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Inzwischen, nachdem die Ringsaga in punkto Kinofilmen sich bereits auf drei Filme ausgeweitet hat, muß man der Vollständigkeit halber auch noch „Spiral“ in der Reihe einfügen, ein Film der als ursprüngliche Fortsetzung zu dem Originalfilm von 1998 gedreht wurde.
Leider ging der Film an der Kinokasse unter wie ein Stein und so kehrte man diesem Zweig der Geschichte schnellstmöglichst den Rücken, um zu der mysteriösen Storyline des Originals zurückzukehren.

Sieht man den fertigen Film, weiß man, warum die Zuschauer so brüskiert reagiert haben, denn Joji Iida und sein Team kehren der bisherigen Prämisse voll und ganz den Rücken und der Plot entwickelt sich in eine ganz andere Richtung. Dabei bleiben sie wesentlich näher an den Büchern von Koji Suzuki, aber man kann behaupten, daß das für den Film keinesfalls ein Gewinn gewesen ist.

Das beginnt schon mit der am Ende des ersten Teils gestorbenen Takayama, dessen leicht hochmütige Verschlossenheit sich hier in einen verschlagenen, hochintelligenten Strippenzieher verwandelt, der die rächende Sadako nicht nur durchschaut hat, sondern sogar eine Art Pakt mit ihr geschlossen hat (indirekt), um damit seinen Kollegen Anda in einem komplizierten Netz aus Hellsichtigkeit, Präcognition, Rätselspielen und genetischer Klonprozesse zu fangen.

Der Film wirkt wie ein komplettes Gegenstück zum ersten Film. Aus Sadako, dem rächenden Unwesen wird eine schlau planende Strippenzieherin des Jenseits, die ihre eigenen Wiedergeburt inszeniert, aus dem Fluch wird eine durch verschiedene Medien wie Video oder Bücher übertragbare Pockenerkrankung und die Pointe ist praktisch aus Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“ geklaut. Das alles wirkt im Gegensatz zum Original unfreiwillig albern und blöde, wenn das Buch sich bemüht, Erklärungen für etwas zu bieten, was besser unerklärbar geblieben wäre und gleichzeitig selbstaufgebend an der Erklärung scheitert.

Dazu kommt noch, daß der Film überhaupt keinen Drive entwickelt. Wohl um das persönliche Dilemma der Hauptfigur Anda zu steigern, ufern die Dialoge in Bedeutungsgewalt aus, doch da man sich eigentlich nichts zu sagen hat, ziehen sich die Gespräche in unendliche Längen, entstehen grotestke Pausen zwischen zwei Sätzen.
Leider kommt aber keine Intimität auf, sondern Monotonie und Darsteller Koichi Sato bietet eine Bravourvorstellung in schlechtem Chargieren und gibt fast jede seiner Szenen im übermäßigen Grimassieren der Lächerlichkeit preis.

Horror ist das eigentlich nur noch am Rande zu nennen, mit all der Gentechnologie und den zäh erkämpften Erkenntnissen, die das Publikum eh schon weiß, zielt „Spiral“ eher in die Nähe der SF und hat neben einer hübschen, aber unattraktiv dargebotenen Schlußpointe so gut wie nichts zu bieten.
Merke: was sich gut lesen läßt, muß als Film noch lange nicht überzeugend wirken. Und zu gruseln gibt’s hier auch nicht mehr, eher ist ein ärgerliches Stöhnen ob der Plattheiten drin. (3/10)

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