Schon der erste „Kampf der Titanen“ war kein echtes Epos, sondern auf Stop-Motion-FX setzendes Abenteuerkino der Spaßklasse und 2010 gibt es das Ganze noch mal neu, nur mit CGI statt Stop-Motion.
Mit fleißigem Raubbau in der griechischen Mythologie, egal ob aus der Perseus-Sage oder von woanders genommen, startet man durch, fabuliert sich einen Kraken herbei, vor dem sogar die Götter Angst haben und über den Unterweltenfürst Hades (Ralph Fiennes) gebietet, der aber bisher immer bereitwillig Vize neben Götterboss Zeus (Liam Neeson) war. Außerdem sind die Götter auf steten Glaubenszufluss bedacht, da ihre Macht sonst schwindet und genau setzt der Film an, als der König von Argos anbetungstechnisch den Hahn zudrehen möchte.
Bevor es jedoch zu diesem Eklat kommt, lernt man erstmal Perseus kennen, der als Kind von Fischern aus dem Meer geborgen wird und als einer der ihren aufwächst, bis aus dem Kind ein junger Mann (Sam Worthington) geworden ist. Leider sind diese zugegen als Hades ein paar aufmüpfige Soldaten aus Argos erledigt, denn wo gehobelt wird, da fallen Späne, und so verabschiedet sich Perseus’ Ersatzfamilie sang- und klanglos auf den Meeresboden, wobei er zusehen muss. Das soll nun also die Motivation für Götterhass und den weiteren Film sein, wird aber so nebenbei dargeboten, dass man gar nicht versteht, warum Perseus sich den ganzen Kappes denn nun antut.
Die Prinzessin der Stadt, Andromeda (Alexa Davalos), soll nun geopfert werden, sonst spielt der Kraken Godzilla mit Argos. Perseus, dem die Bewohner Argos’ an der Nasenspitze ansehen, dass er ein Halbgott ist, soll mit einigen Soldaten einen Weg zur Bekämpfung des Kraken finden, während Hades den Umsturz im Olymp plant…
Mit Motivation und Charakterzeichnung ist hier nicht viel, weder das niedere Rachemotiv noch das hehre Motiv der Rettung von Prinzessin mitsamt dazugehöriger Stadt erklären Perseus’ Handeln so recht, der in bester Seagalmanier tut, was ein Mann tun muss, ohne sich dabei emotional zu überanstrengen. Die Verschnaufpausen sind kurz, von Epik oder einem Ansatz größerer Gefühle ist nichts zu merken, stattdessen sind hier Säbelrassen, Männerfreundschaft und eine Standardliebesgeschichte rund um Perseus und seine Mentorin Io (Gemma Arterton) angesagt.
Daraus könnte man immerhin brauchbare Fantasyaction stricken, doch „Kampf der Titanen“ ist ein mittelmäßiger Actionfilm im Fantasygewand, der sich immerhin auf moderne Tricktechnik verlassen kann. Den Referenzstatus eines „Transformers“ besitzt das CGI-Getrickse nicht, doch das versammelte Bestiarium aus Riesenskorpionen, Pegasus, der Medusa, dem Kranken und noch so ein paar Viechern ist meist schon recht schick animiert, sieht man vielleicht Medusas Schlängelsprintaktionen ab. Die wären im Original auch gar nicht möglich gewesen, aber die dort langsam und majestätisch tötende Frau mit Schlangenhaupt hatte mehr Ausstrahlung als der animierte Springinsfeld von 2010.
Doch in den Actionszenen, da weiß man was von Louis Leterrier hat, denn der Mann sorgt für kräftig Rambazamba auf der Leinwand. Gerade der Fight gegen die Riesenskorpione holt schon mal einige Kohlen aus dem Feuer, das Finale mit dem Kraken kann den lauen Showdown des Originals übertrumpfen und auch sonst macht die Action Spaß, wenngleich man mit einem schnellen Schnitt leben muss, der gelegentlich auch zum Abmildern von Härten (z.B. das Auseinanderreißen eines Wegwerfsoldaten) genutzt wird.
Doch abseits von Effektpracht und Actiongewitter sieht es dann weit weniger toll aus, sieht man von der herrlich ironischen Szene ab, in der Perseus die mechanische Eule Bubo (einer der Hauptkritikpunkte des Originalfilms) aus einer Kiste kramt und Draco (Mads Mikkelsen) nur „Leave that at home!“ brüllt. Leider ist solches Augenzwinkern eher selten, was dem Film nicht unbedingt hilft, der seinen Spannungsbogen immer wieder torpediert: Als deus ex machina auftauchende Djinn retten die Helden aus großer Bedrohung, ein Zauberschwert und Pegasus wirft man Perseus quasi vor die Füße und die Kampfskills hat er als Göttersohn von Geburt an eingebaut und muss nicht erst trainieren, wie Draco zwischendrin mal feststellt.
Insofern macht Leterrier das einzig Richtige, indem er konsequent aufs Gas tritt, denn interessant wird die Geschichte nicht, in der auch Weggefährten sang- und klanglos nebenbei über den Jordan gehen – von der Logik mal ganz zu schweigen. Warum Calibos seine Frau ernst nach Perseus Geburt umbringen ließ und sie mitsamt Kind dann in Poseidons Reich warf anstatt die Sache mit dem Dolch eindeutig zu beenden, warum die gottesfürchtigen Fummeltrinen mit Make-Up-Unfall die Prinzessin mal eben aus dem Palast holen und warum sich Perseus und Zeus am Ende so mir nichts, dir nichts versöhnen, das fragt man lieber nicht.
In seiner Atemlosigkeit ist „Kampf der Titanen“ immerhin konsequent, denn selbst Leute wie Pete Postlethwaite, Nicholas Hoult oder Liam Cunningham werden zu Stichwortgebern degradiert, sexy Hexy Alexa Davalos steht nur rum und wird am Ende von Perseus links liegen gelassen und Liam Neeson hat außer zwei, drei markigen Kommentaren kaum eine echte Funktion. Ralph Fiennes rattert seine Leistung im Voldemort-Gedächtnismodus uninspiriert herunter, während Sam Worthingtons Aufgabe vor allem darin besteht da zu sein und markig aus der Wäsche zu schauen. Gemma Arterton ist okay, wirkt aber immer etwas entrückt und der einzige, der schauspielerisch wirklich etwas zu vermelden hat, das ist der gut aufgelegte und charismatische Mads Mikkelsen.
Insofern sind die Kritikpunkte an „Kampf der Titanen“ einfach zu finden, gerade angesichts des lauen Scripts, doch dank der FX, der schnieken Action und des hohen Tempos kann sich Louis Leterriers Sause gerade noch so als mittelprächtiger Actionschinken im Fantasygewand qualifizieren – über die verschenkten Möglichkeiten denkt man lieber nicht nach.