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Die Menschen hören allmählich auf, Zeus, gespielt von Liam Neeson, tagtäglich ihren Dank und ihre Huldigungen entgegenzubringen, weswegen dieser seinem Bruder Hades, gespielt von Ralph Fiennes, gestattet, diesen die Hölle auf Erden zu bereiten. Der Göttervater ahnt nicht, dass der Herrscher der Unterwelt plant, ihn zu entmachten und den Olymp zu übernehmen, weswegen sein Schicksal, genau, wie das der Menschen, nun in den Händen des Halbgottes Perseus, gespielt von Sam Worthington, liegt.

Auch die größten Kritiker, und die haben sich bereits zahlreich zu Wort gemeldet, werden nicht bestreiten können, dass das 2010er-Remake von "Kampf der Titanen" durchaus unterhaltsam ist. Der Film, der leicht auf den Perseus-Sagen basiert, ist schnell erzählt und enthält zahlreiche Action-Sequenzen, die man sich definitiv gut ansehen kann. Andererseits kommt "Kampf der Titanen" jedoch auch nicht über sein höchst durchschnittliches Niveau hinaus, sodass der Blockbuster als ganz nett aber vollkommen belanglos abzuharken ist.

Dies ist in erster Linie auf die dutzenden narrativen und inhaltlichen Mängel zurückzuführen, die Louis Leterrier unterlaufen. Der französische Regisseur, der zunächst mit "Transporter" auf sich aufmerksam machen konnte, woraufhin er  "Unleashed" und "Hulk" inszenierte und nun mit "Kampf der Titanen" im absoluten Oberhaus Hollywoods mitzuspielen versucht, hastet durch den Beginn der Perseus-Sage, ohne seinen Charakter auch nur in Ansätzen zu konstruieren. Besonders auffällig ist der Fakt, dass Leterrier mit dem ambivalenten Charakter vollkommen überfordert ist, immer dann, wenn klar wird, wie flüchtig, oberflächlich und beiläufig der innere Konflikt des Halbgottes tangiert wird, der wenig für die Götter übrig hat, sich jedoch ihrer Mittel und Hilfe bedienen muss, um die Menschheit zu retten. Und auch die übrige Darstellung der griechischen Sagenwelt bleibt auf die Nennung einiger bekannter Personen und Wesen aus diversen Mythen beschränkt. So dürfte wohl jedem Zuschauer binnen kürzester Zeit überdeutlich auffallen, dass die Story ein hirn- und vor allem seelenloses Vehikel ist.

Und ähnlich lieblos, unmotiviert und schlampig wird das Ganze von Leterrier abgespult. Der Anfang der Perseus-Sage wird brüchig wiedergegeben, ohne, dass Leterrier seinem Film Seele einzuhauchen vermag, ohne, dass eine fesselnde Wirkung entfaltet wird, ohne, dass Spannung oder Dramatik aufkeimen. Und so geht es dann auch weiter: Von Anfang bis Ende bekommt man vor Augen geführt, dass Leterrier alles andere als ein begnadeter Geschichtenerzähler ist, da das Geschehen immer hölzern vorgetragen und lieblos aneinander gereiht wirkt. Irgendwie passt es perfekt zu dieser unmotivierten Mogelpackung, dass man das Ganze im Nachhinein noch als 3D-Film vermarktet, um vielleicht doch noch ein paar Dollar mehr abgreifen zu können.

Konstrukt und Erzählstil sind also miserabel, was zu keinem Zeitpunkt kaschiert wird und damit ein absoluter Dorn im Auge bleibt. Dennoch bleibt "Kampf der Titanen" der filmische Totalausfall erspart, was aber einzig und allein auf einzelne Szenen und keinesfalls auf das Gesamtkonzept zurückzuführen ist. Die eine oder andere Action-Szene kann sich definitiv sehen lassen und bietet ganz großes Monsterkino, dem man sich als Freund von größeren Effektgewittern definitiv nicht entziehen kann. Die Effekte sind dabei (in 2D) ebenfalls gut gelungen, auch wenn in einzelnen Szenen mal etwas geschludert wird. Auch die Gestaltung der mystischen Bestien, Kreaturen und Götter ist mitunter ansehnlich geraten, wobei auch hier gelegentlich mal Einstellungen dabei sind, die das Ganze wie reinen Monster-Trash wirken lassen. Die Kulissen sind dabei sehr abwechslungsreich und bieten durchweg was fürs Auge, auch wenn gerade mal nicht gekämpft wird, während punktuell eine düstere Atmosphäre zustande kommt, die aber meist nicht länger gehalten werden kann. Wirklich gewaltig oder monumental ist der Film, der immer mal wieder gute Momente hat, aber keine drei wirklich gelungenen Szenen aneinanderzureihen vermag, dabei jedoch nie.

Ein weiteres, wenn auch etwas kleineres Ärgernis ist Sam Worthington, der in "Avatar" eine solide aber austauschbare und in "Terminator 4" eine eher schwache Leistung zeigte. Worthington, an dem man sich im Grunde nach fünf Minuten satt gesehen hat, kämpft sich ebenso hölzern, unmotiviert und lustlos durch den Film wie sein Regisseur, ist für den Helden des Films bei Weitem nicht präsent genug und wird es mit seiner blassen Art wohl nie zu einem vernünftigen Schauspieler bringen. Umso schöner ist es dabei, wenn man zwischendurch mal Darstellern zusehen darf, die etwas von ihrem Fach verstehen, so ist Mads Mikkelsen als kerniger Haudegen durchaus gut besetzt, während Ralph Fiennes und Liam Neeson als Zeus und Hades kaum präsenter sein könnten.

Fazit:
"Kampf der Titanen" ist inhaltlich wie erzählerisch eine Katastrophe, unterhält aber auf ordentlichem Niveau, was im Endeffekt einzelnen sehr gelungenen Szenen, meist den Action-Sequenzen, zu verdanken ist. Im belanglosen Mittelmaß versinkt der unmotivierte, seelenlose Blockbuster dennoch.

60%   

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