'Centurion' (2010)
Der Name des Briten Neil Marshall war mir schon länger ein Begriff. Er wird schon seit einigen Jahren als ein kommendes Talent gehandelt. Nur konnte ich mit seinen bisherigen Filmen nix anfangen, ich steh nicht auf Vampirfilme ('Dog soldiers'), auch der Frauen-in-Höhlen-Horrorfilm 'The decent' reizte mich nicht, danach kam mit 'Doomsday' ein Postapokalyptiker mit Kannibalen, sowas kann ich auch so langsam nicht mehr sehen. Aber nun hat Marshall tatsächlich einen Sandalenfilm gedreht und das ist schon eher was für mich (man erinnere sich an meine Begeisterung für '300' und Milius' 'Rhome'). 'Centurion' ist eine britische Produktion, Budget 10 Mill. Pfund, lief nur in wenigen Ländern im Kino, hierzulande hat nach der Fatasiefilmfestauswertung die Constantin (eh eine Art Kinoauswertungs-verhinderungsanstalt, gibt diverse Beispiele) das Teil selbstredend gleich auf DVD rausgebracht, dabei würde ich 'Centurion' liebend gerne mal auf der großen Leinwand sehen, das ist ein on-location gedrehter Film mit reichlich Totalen, der ganz klar für the big screen, gemacht ist.
'Centurion' ist ein Sandalenfilm der zu Beginn des 2. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung (die Römer hatten eine ganz andere) in Britannien spielt welches von den Römern zeitweise besetzt war. Nachdem der titelgebende Centurio Dias Vizekommandeur eines Grenzkastells von den Pikten entführt wurde, wobei der Außenposten völlig zerstört wurde, setzt der römische Statthalter die 9. Legion in Marsch um die Pikten endgültig zu besiegen, diese setzten dem römischen Reich schon seit längerem durch ihre unappetitliche Guerilliataktik ziemlich zu. Die 3000 Mann der Legion retten den von seinen Entführern geflohenen Centurio und werden aber kurz später von ihrer piktischen Führerin verraten, in die Irre geleitet und von deren Landsleuten gegrillt. Von den 3000 überleben nur ein dreckiges Dutzend, die nach dem misslungenen Versuch ihren gefangenen General zu befreien, von einem Piktentrupp gejagt durch die unwirtlichen schottischen Highlands fliehen und einer nach dem anderen abgemetztelt werden, bis am Ende, nachdem auch die Pikten schön Blutzoll lassen mussten, wie man sich denken kann, der einzig überlebende Titelgebende sich bei einer überraschend ansehnlichen piktischen Ausgestoßenen zur Ruhe setzt.
Das Ganze wurde in schönen aber herben schottischen Bergregionen (wo die bekannten Whiskeys wachsen) gefilmt, fast durchgehend on-location, die dominierenden Kampfszenen werden mit eher wenig CGI und dafür aber mit viel Zeitlupe gefilmt, das ist ganz nach meinem Geschmack, die low motion erlebt aktuell eh ein ziemliches Comeback, im aktuellen 'Resident evil' gibt es nicht nur viel davon, sondern sogar noch eine Verbeugung von Paul WS Anderson vor dem "Erfinder" dieses Stilmittels Sam Peckinpah! Der Härtegrad des 'Centurion' ist ziemlich gerüttelt, Frank Trebbin gab 7 von 10 möglichen Härtepunkten, das sagt schon was aus, sprich das Teil ist an der Grenze zum Splatterfilm! Natürlich gibt es Verbindungen zu '300', von dem auch diverse Darsteller mitspielen, dazu noch zum 'Gladiator' von Ridley Scott, aber der 'Centurion' hat eine komplett andere Ästhetik, er ist ein nordischer düsterer Verwandter der Beiden, viel realistischer als der erste und latürlich deutlich härter als der zweite.
In den Kritiken wird allerorts gemosert, dass die Figuren zu blass wären und man sich nicht mit ihnen identifizieren könnte, das finde ich gar nicht, aber natürlich ist das ein Actionfilm in Sandalen, Marshall sagte in mehreren Interviews, dass er sich immer hauptsächlich als Actionregisseur sieht, so geht es selbstredend im Sprinttempo über die Berge und ein Kampf folgt dem nächsten. 'Centurion' ist kein Historienfilm a la 'Spartacus' sondern ein Actionfilm der in der Antike spielt und der dazu noch nur 90 Minuten lang ist, er bietet beim Dutzend leidlich unterscheidbare Charaktere an, aber natürlich keine Details wie bei Stanley Kubrik.
Des weiteren gab es die übliche Kritik wegen historischen Ungenauigkeiten, Anachronismen usw., das ist bei Historienfilmen unvermeidlich und war auch bei deutlich aufwändigeren Hollywoodfilmen in allen Jahrzehnten immer so. Meiner Meinung nach hat Marshall sich keine größeren Schnitzer geleistet, auch die Dialoge, immer ein heikles Thema bei derartigen Filmen, kann man akzeptieren von einzelnen Ausrutschern, die vielleicht auch auf das Konto der Synchronisation gehen, abgesehen. Wer es detailliert und auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand haben will soll sich bei einem Althistoriker bedienen, sprich ein Buch lesen. Dies ist ein Unterhaltungsfilm. Und mir ist es lieber man beschäftigt sich so mit der Antike als garnicht. Gelungenes Teil.