Review

Das Team Regisseur Herman Yau / Schauspieler Andy Hui hat bisher viermal zusammengearbeitet, wobei ab 2001 – 2003 drei Filmee entstanden sind, in denen Hui die Hauptrolle innehat; und nicht nur wie in Cop Image [ 1994 ] als Nebendarsteller auftrat.
Zu dieser kurzen Reihe gehört neben Nightmares on Precinct 7 noch das Copdrama Killing End sowie das Dokudrama Give them a Chance; wobei Nightmares noch die interessanteste Kollaboration beider ist und auch die, die die Vorgaben auch am besten umzusetzen weiss.
Angedeudet wurde das bereits in Killing End, der nur knappe 20 Tage vorher sein theatrical run absolvierte; der Film litt aber an einem zu familiären, zu vorhersehbaren Drehbuch.

Obwohl hierbei die Autoren mit Yau selber und Simon Loui die gleichen sind ging man andere Wege; entwickelt nicht nur einen spannenden Grundaufbau, sondern hält auch danach trotz des Bekanntheitsgrades die Neugier am Fortgang weiter oben.
Grund dafür ist auch die Tatsache, dass man bereits zu Beginn mit „30 Monate vorher“ einen späteren Zeitpunkt andeutet, der unzweifelhaft eminent für die Handlung ist, diesen aber ausklammert. Man entwirft also eine Rückblende, ohne aber zu zeigen, zu was sich diese Vorgeschichte entwickelt. Dieses „30 Monate vor was ?“ löst bereits nach wenigen Sekunden die erste Fragestellung beim Zuschauer aus; durch diese Struktur der Handlungsführung wird sofort Aufmerksamkeit initiiert. Besonders nachdem sich die Ereignisse überschlagen und die Zeitspanne rapide knapper wird. Der Moment des Ereignisses nahe rückt und man nunmehr gewisse Ahnungen hat, zu was es sich ausweiten kann. Und man mittlerweile nicht mehr will, dass es eintrifft.

Abgesehen davon, dass die Teilnahme an dem Fortgang allein so bereits gesichert ist, wird auch auf der materiellen Ebene gute Arbeit geleistet. Die Einleitung erfolgt durch einen voice over von Officer Fong Jing [ Andy Hui ] selber, der gerade einen Fall gelöst hat und dementsprechend von seinen Kollegen beim Serious Crime Bureau gefeiert wird. Nach seinen Worten können diese ihn eigentlich gar nicht ab, tun aber so als ob; beide Motive beruhen auf dem Fakt, dass er besser im Beruf ist als sie. Sagt er.
So von sich eingenommen spielt er das Spiel auch mit und lässt sich bejubeln, aber hat seine eigenen Gedanken; besonders auch über seinen Vorgesetzten Wong [ Henry Fong Ping ]. Die Feier, die sowieso mehr an eine Gratulation zum Geschäftsabschluss erinnert, wird dann auch schnell von ihm geschmissen, weil der nächste Fall ansteht. Welcher nach einer Massenschiesserei auf offener Strasse zwei Tote, zwei Verletzte und ihn selber ins Koma bringt.

- 6 Monate vorher -
Als er zwei Jahre später in Anwesenheit seiner Krankenschwester Oscar [ Loretta Lee ] wieder erwacht und sie sich über die folgende Therapie ineinander verlieben, sind bereits einige Dinge geschehen, die den Film erweitert haben. Ihn in der Zwischenzeit spezieller gemacht und bereits auf ein bestimmtes Thema zugelenkt haben, ohne ihn aber schon zu konkretisieren. Dies erfolgt auch fortlaufend nicht am Stück, sondern über mehrere anfänglich angedeudete Punkte; es wird langsam über verschiedene einzelne Situationen ein Umriss gezeichnet, der erst nach und nach einen Sinn ergibt. Erst später wird einem klar, was Szenen vorher zu bedeuten hatten und in welchem Zusammenhang sie stehen; allerdings werden die offenen Fragen darüber auch nicht als zu wichtig in den Mittelpunkt gestellt, sondern sich daneben schon auf eine richtige Geschichte konzentriert. Die dann gleichzeitig graduell und kontinuierlich seine nächsten Zutaten erhält.

- 3 Monate vorher -
So bekam sein Kollege Jap [ Simon Loui ] in der Zwischenzeit ein weinendes Mädchen in der Herrentoilette zu Ohren, aber nicht zu Sehen. Kurz darauf bekommt er Besuch von einer sichtlich aufgescheuchten Frau, die ihren eigenen Tod und den Fundort ihrer Leiche meldet und dann so schnell verschwunden ist, wie sie erschien. Als Jap dort nachsucht, entdeckt er wirklich ihren toten Körper; in der Folge schlägt ein auf Krankenschwestern fixierter Vergewaltiger und Mörder noch 6x zu. Wovon weitere zwei Opfer sich selber bei Jap melden.
Die Ingredienzen für das Handlungsschema liegen also sowohl im realen Leben als auch im übernatürlichen; wobei die Geister / Seelen hierbei keine Schreckensfunktion einnehmen, auch wenn sie diesen erstmal durchaus auslösen.
Wer also nach dem Titel so etwas wie Bio – Cops oder einen reinen Horrorfilm erwartet hat, ist auf der ganz falschen Spur; dazu ist der Film von der Handhabung seines Stoffes auch viel zu ruhig und bei weitem nicht so überdreht. Yaus unauffällige, aber sichere Regie lässt die Szenen für sich selber sprechen; breitet sie nicht auf den größtmöglichen Effekt aus, sondern lässt die Geschehnisse soweit wie möglich natürlich erscheinen, wozu er auch die sehr guten darstellerischen Leistungen dafür nutzt.

- 1 Woche vorher -
Die Gefahr kommt von einem Menschen und bezieht sich dann auch nur auf Menschen; stellt sich die Frage, ob man die unheimlichen und nicht erklärbaren Vorgänge drumherum überhaupt gebraucht hätte.
Den durch einen natürlichen Tod gestorbenen Psychologen Kit [ Cheung Tat Ming ], der nur für Fong sichtbar ist und ihn mit Ratschlägen hinsichtlich der Person des Täters sowie dem nächstmöglichen Opfer versorgt, hätte man sicherlich ebenso in der wirklichen Welt anlegen können wie auch die anderen Vorkommnisse. Allerdings machen ihn gerade diese Prozesse über weite Strecken spezieller und entlocken dem bekannten Sujet nicht nur eine stimmige Atmosphäre, sondern auch einige Überraschungen. Man bekommt diesmal halt nicht ein ewiges, konventionelles Déjà-vu geboten, sondern präsentiert sich durch den Bereich des psychologischen Horros anders und damit im eigenen Reiz; entfaltet seine Intensität über die beteiligten Personen ohne irgendwelche Schockmechanismen bedienen zu müssen.

Da man auf Effekte komplett verzichtet und sich auf die polizeiliche Ermittlung zusätzlich zur dramatischen Steigerung zwischen den Figuren verlässt, entsteht ein relativ kleiner Film, der seinen Spielraum durchweg mit Leben füllt. Man kann abwechselnd und mit zunehmender Laufzeit hoffnungsvoll, romantisch, sorgend, ängstlich und traurig wirken und tut dies dann auch; ohne gleich unhomogen oder klischeehaft sein, sondern richtig zu berühren. Da stört es auch nicht, dass man den eigenen Zeitrhythmus etwas aushebelt; das Ende kommt abrupter und nicht wie gedacht, die trügerische Sicherheit des Countdowns besitzt später seine eigenen Regeln.

- Gestern -

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