlich herzlich wüst aus der griechischen Sagenwelt bedient, visuell aber mit toller, rasanter Action punktet, gut besetzt, atmosphärisch stark und toller Kameraarbeit und mächtigem Score sei dank oftmals von epischen Bombast-Flair ist. Nicht nachdenken, sondern einen der spaßigsten Entertainment-Blockbuster des Jahres genießen!

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