Was passiert, wenn ein Regisseur zu viel Computer spielt? Es kommt ein Film wie "St. John's Wort" raus. Ein Streifen, der wie ein (filmisch) lebendig gewordenes Grusel-Adventure wirkt.
Gleich von Anfang an kriegt man mit, dass man nicht in einem gewöhnlichen Gruselstreifen sitzt, sondern in was Besonderem. Denn über den ganzen Film hinweg setzt Regisseur Ten Shimoyama subherbe Farbfilter ein, die das Ganze in den ersten Szenen knallbunt wirken lassen, bevor sie dann später deutlich zur Atmosphäre beitragen. Erst einmal sehr gewöhnungsbedürftig, gefällt das Ganze dann aber, nach und nach, immer mehr.
Der Stil des Films ist eine Mischung irgendwo aus "Blair Witch Projekt" und dem typischen "Hill House Horror"! Das große, gruselige Haus in dem der Film die meiste Zeit spielt, ist schlicht perfekt und dürfte mit seinen vielen dunklen Zimmern, dem großen geräumigen Flur und den vielen versteckten Geheimräumen, zum Erschreckendsten gehören, was es je an Spukhäusern gab! Vor allem der Empfangsraum erinnert mit seinem Stil doch stark an die ersten Szenen aus dem berühmt, berüchtigten Resident Evil-Game! Gerade dadurch gibt es viele schöne Gänsehaut-Szenen, die einem die Augen am Bildschirm kleben lassen. Vor allem wenn man den Film in 5.1-Sound geniest, dürfte das viele Knacken, aus allen möglichen und unmöglichen Ecken, ein wohligen Schauer über den Rücken huschen lassen.
Leider aber, hat soviel Gutes auch seine Schattenseiten und die sind hier leider sehr stark ausgeprägt. Zum einen kann man die Darstellerleistungen nicht mal als befriedigend bezeichnen. Was die Schauspieler hier teilweise leisten, dürfte selbst manchen Ami-Slasher noch unterbieten! Vor allem die Leistungen der Blonden (Arghh, wie hieß sie noch gleich) dürfte wohl zum schlimmsten gehören, was ich je gesehen habe! Derbes rumfuchteln und blöde Minen in die Kamera, sind halt doch zu wenig! (Zudem sind sie noch allesamt grottig hässlich, aber das ist Ansichtssache:-))
Des weiteren ist dann auch die Story an sich, in knapp 5 Sätzen bereits komplett erzählt und damit dürftig bis zum geht nicht mehr! Löcher kann man in dem Ganzen zu dem auch mehr als einmal finden, so das das dünne Storybrett eigentlich kaum mehr der Rede wert ist. Ich erwarte ja nicht unbedingt so viel Story, aber dann doch wesentlich mehr, als diese hier.
Fazit: "St. John's Wort" ist einer der ungewöhnlichsten Filme, die es gibt. Geniale Stilmittel, wie subherbe Farbfilter und allerhand anderen netten Schnickschnack lassen den Film im großen, dunklen Spuckhaus, bei entsprechenden Home-Cinema-Equipment, wirklich schaurig und äußerst gruselig rüberkommen. Durch die grauenhaften Darsteller und dem Nichts an Story, büßt er allerdings auch viel wieder ein! Schade!
Wertung: 7/10