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"Dies ist eine neue Art Krieg. Ein Krieg ohne Ehre, ohne Ende."

117 vor Christus erstreckt sich das Römische Reich von Ägypten bis weit in den Norden Europas. Die Ausbreitung des Reiches wird in Britanniens Hochland jedoch durch feindliche Stämme und deren Guerilla-Taktik zur Geduldsprobe. Gegen die Pikten sind die Heere des britischen Gouverneur Agricola (Paul Freeman) machtlos. Daher schickt er die neunte Legion unter der Leitung von General Virilius (Dominic West) direkt gegen den Kriegsherren Gorlacon (Ulrich Thomsen) verstärkt durch Etain (Olga Kurylenko), eine Fährtenleserin piktischer Abstammung. Jedoch verrät diese das Heer. Der Überfall des Pikten-Stammes endet für den Grossteil der Soldaten in einem gnadenlosen Massaker, während General Virilus dabei entführt wird. Unter Führung des Centurio Quintus (Michael Fassbender) bricht der stark dezimierte Trupp unverzüglich auf, um ihren Oberbefehlshaber aus der Hand des Feindes zu befreien. Die Rettungsaktion glückt, jedoch heftet sich ein Teil des Stammes unter Führung von Etain an die Fersen der flüchtenden Römer.

Nach historischer Genauigkeit fragt man bei Neil Marshall's ("Doomsday", "The Descent") "Centurion" besser nicht. Die zu modern geratenen Dialoge entfremden die Authentizität und der Verbleib der thematisierten neunten Legion ist bis heute ungeklärt. Marshall geht so gesehen einfach von einem übermächtigen Feind aus, um aus seinem historischen Szenario einen Actionfilm zu machen. Diesem fehlt es an echten Höhen, er kann aber über einen Großteil seiner Laufzeit dennoch unterhalten.

Marshall ist fähiger Handwerker genug, um Ansehbares abzuliefern, auch wenn das Budget nicht wahnsinnig üppig war. Die Kulissen sind überschaubar und beschränken sich meist auf dafür sehr ansehliche Landschaftsaufnahmen, die in dynamischen Kamerafahrten eine gewisse Größe vorheucheln. Keinesfalls sind diese Kamerafahrten mit dem Hochglanzkino Hollywoods vergleichbar, man könnte aber meinen Marshall wollte in etwa das Niveau eines "Braveheart" erreichen.

Insbesondere bei den Schlachtszenen beeindrucken die im dreckigen grau-braunen Farbton gehaltenen Bilder durch immense Tötungsszenen aus nächster Nähe. Die Kampfszenen sind, wie von Marshall gewohnt, ruppig, enthalten Köpfungen, das abtrennen von Gliedmaßen und jede Menge Blut. Trotz dem schnellen Ablauf bleiben die Actionszenen übersichtlich und versinken nicht im modernen, hektischen Bilderrausch. Dadurch bleibt der raue Ton, den "Centurion" ausmacht, zu jeder Zeit erhalten.

Das Drehbuch von "Centurion" liefert einerseits zwar mehr als das bloße Actionspektakel, offenbart aber auch einige Schwächen. So will in der ersten Hälfte trotz dem höheren Actionanteil keine richtige Spannung aufkommen. Es mangelt an einer von den Charakteren hervorgerufenen Spannungskurve. Diese bildet sich erst zu einem späteren Zeitpunkt, wo die Figuren eine rudimentäre Ausrichtung erhalten.
Auffällig ist dabei, dass "Centurion" keine pure schwarz-weiß-Malerei enthält, sondern beiden Parteien eine Motivation für ihr handeln gibt. Mehr als skizziert  werden die Figuren dadurch zwar nicht, ein gewisses Feingefühl um sie ist jedoch vorhanden.

Etwas unglücklich ist die Auswahl der Schauspieler geraten. Michael Fassbender ("Eden Lake", "Inglourious Basterds") ist nicht in der Lage seiner Figur markante Züge zu verleihen. Sein Gesicht wirkt zu sympathisch und nicht rau genug für die glaubhafte Darstellung eines Römers.
So wie Dominic West ("300") zeigten auch andere Darsteller bereits eine schauspielerische Leistung, die länger im Kopf haften blieben. Die einzige die etwas heraus sticht, ist Olga Kurylenko ("Hitman", "Max Payne"), die als stumme, stets kriegsbemalte Rächerin ihre bislang überzeugendste Rolle hat.

Trotz diverser Schwächen ist Centurion ein kurzweiliger Film mit jeder Menge Action und solider Kameraarbeit. Mit Figuren ists bei puren Actionfilmen schon immer so eine Sache. Daher ist es ein Gutes, dass sie zumindest eine oberflächliche Ausrichtung erhalten. Schade allerdings, dass die Darsteller nicht durchgängig bemüht scheinen, oder nicht ganz in das raue Szenario passen wollen. Von Neil Marshall ist man sicher ein intensiveres Filmerlebnis gewohnt, die sehr blutigen Schlachten enthalten aber unverkennbar seine Handschrift.

7 / 10

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