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Seit vielen Jahren gilt der Regisseur, Autor und Graphiker Hayao Miyazaki als einer der erfolgreichsten Filmemacher Japans, und das, sowohl in kommerzieller als auch in künstlerischer Hinsicht.

Dieser Erfolg wirft ein bezeichnendes Licht auf den Stellenwert des Zeichentrick-Genres im Land der aufgehenden Sonne, denn etwas anderes als Anime, wie der Fachmann bewegte japanische Cartoons nennt, hat Hayao Miyazaki nie gemacht. Trotzdem stellen seine Filme in schöner Regelmäßigkeit immer neue, phantastische Rekorde auf und lassen in Japan auch die stärkste Hollywoodkonkurrenz hinter sich.
1997 hat Miyazaki mit seinem Werk "Prinzessin Mononoke" in seiner Heimat alle bisherigen Rekorde noch einmal übertroffen.

Die Geschichte spielt in der Zeit der Muromachi-Shogune (1333-1568). Der junge Martial-Arts Kämpfer Ashitaka tötet in Notwehr in einem wilden Kampf den tollwütigen Rieseneber Tatari Gami, einen uralten Waldgott, der einst durch eine eiserne Gewehrkugel, die ihn abgefeuert wurde, dem Wahnsinn verfiel.
Auch Ashitaka ist verletzt worden und braucht dringend ein Heilmittel gegen die infektiöse Krankheit, die ihm Tatari Gamis Fluch eingebracht hat. Nun macht sich der junge Krieger auf die Reise nach Westen, wo sich Siedler und Samurais bekriegen. Der gemütliche Wandermönch Jiko erzählt ihm von dem mächtigen Hirschgott, der über dem Wald regieren soll, in dem riesige Tiere leben – wie jener verfluchte Eber!
Als Ashitaka Zeuge wird, wie drei große Wölfe einen Siedlerzug angreifen. Nachdem diese durch Gewehre abgewehrt wurden, zieht Ashitaka zwei verletzte Männer aus dem Fluss und sieht dabei am anderen Ufer ein Mädchen, das die Wunden einer mächtigen Wölfin aussagt – kurz danach verschwinden beide. Ashitak will mit den Verletzen zu einer kleinen Siedlung. Später sieht er von der Ferne eine hirschähnliche Gestalt. Ist das jener Gott, der ihn heilen kann? Dann stoßen sie auf ein Erzlager, das von der umgänglichen Geschäftsfrau Eboshi regiert wird, deren größter Feind das Mädchen San, das von der Wolfsgöttin Moro erzogen wird und nun zur wilden Prinzessin Mononoke herangewachsen ist. Als San nachts Eboshi töten will, geht Ashitaka dazwischen und schafft sie, selbst von einer Kugel getroffen, fort. Trotz ihres Hasses auf alle Menschen ist San von Ashitaka fasziniert.
Der junge Held gerät zwischen die Fronten. Für den Zuschauer wird sich erweisen, was stärker ist: der Kampf um den Wald zwischen Mensch und Tier, oder die Liebe zwischen dem Krieger und der Prinzessin…

Regisseur Hayao Miyazaki erzählt facettenreich und überaus feinfühlig von der Hassliebe zwischen Mensch und Natur. Die atemberaubende Mischung aus märchenhafter Poesie und ökologischer Botschaft wurde in Japan zum erfolgreichsten Zeichentrickfilm aller Zeiten, ja zum erfolgreichsten Film überhaupt.
Eigentlich stammt die ursprüngliche Version von Prinzessin Mononoke aus dem Jahr 1980 und erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die von ihrem Samurai-Vater Tribut einem siegreichen Katzenmonster übergeben wird. Als der Vater daraufhin dem Wahnsinn verfällt und als ruheloser Krieger Unheil im Lande treibt, verweigert die junge Frau dem Dämon so lange ihre Liebe, bis dieser mit ihr auszieht und den Vater für das Leben zurückgewinnt. Mensch und Tier finden zueinander.
Die Story wurde damals jedoch abgelehnt, doch Miyazaki hatte die Idee einer personifizierten Hass-Liebe-Beziehung zwischen Mensch und Natur doch durchgesetzt. An Stelle des männlichen Katzendämons ist die "Monster-Prinzessin" getreten, die sich in Ashitaka, den mit einem Fluch belegten Erben einer menschlichen Kriegerdynastie verliebt.

Mit "Prinzessin Mononoke" setzte Hayao Miyazaki ("SternenKrieger - Warriors of the Wind", "Chihiros Reise ins Zauberland") seinen großen Stellenwert in Japan fort. Ein Film der in seiner Wirkung mit "Krieg der Sterne" verglichen werden kann, aber auf der symbolischen und emotionalen Ebene weit über George Lucas Meilenstein hinaus geht. Prinzessin Mononoke ist eine Reise ins Reich unserer Träume, die niemals den Bezug zur Wirklichkeit verliert. In unglaublichen Bildern, unterlegt mit einem wundervollen Soundtrack entführt Miyazaki den Zuschauer in die faszinierende Bilderwelt eines Visionärs, gespickt mit grandiosen Actionszenen, die bei aller Anmut und Zartheit unserer Realität schonungslos einen Spiegel vorhält. Ja, so ist "Prinzessin Mononoke" für mich die neue Dimension des Zeichentrick und einer der besten Filme aller Zeiten – Ein faszinierendes, großartiges Meisterwerk!

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