Review

Über weite Teile sehr langsames Actiondrama, dass zwar besonders durch die ausschweifende erste Hälfte mehr Tiefe als die meisten Filme des Genres anstrebt, aber dabei vollkommen unnütze Sachen aufzeichnet und nie das Tempo erreicht, dass ein Film dieser Art haben muss. Die Klischeeanteile sind nämlich dennoch sehr hoch, man kennt die Geschichte von dem guten Killer , der aussteigen will und erstmal die Vergangenheit bekämpfen muss; man kennt auch die Geschichte mit dem bürgerlichen Liebesobjekt, dass trotz aller Hindernisse und der unrühmlichen Vorgeschichte zu ihm hält und man sich gemeinsam in Gefahr begibt.
Nichts anderes wird hier erzählt, ein simple Geschichte eigentlich, wozu der unnötige und lange Aufbau gedacht ist, weiss man nicht.

Yip Man Sau [ Michelle Reis ] checkt sich in einem kleinen Hotel auf der Fischerinsel Lantau ein, sie wirkt sehr schreckhaft und paranoid, versteckt zuerst einen in Zeitungspapier gewickelten Gegenstand und macht sich dann auf einen Spaziergang, wobei ihr Weg in eine Kirche führt und der sakrale Gesang sie in den Schlaf leitet, die erste Rückblende wird eingebunden. Dabei sieht man sie bei zwei kaltblütigen Attentaten in HK und dazu gegensätzlich als fürsorgliche Schwimmlehrerin für kleine Kinder, wobei sie auch den Vater [ Vincent Wan ] eines ihrer Schützlinge kennen- und lieben lernt.
Doch ein nächstes Attentat ging schief.

Wer es schon vorher nicht ahnte, kann sich spätestens jetzt denken, was in dem Paket ist und warum sie schmerzhaft die Hand auf den Bauch hält; diese Schussverletzung macht sie nach dem Verlassen der Kirche auch ohnmächtig. Sie wacht wieder im Hotel auf, der Dumpling - Verkäufer Ken [ Ma Ching - tao ] hat sie gefunden und nach Hause gebracht sowie ihre Wunde versorgt. Langsam nähern sie sich an, doch ihre Vergangenheit bleibt erstmal ein Rätsel; als ihre Beziehung zu eng wird und zwei fremde Leute auf der Insel offensichtlich nach ihr suchen, verschwindet sie über Nacht zurück nach HK. Doch Ken folgt ihr und beide geraten in die Schusslinie der Killer.

Klingt nicht neu, aber soweit gut, ist es trotzdem nicht. Der Film begeht von Anfang an storymässig bekannte Pfade und versucht das anscheinend über mehr dramatischen Appeal wieder zu korrigieren. So darf man der Suchaktion nach einem gekenterten Mann während eines Taifuns ebenso beiwohnen wie die geographische Ablösung eines nunmehr volljährigen Mädchens von ihrer Familie. Und man erfährt, dass Fischer Pei Hey [ Michael Tse ] nach seinen drei Töchtern diesmal unbedingt einen Sohn haben will; was natürlich mit den Fortgang des Hauptplots gar nichts zu tun hat und schlichtweg nicht interessiert. Zudem kommt es bei vermeintlich traurigen Situationen ständig zu einem Überschwang an Emotionen, wobei man auf sehr kitschige Bilder [ z.b. Hochschwangere Frau UND Mann im Rollstuhl bemühen sich, rechtzeitig zu der tränenreichen Verabschiedung des Mädchens zu kommen ] zurückgreift und die Personen einen trotzdem kalt lassen.

Zurück in HK greift der Film erstmal wieder zu einer Rückblende, wodurch die Vorgeschichte der Killerin weiter ausgeleuchtet werden soll. Nichtdestotrotz bleibt diese abgesehen von der Tatsache, dass irgendjemand hinter ihr her ist und ihr damaliger Liebhaber auch dazu gehörte, generell weiter im Unklaren und wird auch am Ende nicht wirklich aufgelöst, soviel zur narrativ bemühten Betonung der Tiefe.
Nunmehr steigert sich allerdings das Tempo, was vor allem daran liegt, dass ein auf Yip losgeschickter Killer [ Xin Xin Xiong ] überall präsent scheint und dieser mächtig einheizt. Bleiben die Shootouts zwar noch auf relativ kleinem Rahmen, so werden sie doch ständig gesteigert und involvieren immer eine grössere Anzahl von Personen; nachdem Yip und Ken wieder auf Lantau gelandet sind, wird die gesamte Insel abgeschnitten und eingenommen. So wirklich Nutzen haben aber die Actioneinschübe doch nicht, zum einen sind sie nicht herausragend, zum anderen ist man gefühlsmässig mittlerweile längst nicht mehr dabei. Zudem zieht sich das Ende ewig hin, der Schluss wird noch zeitlupenmässig scheinbar ins Unendliche gedehnt.
Das liegt auch an den Darstellern, wovon eigentlich keiner wirklichen Eindruck macht, auch die Hauptrollen sind sehr seicht und blass besetzt, es kommt einfach nichts herüber und langweilt auf die Dauer.

Die Variation des The Killer - Themas mit einer Frau wurde in Beyond Hypothermia wesentlich besser gelöst, trotz einer gewissen formalen Kompetenz ist das Skript hier in seinen Hauptpunkten einfach zu bekannt, die Nebenelemente zeigen sich zumeist prätentiös und weitab vom eigentlichen Ziel. Selbst der nicht ganz unähnliche Black Morning Glory mit Michelle Reis macht eine etwas bessere Figur.

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