Ein exzellentes Meisterwerk, und mit Sicherheit einer der besten Animes aller Zeiten! Erfolgsregisseur Hayao Miazaki, der hierzulande auch mit dem Märchen „Chihiros Reise ins Zauberland“ einen Riesenerfolg landete, präsentiert dem Zuschauer hier ein auf ewig im Gedächtnis bleibendes, Ehrfurcht gebietendes Fantasyspektakel der Sonderklasse. Ich probiere es mal:
Einst, als die Erde noch von den Göttern regiert wurde, bevölkerten sie die Tiere ausschließlich im Form von riesigen Götterwesen, die in ihren Dimensionen etwas über das gewöhnliche Antlitz eines gewöhnlichen Tieres hinausgehen. Doch mit der Zeit kam der Mensch ins Spiel, und er breitete sich mehr und mehr aus. Die Technik schritt voran, und das immer auf Kosten des Waldes und der Tiere, gegen die die Menschen zahllose Kriege führten. Nun hat der Mensch Gewehre erfunden, mit denen auch die stärksten der Götter besiegt werden können.
Der junge Krieger Ashitaka, der aus einem Dorf eines verschwindenden Stammes kommt, besiegt einen dämonischen Eber. Dabei wird er von dem Tier verletzt, und aufgrund der Wunde wird ihm der Tod prophezeit. Es stellt sich heraus, dass der Eber einst ein Gott unter den Tieren war, der vom Dämon des Hasses verseucht wurde. Der Fluch ging auch auf Ashitaka über, der nun auszieht, um seinem Schicksal zu begegnen, welches man ihm in Form des mysteriösen Waldgottes verbildlicht. Auf seiner Reise gerät er zwischen die Fronten eines Krieges zwischen einem im Wald lebenden Mädchens namens San, was mit den Wölfen umherzieht und die Fürstin einer Eisenfestung umbringen will. Diese sieht in den Tieren, die sich vehement zu verteidigen versuchen, ebenfalls einen Feind und versucht, mit Hilfe verbündeter Regierungsagenten, den Gott des Waldes zu ermorden...
Ist alles nicht so leicht zusammenzufassen.
In den zwei Stunden Film wird das Handlungsgerüst in epische Dimensionen gestreckt, es treten haufenweise verschiedene Charaktere auf den Plan und nichts geht einfach mal so von Statten. Trotzdem kann man der Handlung durchweg folgen, später wird es ohnehin mehr und mehr emotional als verstrickt. Dabei kommen Gefühl und Dramatik derart wuchtig dem Zuschauer entgegen, dass dieser gleich alles mitfühlt. Die Zeichnungen sind phänomenal und verleihen den einzelnen Charakteren eine exzellente Mimik und Ausdruckskraft, und auch die deutsche Synchronisation tut dem ganzen alles andere als einen Abbruch. So bewegen sich ausschließlich schillernde Charaktere durch die epische Heldengeschichte, sowohl Menschen als auch Tieren werden ganz große Rollen zugeordnet. Ähnlich verhält es sich mit dem klangvollen, melodischen Soundtrack, der seinesgleichen tut, eine dramatische, ruhmreiche Geschichte zu untermalen, die den Kampf Mensch gegen Natur und umgekehrt darstellt. Dabei bleibt das Finale mal wieder Geschmackssache, da es mal wieder für japanische Filme typisch sehr ins Abstrakte und Ungewöhnliche abdriftet, doch das sollte niemanden daran hindern, diesem Fantasymeisterwerk die Höchstnote zu verpassen – genauso wenig wie das etwas unpassend platzierte Happy-End, welches dem Zuschauer vermutlich die ein oder andere Krokodilsträne ersparen will.
Fazit: George Orwell hätte an diesem Werke durchaus seine Freude gehabt. Die Botschaft der geistreichen Öko-Mär geht nämlich zweifelsohne in die gleiche Richtung wie sein renommiertes Werk „Animal Farm“, wenn auch mit deutlich weniger Schwerpunkt auf politische Angelegenheiten, dafür aber mit tonnenweise Fantasie und atemberaubender Actionszenen. Zwar steht für mich Katsuhiro Otomos „Akira“ nach wie vor an der Spitze aller Dinge, doch eines sollte klar sein: diese Prinzessin hier spielt in der obersten Riege aller Animes mit.